Störtebecker, Klaus (unbek.-1401) mecklb. Anführer der Vitalienbrüder. Biographie

Allgemeine Deutsche Biographie Bd 36 (1893)
Autor: Hofmeister, Adolf Gotthilf Christian (1849-1904) Historiker und Bibliothekar der Rostocker Universitätsbibliothek, Erscheinungsjahr: 1893
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Störtebecker: Klaus St., Anführer der Vitalienbrüder. Aller Wahrscheinlichkeit nach stammt er aus Wismar, wo der Name St. mehrfach vorkommt und im Jahre 1380 ein Nicolaus Störtebecker urkundlich bezeugt ist. Die Städte Rostock und Wismar hatten schon seit 1375 ihre Landesherren im Kampfe um die Reiche Schweden und Dänemark zur See tatkräftig unterstützt; als dann 1389 König Albrecht von Schweden in die Gefangenschaft seiner Gegnerin Margaretha von Norwegen gefallen und nur Stockholm noch im Besitz der Mecklenburger geblieben war, boten sie zur Versorgung der von Feinden eng umlagerten Stadt mit Lebensmitteln und Kriegsbedarf, und zur Schädigung der feindlichen Streitmacht, Scharen verwegener Gesellen auf, denen sie ihre Häfen als Zufluchtsort und Markt für die gemachte Beute öffneten. Unter den mit Namen bekannten Anführern dieser nach ihrem Hauptzweck, der Verproviantierung Stockholms, Vitalienbrüder genannten Scharen finden sich zahlreich Glieder alter Adelsfamilien Mecklenburgs, Pommerns und der Mark, die Fehdeluft und Hoffnung auf reiche Beute auf die See führte; Störtebecker ist nicht unter ihnen. Erst als nach der Befreiung König Albrecht’s 1395 der allerdings wohl überwiegende Teil der Vitalienbrüder sich der notdürftig wiederhergestellten Ordnung nicht fügen wollte und die alten Zufluchtsstätten meiden mußte, treten Gödecke Michels und neben ihm Klaus Störtebecker, Magister Wigbold und Wichmann, als Führer hervor. Diese verlegten den Schauplatz ihrer Taten in die Nordsee, wo sie bei den ostfriesischen, in unaufhörlichen Kämpfen sich befehdenden Häuptlingen Unterstand fanden, und wenn sie gleich vorzüglich fremde Fahrzeuge, besonders englische, überfielen, so war doch auch kein hansisches Schiff vor ihren Raubgelüsten sicher. Im Jahre 1400 rüsteten daher die Hansestädte eine Flotte gegen sie aus, doch ehe diese noch zum Auslaufen kam, hatten die Hamburger und Lübecker vereint schon einen Sieg über die Vitalianer davongetragen, der sie nötigte, teils in Norwegen, teils in Holland Schutz zu suchen. Unter den Anführern der letzteren wird ein Johann Störtebecker genannt, wohl ein Verwandter des Klaus, nicht dieser selbst; die ersteren führte Gödecke Michels, bei dem sich auch Klaus St. befunden haben wird, da von 1394 an beide stets zusammen genannt werden, doch so, daß Gödecke Michels immer die erste Stelle einnimmt. Im Frühjahr 1401 liefen wiederum bewaffnete Schiffe unter der Anführung der Hamburger Ratsherren Nicolaus Schoke und Hermann Lange aus der Elbe aus, trafen bei Helgoland mit den Vitalienbrüdern unter Störtebecker und Wichmann zusammen, und brachten ihnen eine vollständige Niederlage bei. Gegen 40 kamen im Kampfe um, der Rest mit den beiden Anführern, etwa 70 Mann, wurde gefangen, mit dem eroberten Schiffe Störtebecker’s nach Hamburg gebracht und Ende Oktober hingerichtet. Gödeke Michels und Wigbold mit 80 Gefährten ereilte kurz darauf das gleiche Schicksal. Das ist es, was die Geschichte von Störtebecker berichtet; viel mehr weiß die Sage und Dichtung von ihm zu erzählen. Von Holland bis nach Rügen hin und noch weiter kennt das Volk Störtebekerhäfen, Störtebekerburgen, Störtebekerkeller und Störtebekerhöhlen mit verborgenen Schätzen, das Lied vom Störtebeker ist Jahrhunderte hindurch eins der beliebtesten Volkslieder geblieben, in dessen Ton noch eine ganze Reihe anderer gedichtet und gesungen wurden (die Weise ist erst 1887 von J. Bolte wieder aufgefunden worden), und die romatische Poesie zählt den berüchtigten Seeräuber und Schrecken der Engländer wie der Hansen zu ihren Lieblingshelden. Walther meint, daß Störtebecker sein Hervortreten in der Volksüberlieferung wohl nicht zum wenigsten seinem „Becherstürzer“ gedeuteten Namen (richtiger zu deuten als „Deckelbecher“, vielleicht nach dem Wappen oder Hauszeichen; ein Hamburger Söldner Hermen Störtebecker um 1439 führte ein Trinkhorn im Siegel) zu danken habe, da das Volk seinen Helden gerade diesen Zug mit Vorliebe beilege. Gewiss mag das zu seiner Volkstümlichkeit beigetragen haben, nicht weniger aber das Volkslied, in dem St. voransteht, so daß der schnell beliebt gewordene Ton nun allein seinen Namen trug. Auch das unter Störtebeker’s Namen umlaufende Porträt ist apokryph, indem es ursprünglich Kunz von der Rosen, den lustigen Rath Kaiser Maximilian’s I., vorstellt.

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