Pogge, Paul Dr. jur (1839-1884) mecklenburger Landwirt, Jurist, Afrikaforscher. Biographie

Allgemeine Deutsche Biographie Bd 26 (1887)
Autor: Ratzel, Friedrich (1844-1904) deutscher Zoologe und Geograph, Erscheinungsjahr: 1888
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Pogge: Paul P., Afrikareisender, geboren am 27. Dezember 1839 auf Gut Zierstorf in Mecklenburg, † am 17. März 1884 zu St. Paul de Loanda. Pogge entstammte einer angesehenen mecklenburgischen Familie (s. o.). Sein Bildungsgang entsprach dem Herkommen: die Schule entließ ihn in die praktische Laufbahn des Landwirtes. Nachdem er zwei Jahre auf mecklenburgischen Gütern als Volontär tätig gewesen, studierte Pogge von 1858–60 in Berlin, Heidelberg und München Jura. 1860 machte Pogge den juristischen Doktor und beschloß damit sein akademisches Leben, das ihm, dem allbeliebten Heidelberger Guestphalen, ein sehr heiteres gewesen war. Pogge hatte erst einige Jahre sein väterliches Gut verwaltet, als er 1865 eine Reise nach dem Caplande und Natal antrat, um südafrikanisches Hochwild zu jagen. 1866 kehrte Pogge zurück und übernahm, da er vor der Abreise Zierstorf verpachtet hatte, die große Pachtung Sarow, welche er indessen nach einigen Jahren wieder aufgab. Ende 1872 bildete sich in Berlin die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung Aequatorial-Afrikas, welche hauptsächlich von der Westküste her die Inangriffnahme des zentralafrikanischen Problems versuchen wollte. Die lange Reihe der Misserfolge dieser Vereinigung durch einen vollkommen gelungenen Entdeckungszug, der wie ein Treffer ins Schwarze wirkte, abgeschlossen zu haben, ist das große Verdienst Pogge’s. Mit eigenen Mitteln ausgerüstet, die Reise bis Loanda selbst vergütend, mit der letzten Stelle als Volontär und Jäger der Homeyer-Lux-Soyaux’schen Expedition sich begnügend, trat Pogge bescheidener, anspruchsloser als die meisten seiner an der Westküste damals tätigen Genossen in die Laufbahn der Afrikareisenden ein, um in kurzer Zeit einen Erfolg zu ernten, der alles in den Schatten stellte, was diese an großgeplanten, schon im Beginne gescheiterten Unternehmungen, an schwachen Anfängen geleistet hatten. An der Loangoküste saß unter Güßfeldt’s Leitung das Gros der deutschen westafrikanischen Expeditionen und konnte nicht ins Innere vordringen, am Ogowe mühte sich zwei Jahre lang vergebens Lenz um das gleiche Ziel. Auch die von Loanda aus in östlicher Richtung auf den seit geraumer Zeit sehr selten beschrittenen Handelswegen der Pombeiros ins Innere dirigierte Expedition, der Pogge sich angeschlossen hatte, schien ergebnislos zu verlaufen. Der Führer, Major von Homeyer, wurde noch innerhalb der portugiesischen Grenzen so krank, daß er zurückkehren mußte, und dasselbe Schicksal ereilte bald auch zwei seiner Gefährten. Lieutenant Lux kam in Kimbundo, dem letzten portugiesischen Handelsposten so schwach an, daß er den Vorangegangenen folgte. Pogge, der Volontär, war nun allein übrig geblieben. Auch der portugiesische Händler Saturnino, mit dem er bis Kimbundo gereist war, ging nicht weiter. Dem „schlichten Landmann und Jäger“, wie Pogge sich sehr bezeichnend, aber etwas zu bescheiden in dem Vorwort zu seinem Reiseberichte selbst nennt, lag es nun ob, allein im fremden Lande über das Schicksal einer mit großen Erwartungen begonnenen Expedition zu entscheiden. Pogge war durch vorangegangene Krankheit (Fieber, Dysenterie und Skorbut!) so geschwächt, daß, als er am 16. September 1875 von Kimbundo aufbrach, er nicht im Stande war, ohne Hilfe sich in den Sattel seines Reitochsen zu schwingen. Und doch schien es ihm nicht zweifelhaft, daß er, allein, wie er war, vorzugehen habe. Es lag nicht in seinem Wesen, über seine Empfindungen und die Motive seiner Handlungen große Worte zu machen. Aber Pogge fühlte ohne Zweifel, daß nach so vielen verunglückten Unternehmungen seiner Landsleute, der deutsche Afrikareisende die Pflicht habe, sein letztes aufzubieten, um nicht vor dem Ziele umkehren zu müssen. Mit der Ruhe der Überlegung, welche ihm in hohem Grade eigen war, zeichnete er sich die östlich von Kimbundo im ungleicheren und wasserreicheren Terrain wachsenden Schwierigkeiten vor, er erwog, daß das Reisen in der Tipoja von nun an kaum möglich sei, er machte sich klar, daß es sich um eine Reise von vielen Monaten handle und das er sich einem mächtigen und gefürchteten Herrscher in die Hand gebe. Er erzählt einfach, daß er aufbrach, daß Saturnino ihm bis zum Tschikapa das Geleite gab, und das er sich von da an mit seinen Trägern und der Kimbundo-Karawane, mit der er reiste, allein befand. Pogge hat in seinem Tagebuche die Ereignisse der im Ganzen wenig Neues bietenden Reise nach der Mussumba Tag für Tag verzeichnet. Verfolgt man diese schmuck- und anspruchslose Darstellung, so ist man gefesselt durch die Art, wie die Eigenschaften eines tüchtigen Karawanenführers bei dem sich selbst überlassenen Reisenden mit jeder Prüfung, der die Bewohner des Landes oder seine eigenen Leute ihn aussetzen, immer mehr hervortreten. Die Entschlossenheit, mit der er die Aufwiegelungsversuche seiner Begleiter aus Kimbundo niederschlug, als es sich darum handelte, ob der nördliche oder südliche Weg von Schamkanda aus gewählt werden solle, gab ihm für den Rest der Reise eine unerschütterliche Autorität. Seine wiedergewonnene Gesundheit (am 8. Oktober: „Ich befinde mich jetzt trotz aller Strapazen immer wohl und kräftig; das letzte kleine Fieber habe ich in Kapinga gehabt“) gab ihm frischen Muth, die durch wenige Jagdabenteuer belebte Reise über die im Ganzen sehr einförmige Hochebene der oberen Kasailäufe bis zum 9. Dezember fortzusetzen, an welchem Tage die Mussumba des Muata Jamwo erreicht ward. Den Wunsch, der ihn so weit geführt hatte, nach Norden oder Osten durchzudringen, sah Pogge sich nicht erfüllen. Er sollte später darin glücklicher sein. Nur ein kleiner Ausflug nach Inschibaraka wurde ihm gestattet. Beargwöhnt, belästigt, endlich nahezu ausgeraubt, weilte Pogge bis zum 17. April in der Mussumba. An diesem Tage trat er den Rückweg nach der Küste an, welchen er wesentlich auf derselben Route, auf welcher er gekommen, indessen mit größerem Aufenthalte, in 6 Monaten durchführte. Am 30. Juli war Kimbundo erreicht worden. Die Aufzehrung seiner Vorräte, die stellenweise Armut und Verödung des von ihm jetzt in der Trockenzeit durchwanderten Landes bereiteten ihm einige Schwierigkeiten, größere seine erneut sich einstellenden körperlichen Leiden, welche indessen in Kimbundo, wo Saturnino ihn mit neuen Vorräten versah, und gründlicher in Malange gehoben wurden. Als Pogge deutschen Boden wieder betrat, fand er dankbare Anerkennung für seine hervorragende Leistung zunächst bei den Kennern der Schwierigkeiten der Afrikaforschung. Welche Bedeutung diese Reise als Erschließung des südlichen Kongobeckens von Westen her besaß, das lehrten weiteren Kreisen erst die zweite Reise Pogge’s und die wesentlich von Deutschen durchgeführten Explorationen, welche sich an dieselbe anschlossen. Es ist wahr, daß Pogge’s Weg nach der Mussumba von portugiesischen Händlern schon gemacht worden war, und das der Mangel einer gründlichen geographischen Vorbildung es dem Reisenden nicht gestattet hatte, allen den wissenschaftlichen Nutzen aus seinen Beobachtungen zu ziehen, welcher möglich war. Seine Reise war keine wissenschaftliche Großtat, wie die planvollen Forschungsexpeditionen eines Barth oder Schweinfurth. Aber das Tagebuch, welches Pogge 1880 herausgab, enthält wichtige Beiträge zur Kenntnis des Naturcharakters und des Völkerlebens der von ihm besuchten Gebiete. Ist dasselbe auch kein gelehrtes und kein formvollendetes Werk, so fesselt es doch durch die Fülle des gesunden Menschenverstandes, welcher in der Beurteilung und Behandlung der Eingeborenen sich kundgibt. Seine Angaben über Geschichte und Ethnographie der Kalunda boten großenteils Neues und Überraschendes. Als Landwirt und Jäger hat Pogge wertvolle Mitteilungen über Pflanzenwuchs, Boden, Ackerbau, Tierleben und Jagd gegeben. Ein trockener Humor würzt die Erzählung seiner eigenen Erlebnisse. Dies Werk ist, da Pogge’s wissenschaftlich und literarisch so viel besser geschulter Nachfolger Max Buchner keine Beschreibung seiner an die Reise Pogge’s (von 1878–82) sich anschließenden Lundaexpedition geliefert hat, das beste Buch in deutscher Sprache über die binnenwärts von Loanda gelegenen Länder. Pogge lebte nach seiner Rückkehr in der Heimath und in Berlin. Unter den sehr spärlichen Mitteilungen, welche in dieser Zeit aus seiner Feder flossen, ist der 1880 erschienene Aufsatz „Ueber die in Mussumba zu begründende deutsche Station“ (Mitth. d. Afr. Ges. II, 3) als Programm seiner ferneren Tätigkeit auf afrikanischem Boden von besonderem Interesse. Pogge entwickelt hier den Plan einer wissenschaftlichen, durch Landwirtschaft sich selbst erhaltenden Station in der Mussumba, zu deren Begründung er mit, wie der Erfolg zeigte, trefflich gewählten Begleitern noch in demselben Jahre nach Afrika sich begab.

Am 18. November 1880 reisten Pogge und Lieutenant Wißmann von Hamburg ab, trafen im Beginn des folgenden Jahres in S. Paul de Loanda ein, waren am 25. Januar bereits in Malange, wo sie mit Buchner und Mechow zusammentrafen, und traten ihren Marsch nach der Mussumba des Lundaherrschers am 2. Juni an. Als sie aber Ende Juli Kimbundo, jenseits der Grenzen der portugiesischen Besitzungen, erreicht hatten, lagen die Verhältnisse günstig für ein unmittelbares Vordringen nach Norden in das Land der freundlichen, friedlich gesinnten Tuschilange. Der Misserfolg Max Buchner’s hatte gezeigt, daß, einmal in die Maschen des Spinnwebes der Lundamacht hineingeraten, ein Ausweg in anderer Richtung als derjenigen der Küste sehr schwer möglich sein werde. Der Dolmetscher Germano, der in Kaschilange wohlbekannte Ambakist Johannes Biserra, der Kioko Kamba-Guschi und 69 Träger begleiteten sie. Es waren vorzügliche Umstände, unter denen diese Expedition im Spätsommer 1881 in das unbekannte Nordland aufbrach, um, dem Laufe des Tschikapa folgend, ohne wesentliche Hindernisse am 2. Oktober nach 44 Marschtagen Kikassa am Kasai zu erreichen. An dieser Stelle 300–350 Meter breit wurde der Strom am 3. Oktober auf acht Kanoes überschritten. Pogge trennte sich einige Tagereisen vor dem gemeinsamen Ziele von Wißmann, um direkt den Häuptling Mukenge aufzusuchen, während Wißmann mit einem Tuschilangehäuptling Kingenge sich zunächst nach dessen Dorf begeben hatte, um anfangs Dezember gleichfalls bei Mukenge einzutreffen, wo Pogge bereits den Grund zu einer festen Station gelegt hatte. Mit wenig eigenen Trägern, aber geleitet von 200 Tuschilange unter Befehl des Mukenge verfolgten beide Reisende ihren Weg nach Osten, erreichten Mitte Dezember den Mukambasee, überschritten den Lubi und durchzogen die Gebiete der Baschilange und Bassonge, um am 14. Januar in der Residenz des Häuptlings Katschitsch, der das Reich Kotto beherrschte, einzutreffen. Dies war der äußerste Punkt, der bisher von Westen her (durch einige Kioko) erreicht worden war. Unter großen Schwierigkeiten nur gelang es den Reisenden, ihre wankend gewordenen Begleiter zur Weiterreise zu bewegen. Der Sankuru (hier Lubilasch genannt) wurde am 29. Januar überschritten, und nachdem die Gebiete der Bassonge und Benecki durchzogen waren, bei den Kalebue die Westgrenze arabischen Einflusses erreicht, dann führte der Weg über den Lomami und an den Lufubu, von wo auf einigen rasch hergestellten Kähnen der Wasserweg genommen ward, auf welchem am 17. April 1882 Nyangwe erreicht wurde. Bei den Arabern fanden die Reisenden Credit und gute Aufnahme. Pogge kehrte mit den Tuschilange und den Trägern, welche müde und nach ihrem Heim sich sehnend, den gleichen Weg möglichst rasch zurücklegen wollten, nach dem Lulua und überließ Wißmann die leichtere Hälfte der rühmlichen Aufgabe, die Ostküste zu erreichen. Nachdem er seinen Waarenvorrat ergänzt, verließ er Nyangwe am 5. Mai. Auf dieser Rückreise fand Pogge Gelegenheit, seine Kaltblütigkeit zu bewähren, als die Anwohner des Lomami sechs Tage lang die Überschreitung ihres Flusses verwehrten und er am Lubilasch allein mit dem Gewehr in der Hand, aber ohne einen Schuss zu thun, seine Tuschilange gegen einen Überfall von 80 bis 100 Bena Koto schützte, bis jene sich geordnet hatten. Zweimal hatte er gegen spätere Angriffe der N’gongo Feuer zu kommandieren, was er immer nur mit Widerstreben tat. Als er den Lubi hinter sich hatte, konnte er stolz sein, mit 24 Steinschlössern und 4 Hinterladern den Weg durch einen der dichtest mit großenteils feindlich gesinnten Menschen bevölkerten Striche Afrikas ohne nennenswerte Verluste zurückgelegt zu haben. Am 21. Juli zog er in Mukenge’s Dorf ein. Wir fühlen die Freude mit, welche Pogge im Anblick des in seiner Abwesenheit von Germano erbauten wohnlichen Hauses, der Bananenpflanzungen um dasselbe, der Ziegenherden erfüllte. Pogge legte dazu eine Reispflanzung an und begann Kaffeesträucher, Melonensträucher und Guayaven zu ziehen. Diese landwirtschaftlichen Versuche waren für Pogge mehr als eine Liebhaberei. Die Station ist gediehen und hat alle Erwartungen, welche er auf sie setzte, erfüllt. Er verwirklichte hier den Plan, welchen er früher für die Errichtung einer deutschen Station in der Mussumba Muata Jamvos entworfen hatte (Mitth. d. Afr. Ges. II, S. 134 Pogge hat stets an der Ansicht festgehalten, daß weiße Männer auf dem Hochlande Innerafrikas Landwirtschaft zu treiben vermöchten. Er nahm eben deshalb bei seiner zweiten Reise die verschiedensten Sämereien mit und hatte auch an Verbesserung der Viehzucht gedacht. Er legte dabei den Maßstab seiner Gesundheit, Anpassungsfähigkeit und Genügsamkeit an und hat daher den Vorwurf des Optimismus über sich ergehen lassen müssen. Nur die Zukunft kann entscheiden, ob Pogge’s Urteile über weiße Arbeit im hochgelegenen Innern des südlichen Kongobeckens zu günstig waren. Thatsache ist, daß seine Station, seitdem Luluaburg getauft, aufgeblüht ist. Pogge blieb einige Monate auf der Station, um Nachrichten und vor allem neue Mittel von der Afrikanischen Gesellschaft zu erwarten und machte einige Recognoscirungen, so im August 1883 zu den Luluafällen im Land der Bena Katende. Der Tod des deutschen Konsuls in Loanda hatte die Kreditverhältnisse in unliebsamer Weise gestört. Von Husten geplagt, der in Mofuka sich zu Bluthusten steigerte, brach er endlich, als Germano ohne direkte Nachrichten und Weisungen von der Afrikanischen Gesellschaft aus Malange zurückgekehrt war, am 9. November 1883 auf, um in Loanda sich Klarheit zu verschaffen, er traf in Malange mit seinem alten Reisegefährten Wißmann zusammen, der ihn sehr nervös fand, während Lieutenant Müller, Wißmann’s Reisegefährte ihn „sehr angegriffen und furchtbar mager“ nannte. Pogge, der auf der Station und auf seinen großen und kleinen Ausflügen sich nie eigentlich krank befunden hatte, litt jetzt unter dem Klima der Küstenregion. Er hatte die Absicht, mit Station in Madeira nach Europa zurückzukehren, traf am 28. Februar in Loanda ein und fiel am 17. März im holländischen Haus dieser Stadt einer Lungenentzündung zum Opfer. Trotz seiner großen Schwäche und Nervosität hatte er jeden Arzt ausgeschlagen, sich mit Lebhaftigkeit bis zum Tage vor seinem Tode bewegt und kaum einige Tagesstunden sich aufs Lager bannen lassen. Er wurde am Abend des 17. März auf dem protestantischen Kirchhof beerdigt. „Alle Civil- und Militärbehörden Loandas und sehr viele Verehrer des berühmten Reisenden haben den Sarg bis zur letzten Ruhestätte begleitet“ schrieb der stellvertretende deutsche Konsul in seiner Todtenmeldung. Aus seinen hinterlassenen Tagebüchern hat v. Danckelman in Bd. IV der Mitth. der Afrik. Gesellschaft in Deutschland einen Auszug gegeben, während W. Erman nach demselben eine Karte der letzten Reise Pogge’s von der Station nach Kikassa konstruierte. Was von eigenen Mitteilungen Pogge’s außer dem oben genannten Werke über die Lundareise gedruckt war, findet man in Bd. I bis IV derselben Zeitschrift. Die großen Erfolge, welche Pogge in seiner kurzen, nicht auf Jahre der Vorbereitung zurückblickenden Tätigkeit als Forschungsreisender verzeichnen durfte, verdankte er seiner Einfachheit, Besonnenheit, Standhaftigkeit und Klugheit. Pogge lebte unter Negern bedürfnislos wie sie selbst. Er verachtete das Zelt und andere europäische Bequemlichkeiten. Sein Bedarf an Speise und Trank war gleich einfach. Nur Tabak war ihm unentbehrlich. Des Morgens trank Pogge vor dem Aufbruch eine kleine Tasse Tee, zündete dann sogleich seine Pfeife an und genoss sein Essen erst am Abend. Als er von Mukenge’s Dorf den Dolmetscher Germano an die Küste sandte, bestellte er zum Erstaunen seiner Geschäftsfreunde in Loanda weiter nichts als Tabak und etwas Branntwein. Der zu weit getriebenen Anspruchslosigkeit in Bezug auf Obdach, Kleidung und Ernährung schrieben Diejenigen, welche in Afrika ihm näher traten, seinen frühen Tod an einer aus einem vernachlässigten Bronchialkatarrh entstandenen Lungenschwindsucht zu. Wenn seine Nachfolger es unmöglich fanden, sich seiner zu weit getriebenen Einfachheit anzubequemen, so lernten sie um so mehr von seiner Behandlung der Eingeborenen. Wißmann, der im Anfang an der Möglichkeit verzweifelt war, jemals mit Negern auskommen zu können, lernte bei Pogge die Kunst, zur rechten Zeit nachgiebig und standhaft zu sein, und schreibt seinem Beispiele die Erfolge zu, welche er später erntete. Dr. Wolf, der Sankuruforscher, ist derselben Meinung. Diese jüngere Generation von deutschen Afrikaforschern bewunderte an Pogge, um ein Wort Dr. Wolf’s zu gebrauchen, „daß er immer dahin kam, wo er hinwollte“. Wenn mit dem Auftreten Pogge’s ein Umschwung von Jahren unfruchtbarer Bemühungen zu solchen reicher Ernten stattfindet, so liegt ein Hauptgrund darin, daß jene seinem Beispiele folgten. Pogge’s Bescheidenheit, die in einer Weise, welche ihm überall Ehre und Sympathie erwarb, bei seiner Rückkehr von Nyangwe nach der einsamen Station Mukenge hervortrat, wo er ruhig ein Jahr auf neue Befehle wartete, während sein Begleiter den Continent querte und Europa erreichte, hat glücklicherweise nicht gehindert, daß man seine Bedeutung voll würdigte und man wird von der deutschen Afrikaforschung der ersten 80er Jahre niemals reden, ohne Pogge an erster Stelle zu nennen.

Quellen: Das Werkchen Pogge’s über die Lundareise. Seine Berichte und Tagebuchaufzeichnungen in den Mitth. d. Afrik. Ges. in Deutschl. Bd. I bis IV. – Nekrolog von W. Erman in Bd. IV ders. Zeitschr.

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