Uhte-Spazier, Johanne Karoline Wilhelmine (1779-1825) Pädagogin, Schriftstellerin - Nachruf

Aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826)
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1825
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Pädagogin, Erzieherin, Bildung, Landesgeschichte, Schriftstellerin
Am 11. März 1825 starb zu Dresden eine höchst achtbare und gebildete Frau, Johanne Karoline Wilhelmine Uhte-Spazier. Wertvoll gehört sie unserm Mecklenburg im Strelitzschen Teile an, da sie in demselben als Privaterzieherin eben so wie als Vorsteherin der Großherzogl. Meckl. Töchterschule mehrjährig wohltuend wirkte.

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Aber auch als Enkelin unseres großen Landsmanns Johann Christian Anton Theden, der als Barbier seine Laufbahn begann, und als Königl. Preuß. erster General-Chirurgus ruhmvoll beendete, wird sie uns interessant. Tochter der seinigen, verehelicht mit dem Königl. Preuß. Geh. Rat, Prof. Joh. Chr. And. Mayer zu Berlin, (auch Schwiegervater von Jean Paul Friedrich Richter und dem Dichter Hofrat Mahlmann) ward sie zu Berlin den 10. Mai 1779 geboren, und verheiratete sich mit dem Fürstl. Wied-Neuwiedschen Hofrat Karl Spazier zu Leipzig, dem ersten Herausgeber der Zeitung für die elegante Welt. Nach dessen am 19. Januar 1805 erfolgtem Ableben war sie mehrere Jahre erst Privaterzieherin, welches jedoch von einigen bezweifelt wird, mit Gewissheit aber Vorsteherin der Großherzoglichen Töchterschule in Neustrelitz. Dann ging sie, und namentlich vor 1819, nach Dresden, wo sie sich zum zweiten Mal mit dem Instrumentenmacher und Königl. Hoforgelbauer daselbst, J. A. Uthe, ehelich verband und dessen Namen den ihres ersten Gatten, nach jetzt herrschender Sitte, hinzufügte. Sie war eine hochgebildete, kenntnisreiche Frau, und hat sich auch als Schriftstellerin durch Folgendes bekannt gemacht:

1) Briefe der Lespinasse; aus dem Französischen übersetzt. 2 Teile. Elberfeld, 1810. 8. Neue wohlfeile Ausgabe ebendas. 1824. 8.
2) Sinngrün, eine Folge romantischer Erzählungen, mit Teilnahme Jean Paul Friedrich Richters und einiger deutschen Frauen Unterstützung herausgegeben. 2 Bände. Berlin, 1819 (l815) und 1820. Mit Kupfern. 8.
3) In der Urania (Taschenbuch) aus d. J. 1812: a) An die drei Freundinnen in A. — b) Etwas über Seume.
4) In dem Frauentaschenbuch auf d. J. 1822: Züge aus dem Leben des römischen Königs Maximilian, eine historische Skizze.
5) In der Abendzeitung v. J. 1821, No. 20: Nachruf an Therese Mayer, geb. Grünwald.
Vergl. Gel. Teutschl., B. XVI. Raßmanns Pantheon, und vorzüglich v. Schindel, die deutschen Schriftstellerinnen des neunzehnten Jahrhunderts, B. 2 u. 3, zu welchen beiden Bänden ich, nach dem Wunsche und der Bemerkung des Hrn. Verf. in der Vorrede zum 3. Band, viele Beiträge geliefert habe

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