Schlangensagen aus Userin bei Neu-Strelitz.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von Friedr. Latendorf aus Neu-Strelitz, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Neustrelitz, Schlangenkönig, Userin
Das Gold, was der Schlangenkönig und seine Gemahlin auf ihren Häuptern als Kronen tragen, soll das feinste auf Erden sein. Die Schlangenherrscher sind aber um den Verlust ihrer Kronen sehr besorgt, und wissen den mutwilligen Räuber hart zu züchtigen; anderseits verschenken sie ihre Kronen bisweilen auch zur Belohnung. Folgende Sagen aus Userin werden sich hier nicht unpassend anschließen.

Eines Tages begegnet der Schlangenkönigin eine Frau, während sie in vollem Schmucke einherstolziert. Erschrocken flieht die Schlange in das Gebüsch; da ruft ihr die Frau nach: „Ick doh Die jo nicks; ich will blot Dien schön' Kron beseh'n!"*)

Und auf diesen tröstlichen Zuspruch erscheint auch noch der Schlangenkönig, und beide lassen sich in ihrer Pracht bewundern.

*) „Ich tue Dir ja nichts; ich will bloß Deine schöne Krone besehen!"


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Um die Mittagszeit pflegen sich die Schlangen zu sonnen und ihre Kronen abzulegen. Das wusste auch ein Reiter, der am Wege sein weißes Taschentuch ausbreitete, und als er so listig zu der Krone des Königs gekommen war, eilig mit seinem Raube davonfloh.

Kaum aber hatte der König seinen Verlust wahrgenommen, als er seine feine durchdringende Stimme erhob und alle Schlangen seines Reiches um sich versammelte. Mit ihnen folgte er dann schleunigst dem Räuber, der zu seinem nicht geringen Schrecken die Leiber der Schlangen sich steil vom Boden erheben und in weiten Bogen fortschnellen sah.

Sein schnelles Ross trug ihn jedoch bald zu seinem Hof, und dankbar klopfte er den Hals desselben mit den Worten: „Süh, Du höst mie doch tru biestahn!"*)

Da aber wird er von einer Schlange gebissen, die im Schweife des Pferdes sich unbemerkt versteckt hatte; und er ward seines Raubes nicht froh.

*) „Sieh, Du hast mir doch treu beigestanden!"

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