Rethra, Rhetra, Riedegost, Rheda

Aus: Mecklenburgische Sagen
Autor: Studemund, Friedrich (1784-1857) Pastor an der Nikolaikirche in Schwerin, Erscheinungsjahr: 1848
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Sagen, Volksmund, Überlieferung, slawisches Zentralheiligtum, Norddeutschland, Tempelburg, Liutizenbund, Götter, Heidentum,
In der Provinz Riedirerun oder der Redarier, dem heutigen Strelitz, lag eine Stadt, (da wo jetzt Prillwitz an der Tollense liegt) mit Namen Riedegost. (Radigast. Der Autor verwechselt nämlich den Namen der Stadt mit dem des Hauptgötzen, welcher in ihr seinen Tempel hatte). Sie war im Dreieck gebaut und hatte drei Tore, an jeder Ecke eins. Um und um war sie mit einem Walde umgeben, welcher von den Einwohnern sehr heilig gehalten und kein Holz darin gefällt ward. Zwei Tore standen allen Hin- und Hergehenden offen. Das dritte Tor gegen Morgen war das kleinste. Die Straße von da ging nach dem Meer, welches einen fürchterlichen Anblick gab.

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Es ward nicht leicht jemandem geöffnet. Bei demselben stand ein Götzentempel, von Holz künstlich gebaut. Die Pfeiler hatten die Gestalt von Hörnern verschiedener Tiere. Von außen waren die Wände mit den, sonderbar ausgeschnitzten, Bildern der Götter und Göttinnen verziert, so dass jeder sie betrachten konnte. Inwendig standen die, mit Händen gemachten Götter, schrecklich mit Helmen und Panzern bekleidet, und bei jedem war der Name eingegraben. Der Name ihrer, ersten Gottheit war Zuarasici (der Allvermögende, Radigast), welcher vor allen übrigen von allen Heiden geehrt und angebetet ward. Ihre Fahnen wurden nie, als nur, wenn es bei einem Feldzuge nötig war und alsdann von den Kriegern, welche zu Fuß kämpften, herausgenommen. Um diese Fahnen sorgfältig aufzubewahren, hatten die Einwohner gewisse Priester besonders bestellt. Ihnen allein gebührte diesen Göttern zu opfern, und sie, wenn sie zornig waren, zu versöhnen. Nur allein sie saßen, indem die übrigen alle standen. Mit einem heimlichen Gemurmel scharrten sie fürchterlich in die Erde in der Absicht, durch das Orakel in zweifelhaften Fällen einen gewissen Ausspruch zu erhalten. Wenn sie dieses verrichtet hatten, deckten sie die gemachte Öffnung mit einem grünen Rasen zu. Dann führten sie ein Pferd, welches vor allen andern Tieren von ihnen hochgehalten und verehrt wurde, zwischen zwei Spießen, welche bei den Spitzen in die Erde gesteckt waren und von oben her einander berührten, unter demütigem Beten, mitten hindurch. Hierauf warfen sie das Los über die Sache, welche sie erforschen wollten. Dabei gaben sie auf die Bewegung des Pferdes, als eines göttlichen Propheten, genau Achtung. Ergab sich auf beide Arten ein günstiges Wahrzeichen, so wurde die vorgehabte Handlung vollzogen; erfolgte dieses nicht, so war das Volk traurig und sie wurde gänzlich unterlassen. (S. Dithmars, Bischofs zu Merseburg, Chronik, nach Ursinus. S. 327.)

Helmold beschreibt Rethra in seiner Chronik folgendermaßen:

Die besuchteste Stadt der Redarier war Rhetra, der Sitz des Götzendienstes. Es war daselbst ein großer, den Götzen gewidmeter Tempel, unter denen Radigast der vornehmste war. Sein Bildnis war mit Gold, sein Fußgestell mit Purpur bekleidet. Die Stadt selbst hatte neun Tore in einem tiefen See. Eine hölzerne Brücke machte den Übergang, aber nur die, welche opfern oder das Orakel befragen wollten, durften hinübergehen.

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Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden: siehe dazu: Karte des Freilichtmuseums Groß Raden
www.freilichtmuseum-gross-raden.de

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Archäologisches Freilichtmuseum Groß Raden, Internetseite

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Karte des Freilichtmuseums Groß Raden

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