Peter Pück, der hilfreiche Geist im Kloster Schwerin

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Kloster, Schwerin, Pück, Petermännchen, Geist
Es trug sich zu, dass das Kloster von einer großen Feuersbrunst heimgesucht wurde. Alsbald schritt man zum Wiederaufbaue der niedergebrannten Gebäude; der Klostervorsteher aber reiste dieserhalb zu einem benachbarten, reichbegüterten Edelmann und bat ihn, seinem Kloster mit einigen Balken und anderem Holze, dessen er genug besaß, behilflich zu sein.

Schon schien der Edelmann das Gesuch des Paters erfüllen zu wollen, als dieser schnell das Wort wieder nahm und listiger Weise sagte: „Ich habe einen tüchtigen Knecht, der soll diese Nacht noch kommen und das erbetene Holz fällen!"

Der Edelmann erwiderte hierauf, dass die Arbeit des einen Knechtes wenig anschlagen werde, er solle also nur mehr Leute schicken.

Der Pater aber versicherte, dass man deren nicht mehr brauche, der eine Knecht werde schon allein besorgen, was nötig sei.

Der Geist Pück stürzte nun in derselben Nacht eine solche Menge Bäume zur Erde, dass der Edelmann, als er am andern Morgen nach seinem Walde kam, zornig ausrief: „Wer ist so böse und verwegen gewesen, mir in einer Nacht so viel Holz niederzufällen?"

Unterdessen langten der Klostervorsteher und sein Knecht Peter Pück mit vielen Wagen an, um das Holz fortzuführen. Als dies der Edelmann sah, wurde er noch unwilliger und sprach: „Vater, was ist das? Warum habt Ihr aus eigener Macht und Gewalt soviel Holz zur Erde stürzen lassen?"

Der kluge Pater antwortete: „Gestrenger Herr, Ihr habt mir bewilliget, so viel Holz dem Kloster schenken zu wollen, als mein einer Knecht in einer Nacht fällen könne, und dies ist jetzt geschehen!"

Der Edelmann entgegnete aber: „Nicht also, ehrwürdiger Vater, denn obwohl ich zuvor meine Bewilligung hierzu gegeben, so will ich doch, dass Ihr nur einen Teil des gefällten Holzes fortfahren lasset, der andere Teil aber mir verbleibe."

Da begehrte der schlaue Klostervorsteher noch eine Bitte und sprach also zum Edelmanne: „Gestrenger Herr, so es Euch gefällig ist, gestattet mir noch die Bitte, meinem Kloster nämlich nur soviel Holz schenken zu wollen, als mein Knecht auf einmal fortschaffen kann."

Als nun der Edelmann dieses zugestanden hatte, war sogleich der Pück bei der Hand, raffte mit Blitzesschnelle alle die von ihm gefällten Bäume zusammen, erhob sich zum Erstaunen Aller damit in die Lüfte und eilte von dannen.

Da dies der Edelman sah, dass er also hintergangen war, rief er entsetzt: „Ich hätte nie geglaubt, dass ein Knecht soviel Holz wegbringen könnte; es ist ein unsauberer Geist, der tut es durch seinen Knecht!""

Dieses und noch viel Anderes mehr wird von dem Pück erzählt, der über 30 Jahre als Knecht im Dienste des schweriner Klosters stand. Als er endlich seine Dienstzeit vollendet, wartete er auf das letzte Stündlein eines Domherrn, welcher durch einen schnellen Tod aus diesem Leben schied. Knecht Pück kam nun vor des Vorstehers Tür, klopfte mit Ungestüm an und forderte seinen Rock, der ihm auf seinen Wunsch bis jetzt verwahrt worden war.

Der Pater, argwöhnisch über des Geistes plötzliches Fortwollen, ahnte nichts Gutes und fragte ihn deshalb: „Was hast Du für eine Tat gegen meine Brüder begangen, dass Du uns so eilig verlassen willst? Ich fürchte, dass Du etwas Böses vollführt hast!"

„Vater, es ist keinem Deiner Brüder etwas Böses von mir geschehen”, antwortete der Pück, „gib mir daher den Rock, wofür ich Dir so lange treulich gedient!“

Als ihm hierauf der Pater den Rock hingegeben, zog er ihn an und erhob sich damit hoch in die Luft, so dass ein großes Getön entstand und der Glockenklang weit und breit gehöret wurde.

Die eine der beiden kupfernen Kannen hatte der Geist mit sich genommen, die andere aber dem Kloster hinterlassen, welche hier noch lange aufbewahrt worden ist und allgemein unter dem Namen „der Pück" bekannt war.
Petermännchen, Wappen von Pinnow

Petermännchen, Wappen von Pinnow

Petermännchen, Schweriner Schlossgespenst

Petermännchen, Schweriner Schlossgespenst

Petermännchen, Schweriner Schloss-Fassade

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Petermännchen, Schweriner Schloss-Geist 2

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Petermännchen, Schweriner Schlossgeist

Petermännchen, Schweriner Schlossgeist