Rostocker Sitten - Die Schwalbe, die Königin der Luft

Aus: Unterhaltungen am häuslichen Herd. Herausgeber: Gutzkow, Karl. Neue Folge . Band 2
Autor: Friedrich, Fr. (?), Erscheinungsjahr: 1857
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Rostock, Tradition, Frühlingsfest, Iduna,
„Eine Schwalbe macht keinen Sommer“, sagt ein altes Sprichwort, und dennoch begrüßen wir die erste Schwalbe als den Boten des nahenden Frühlings und Sommers und halten dadurch fest an dem Glauben unserer alten deutschen Vorfahren, bei denen die erste Schwalbe als das Ende des kalten Winters und der Anfang des sonnigen, blumigen Lenzes angesehen wurde.

Wächter waren auf den Türmen in den Städten aufgestellt, um die Ankunft der ersten Schwalbe und des ersten Storchs durch Blasen eines Horns der ganzen Stadt zu verkünden, und dies war das Zeichen zum Beginn des altdeutschen Frühlingsfestes. Noch im vorigen Jahrhundert war diese Sitte in Rostock üblich und der Turmwächter erhielt dafür einen Ehrentrunk aus dem Ratskeller.

Die erste Schwalbe ist da. Sie begrüßt uns eines Morgens mit ihrem traulichen Gezwitscher und umkreist das Fenster und das Haus. Frühlingshoffnung und Lenzesluft ziehen in unsere Brust ein, mag der Himmel auch noch so ungnädig dareinblicken. Unser Auge folgt dem raschen Fluge der freundlichen Botin; dort auf dem Dache ruht sie für kurze Zeit aus und blickt zu uns herüber wie zu alten Freunden, welche man nach langer Reise zum ersten male wieder begrüßt. Wir schauen zu ihr auf mit einer heiligen Scheu und Liebe zugleich, denn ohne dass wir es wissen, lebt in uns noch ein guter Teil des Götterglaubens unserer Vorfahren. Mit Freuden nehmen wir wahr, dass die Schwalbe ihr Nest über unserm Fenster baut; Niemand wagt sie zu stören, mag sie auch noch so lästig werden; nur die Hand eines Frevlers reicht bis zu diesem kleinen, kunstvollen Bau empor; denn in das Haus kehrt Glück und Segen ein und der Blitzschlag bleibt ihm fern, an welchem eine Schwalbe ihr Nest baut. Harte Strafe, Totschlag durch Blitz trifft Denjenigen, der eine Schwalbe schädigt oder tötet, und vier Wochen anhaltender Regen ist die Folge davon.

Woher stammt dieser Glaube und diese Verehrung, deren sich die Schwalbe in allen deutschen Landen zu erfreuen hat? Die Wenigsten wissen es. Gleich dem Ibis bei den Ägypten: war die Schwalbe bei den alten Deutschen ein geheiligter Vogel, der Vogel der Iduna, der Göttin der Unsterblichkeit. Im Winter ist Iduna von einem Riesen geraubt, aber im Frühjahr kehrt sie mit den Schwalben zurück. Deshalb nahm auch nach dem Glauben der alten Deutschen die Schwalbe ihren Winteraufenthalt in der Erde, in Sümpfen bei Idunas Vater, einem Erdgeist, und in der „Edda“ wird sie besungen als im Frühjahr aus der Erde emporsteigend.

Die Verehrung der Schwalbe ist aus dem deutschen Heidentum in das Christentum mit hinübergegangen; sie hat sich Jahrhunderte, ja Jahrtausende frisch und lebenskräftig erhalten, aber sie ist kein Götzendienst mehr, sondern ist allmählich in jene Zuneigung und Bewunderung übergegangen, welche die Königin und Beherrscherin der Luft im vollsten Maße verdient.

Die Luft ist das Gebiet und die wahre Heimat der Schwalbe; sie durchschneidet sie schnell wie ein Pfeil oder ruht in ihr aus, wenn sie langsam mit ihren leichten Fittigen dahinschwebt.

Fliegend isst und trinkt sie, fliegend spielt und badet sie sich. Der Erde bedarf sie nur für die kurze Zeit ihres Schlafs und um einen festen Ort zu haben, an dem sie ihr Nest baut und ihre Jungen heranzieht, bis diese ihr folgen und sich mit ihr zum blauen Äther emporschwingen können.

Bewundernswürdig sicher ist ihr Flug. Wie ein Pfeil schießt sie auf ein Haus oder eine Mauer zu, um eine Fliege dort zu haschen. Sie erfasst sie sicher mit ihrem spitzen Schnabel, ohne mit den Flügeln nur die Wand zu berühren. Mit derselben Schnelligkeit jagt sie über das Wasser hinweg, kaum einen Finger breit ist sie von der Oberfläche entfernt, aber ihr Auge ist sicher und mit einer geringen Schwenkung ihrer Flügel erhebt sie sich wieder hoch in die Luft. Stundenlang setzt sie dies Spiel fort, ohne zu ermüden, ohne ein einziges mal auszuruhen. Leichter kann kein Windhauch dahinziehen, als die Schwalbe vorüberschwebt. Sie müht sich nicht, sich in der Luft zu halten, sondern ohne Anstrengung schwebt sie darin auf ihren langen Flügeln; sie wird von ihr getragen und durchdringt sie doch leicht und ungehindert. Ihre Ausdauer wetteifert mit der Schnelligkeit ihres Flugs. Wird jene nur durch den Fregattenvogel, der Hunderte von Meilen in Einem Fluge und mühelos zurücklegt, und durch einige Seemöwen übertroffen, so kommt ihr an Schnelligkeit nur der Falke gleich. Sie ist schneller als der Wind, schneller als die schnellste Lokomotive, und selbst eine Kanonenkugel übertrifft sie nur um das Sechsfache an Schnelligkeit. In einer Sekunde legt die Schwalbe einen Raum von 300 Fuß zurück, in einer Stunde nahe an 45 Meilen und in fünf Tagen würde sie die ganze Erde umkreist haben, wenn kein Wind ihr hindernd entgegenträte und die schwachen Flügel solchen Flug auszuhalten vermöchten. Aber auch den Wind versteht sie zu überwinden, denn sie hebt sich so hoch in die Atmosphäre hinauf, bis sie eine ihrem Fluge günstige Luftströmung findet.

Wie lange Zeit die Schwalben auf ihrem Wanderfluge von uns bis nach dem nördlichen Afrika und bis nach Asien zubringen, ist noch nicht erforscht, weil es nicht bekannt ist, wie oft sie ruhen und welchen Weg sie nehmen, da sie dem Auge unerreichbar hoch in der Luft fliegen über Berge, über Wolken.

Das Geschlecht der Schwalben ist ein zahlreiches und zählt 66 verschiedene Arten. Von allen ist aber die Hausschwalbe uns die vertrauteste und liebste. Sie sucht die Wohnungen der Menschen auf, gleichsam als ob sie diese Liebe ahnte und von ihr den meisten Schutz erwartete, und sie zählt ja auch zu unseren Hausfreunden. Kunstvoll und zierlich ist ihr Nest, festgemauert und festgegründet an einer senkrechten Flache. Sorgfältig wählt die Schwalbe den besten Stoff dazu aus: Ton, Lehm oder tonartigen Schlamm, und keine Entfernung ist ihr zu weit, um ihn im Schnabel zum Aufbau des kleinen Hauses herbeizutragen. Sorgsam bereitet sie das Material und die Bausteine am Ufer eines Baches, Teiches oder Sumpfes zu. Wie ein Maurer knetet sie den Stoff mit dem Schnabel durch, taucht ihn ins Wasser, wenn er zu trocken und zu unbiegsam ist, formt kleine halbrunde Klümpchen daraus und trägt ihn im Schnabel zur Baustätte. Hier klebt sie ihn mit dem Schnabel fest und verbindet ihn mit den früheren Klümpchen. Mit der Brust drückt sie dagegen, um ihn fest zu verbinden, und ist das Nest fertig, so setzt sie sich hinein, dreht sich darin herum, glättet die inneren Wände und gibt ihm die erforderliche Rundung. Sie hat nicht Kelle noch Hammer und dennoch gelingt der Bau ihr wohl. In acht bis zwölf Tagen ist er vollendet und nun beginnt die innere Ausschmückung. Mit Federn und Daunen, Wolle und Haaren werden die inneren Wände bekleidet und auf dem Grunde macht sie ein weiches und warmes Bett.

So weit die Schwalbe auch oft das Baumaterial herbeiholen muss, so rasch der Bau auch fortschreitet, so gewinnt sie dennoch Muße, um mit ihren Schwestern Abends spielend die Spitzen der Türme zu umkreisen oder über dem Wasserspiegel des Teichs dahinzuschweben und Nachts sich mit ihnen höher und höher zum Himmel emporzuheben und dort in stiller, unerreichbarer Höhe bis gegen Morgen zu weilen. Aber ihre Bedürfnisse sind auch nur gering. Die Insekten, welche ihr zur Nahrung dienen, vorzugsweise Mücken und Fliegen, fängt sie während des Spielens im Fluge. Sie wird von einem außerordentlich scharfen Auge hierbei unterstützt, denn das kleinste Insekt bemerkt sie in einer Entfernung von 300 Fuß; sie schießt wie ein Pfeil darauf los und hascht es im Fluge. Ihr Schlaf ist ein äußerst kurzer, denn in der Regel schläft sie nur ein bis zwei Stunden während der Mittagszeit.

Wie fast alle Tiere, hängt auch die Schwalbe an dem Orte ihrer Geburt; dieser ist ja die Stätte ihrer ersten Freuden und Schmerzen. Die Jungen bauen in der Regel ihr Nest dicht neben dem ihrer Eltern und friedfertig leben sie mit diesen nebeneinander.

Die meisten Hausschwalben bauen ihr Nest oben offen, wenige wölben noch ein Dach darüber und lassen nur eine kleine Öffnung darin, durch welche sie ein- und ausfliegen. Wird das Nest der Schwalbe zerstört, so baut sie es meist unverdrossen auf derselben Stelle wieder; zuweilen kommen aber auch die Schwestern aus der Nachbarschaft und helfen ihr das neue Haus aufbauen. Dies wird dann an einem, höchstens an zwei Tagen vollendet, während ein einziges Paar acht bis zwölf Tage dazu nötig hat. Das Männchen der Schwalbe entzieht sich nämlich keiner Arbeit; es hilft das Nest mit aufbauen, brütet mit dem Weibchen abwechselnd auf den Eiern und teilt getreulich die Sorge für die Jungen. Ein Schwalbenpaar ist friedlich und hängt fest aneinander. Selbst wahrend des Spielens bleiben sie stets in möglichster Nähe.

Unter den wenigen Feinden, welche die Schwalbe hat, ist der Sperling einer der ersten. Ebenso unverschämt als faul, nimmt er zuweilen von dem fertigen, bequemen und warmen Hause der Schwalbe Besitz und behauptet es mit einer solchen Hartnäckigkeit, als ob er in seinem vollsten Rechte wäre. Aber nicht ungefährdet erfreut er sich seiner Beute. Die sonst so friedlichen Schwalben vereinen sich und es entsteht ein Kampf, der durch die kühnen Angriffe auf der einen und die Hartnäckigkeit auf der andern Seite äußerst erbittert wird. Ein solcher Krieg währt oft mehre Tage lang; fließt auch nur wenig Blut, so erheben die Kämpfenden doch ein tapferes Feldgeschrei und entwickeln mehr Kriegslist als Homers Helden vor Ilium. Der spitze Schnabel der Schwalben ist die Lanze und das Bayonnet, mit welchen sie kühn und heftig sich auf den Feind stürzen, der in seiner unerschütterlichen Unverschämtheit einen starken Schild besitzt. Gelingt es den Schwalben nicht, den hartnäckigen Feind zu vertreiben oder auszuhungern, dann greifen sie zuweilen zu dem letzten Mittel. Sie fliegen fort, holen Ton und Lehm herbei, bauen mit außerordentlicher Schnelligkeit und Geschicklichkeit das Nest zu und mauern den Räuber ihres Besitztums lebendig darin ein.

Sind die Schwalben noch im Besitz des Nestes, so wird es den angreifenden Sperlingen äußerst schwer, sie daraus zu vertreiben, denn sie fürchten den spitzen Schnabel der Feindin, der wie eine Palisade und Lanze ihnen stets entgegengerichtet ist. Bewundernswürdig sind die Schwalben durch die List, welche sie in solchem Kriege anwenden, um ihren Gegner zu täuschen. So kleben sie bisweilen einige Schwanzfedern an den Ausgang des Nestes, sodass es täuschend aussieht, als ob die Schwalbe im Nest säße und dasselbe behüte, während sie vielleicht längst an einem andern Orte mit dem Aufbau eines neuen Hauses beschäftigt ist. Der Sperling lässt sich dadurch täuschen; hartnäckig beobachtet und belagert er das Nest, aber er wagt nicht, die tapferen Schwanzfedern anzugreifen.

Dies eine Beispiel möge Denjenigen, welche den Tieren allen Verstand und die Erkenntnis von Ursache und Wirkung absprechen, weil sie alle geistigen Tätigkeiten der Tiere nur für Instinkt ansehen und mit Descartes die Tiere nur für Maschinen ohne Verstand und Empfindung halten, das Gegenteil beweisen.

Plötzlich und geheimnisvoll, wie die Schwalben im Frühjahr von ihrer Wanderschaft zurückkehren, ebenso geheimnisvoll treten sie dieselbe an. An einzelnen Orten sammeln sie sich im Herbst, um in Gemeinschaft ihre Wanderung anzutreten. Während die meisten aus einem Turm oder Haus stillsitzen, schwärmen einzelne umher, erheben sich hoch in die Luft, kehren zwitschernd und schreiend zurück und beschreiben weite Bogen in der Luft. Es sind die Anführer und Wegweiser auf der weiten Reise. Sie erforschen, ehe sie die Reise antreten, erst die Richtung, welche sie innehalten müssen, und fliegen umher, um alle Schwalben in der Umgegend herbeizuholen. Plötzlich, wie von Einem Geiste getrieben, erheben sich sämtliche Schwalben fast senkrecht in die Höhe und sind auch in demselben Augenblick schon dem Auge entschwunden. Hoch in der Atmosphäre, in günstiger Lustströmung ziehen sie dahin über das Meer nach Afrika und Asien bis an den Senegal.

Derselbe wunderbare Instinkt, welcher den übrigen Wandervögeln innewohnt, zeigt auch der Schwalbe den weiten Weg und führt sie ohne Kompass und ohne Sternkunde, ohne Umwege und ohne je einmal zu irren zurück an die Stätte, wo sie im Jahre zuvor ihr Nest erbaut. Höchst selten baut sich die Schwalbe an einem andern Hause an oder lässt sich gar in einem andern Orte nieder. Es wohnt in ihr dieselbe Heimatliebe, welche auch den Storch stets zu demselben Neste zurückführt und den Lachs treibt, zur Laichzeit das Meer zu verlassen und durch verschiedene Ströme und Flüsse den stillen, klaren und kleinen Bergbach wiederaufzusuchen, in dem er einst geboren, um an derselben Stelle seinen Nachkommen das Leben zu geben.

Bei uns ist die wahre Heimat der Schwalben, denn nur bei uns bauen sie ein Nest, legen Eier und brüten dieselben aus. Nach dem Süden ziehen sie nur, um der Kälte des Winters zu entgehen und weil sie dort die Nahrung an Insekten finden, welche der Winter ihnen bei uns nicht zu bieten vermag.

Nicht alle Schwalben ziehen indes im Winter nach dem Süden. Einzelne, vielleicht die kranken oder schwachen, welche nicht im Stande sind, die Reise auszuhalten, oder solche, welche im Herbst sich verspätet und den allgemeinen Fortzug versäumt haben, bleiben hier. Sie überwintern in hohlen Bäumen, Scheunen, Uferlöchern und selbst im Schlamme des Wassers, indem sie in den Winterschlaf fallen. Es ist dies vielfach behauptet, aber ebenso häufig bestritten worden, weil man von der Ansicht ausging, dass unter den Vögeln sich keine Winterschläfer befänden. Es ist aber eine konstatierte Tatsache und der Schreiber dieser Zeilen hat selbst im Winter beim Ausbringen eines Teichs mehre Schwalben im Schlamme gefunden, welche in der Wärme des Zimmers aus dem Schlafe und dem Zustande der Erstarrung erwachten. Schon Aristoteles führt die Schwalbe und einige andere Vögel unter den Winterschläfern auf und auch die alten Deutschen hatten den Glauben, dass die Schwalbe den Winter in Sümpfen und in der Erde zubringe.

Naht im Herbste um die Zeit, in welcher die Schwalben sich nach dem Süden begeben, ein Sturm, so treten sie die Reise um einige Tage früher und sehr schnell an. Die Alten treiben dann die Jungen und Schwächeren mit Gewalt fort, da jede Stunde Zögerung sie der Gefahr des Sturms näherbringt. Ermatten einige während der Wanderung zu früh, sodass sie nicht im Stande sind, die Reise über das Meer auszuhalten, so werden sie von den übrigen zurück getrieben und jährlich bleibt eine Anzahl in den südlichen Ländern Europas zurück.

Durch die weite Wanderung werden die einzelnen Paare nicht voneinander getrennt, sie kehren stets gemeinschaftlich zu dem alten Neste zurück. Stirbt eine von ihnen, so folgt die andere meist in wenig Tagen ihr nach. Der Gram zehrt sie auf und vielleicht tritt bei ihr ein, was man bei den Menschen als eine Torheit verlacht hat — ihr Herz bricht.

Die Nahrung der Schwalben besteht aus Insekten, vorzugsweise Mücken und Fliegen, und durch die Vertilgung dieser lästigen Tiere zeigen sie sich dem Menschen dankbar für den Schutz, den er ihnen angedeihen lässt. In kalten, nassen Sommern, wo die Insekten sterben oder sich verkriechen, müssen die Schwalben oft großen Hunger leiden und manche fallen tot aus der Luft nieder, welche sie vergebens nach einer kleinen Mücke durchschwärmt haben. Eigentümlich ist es, dass die Schwalben bei epidemischen und miasmatischen Krankheiten sehr häufig diejenigen Orte verlassen, welche am heftigsten davon heimgesucht sind. Ist die Krankheit vorüber, kehren sie zurück. Wo sie sich aber während dieser Zeit aufgehalten haben, ist noch nicht erforscht; man will sie während solcher Zeiten auf den Höhen der Berge häufiger als sonst bemerkt haben.

Unantastbar und heilig steht dieser kleine Vogel mit seinen dunkeln, lebhaften Augen, mit seinen langen und zierlichen Flügeln in dem Glauben des Volks da. Keine Hand wagt ihm zu wehren, sein Nest zu bauen, wo es ihm gefällt. Die Tatsache, dass er zuweilen aus Angst stirbt, wenn man ihn in der Hand hält, dass er sich nicht in den engen Raum eines Käfigs sperren lässt, hat die allgemeine Verehrung noch gesteigert. Frei muss die Schwalbe sein, um zu leben, denn sie ist Königin der Luft.
Es sei hier noch eines Spruchs gedacht, den man oft im Munde des Volks findet: „Die Schwalben trauern über den lieben Herrgott.“ Diese Worte lassen sich nicht verstehen, wenn man nicht zu dem altdeutschen Götterglauben zurückkehrt, denn aus ihm stammen sie. Als die Vögel der Göttin Iduna trauern sie mit dieser über eine heidnische Gottheit und erinnern uns an Odins Rabengesang.
Wenn an dem alten Spruche, „dass in den Hütten der Armen mehr Glück wohne als in den Palästen der Reichen“, Wahrheit ist, so bekräftigen die Schwalben diese; denn an den Hütten der Armen bauen sie häufiger und lieber ihre Nester als an den stolzen Palästen — und die Schwalben bringen ja Glück!

Fr. Friedrich.

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Hausschwalbe, Chelidonaria urbica (L.)

Hausschwalbe, Chelidonaria urbica (L.)

Rauchschwalbe, Hirundo rustica L.

Rauchschwalbe, Hirundo rustica L.

Tafel 01 Haussperling (oben Weibchen, unten Männchen), 2/3 nat. Gr.)

Tafel 01 Haussperling (oben Weibchen, unten Männchen), 2/3 nat. Gr.)

Rostock, Giebelhäuser bei der Nikolaikirche

Rostock, Giebelhäuser bei der Nikolaikirche

Rostock, Kröpeliner Tor

Rostock, Kröpeliner Tor