Peter Pück, der dienstbare Geist des ehemaligen Klosters zu Schwerin.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Schwerin, Kloster, Schloss, Geist, Petermännchen, Pück, Kobold
Da, wo sich jetzt zu Schwerin das wahrhaft herrliche, im edelsten griechischen Style erbaute großherzogliche Kollegiengebäude erhebt, stand ehedem das alte, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts gegründete und nach der Reformation wieder aufgehobene Franziskaner-Mönchskloster, mit seiner schönen Kirche und seinen sonstigen umfangreichen Gebäuden. Jetzt ist von demselben nichts mehr vorhanden; nur die hinter dem Kollegiengebäude befindliche Straße erinnert noch durch ihren Namen — Klosterstraße — an die Vergangenheit.

Gleich wie das Schweriner Schloss seinen dienstbaren Geist, das Petermännchen*), besaß und noch besitzen soll, so hat auch in früheren Zeiten einmal das alte Kloster einen ähnlichen Geist, den Peter Pück oder Puck, gehabt, jedoch mit dem Unterschiede, dass dieser nicht wie jener durchaus guten und edlen Charakters, sondern einer von jenen bösen Teufelsgeistern war, die nur darauf ausgehen, den Menschen zu schaden, sie zu verderben und ihre Seelen wo möglich der Hölle zuzuführen.

Doch hören wir jetzt, was uns die Sage über diesen Geist Pück Alles zu erzählen weiß:

Als einmal zwei Mönche des Schweriner Klosters von einer Amtsreise nach Lübeck wieder heimkehrten, verirrten sie unterwegs und kamen endlich spät Abends auf dem Hofe Klein-Brütz an, wo sie bei dem damaligen Besitzer, einem Herrn von Halberstadt, gastliche Aufnahme fanden.

*) Siehe Seite 206 bis 225 des zweiten Bandes.

Nachdem die beiden Geistlichen ihren Hunger und Durst hinlänglich gestillt, ließ ihr freundlicher Wut sie nach der Kammer bringen, wo für die Müden ein Paar weiche Betten hergerichtet waren. In dieser Kammer aber hauste hauptsächlich seit einiger Zeit ein böser Geist, welcher den Leuten im Hause Tag und Nacht so zusetzte und neckte, dass sie selten ruhig schlafen konnten. Der Herr von Halberstadt wollte nun einmal sehen, ob der böse Geist auch wohl die beiden frommen Leute zu stören wagen werde, und ob er vielleicht nicht gar durch sie von dieser wahren Hauspein befreit werden würde; deshalb hatte er ihnen denn diese Kammer zum Schlafgemach anweisen lassen.

Die beiden Mönche, herzlich müde von den Strapazen der Reise, verrichteten hier angekommen zuerst ihr Gebet, dann aber eilten sie schnell in die Federn und waren auch bald sanft eingeschlummert. Nicht lange aber hatten sie geschlafen, als sich auch schon der böse Geist einstellte und auf das Unbarmherzigste über die frommen Väter herfiel. Mit größter Geschwindigkeit warf er ihnen das Lager um, dann richtete er es ebenso schnell wieder auf, dass sie bald unter, bald auf dem Bette, und dann wieder mit den Füßen zum Kopfende desselben lagen etc.

Natürlich verdross eine solche Behandlung die geistlichen Herren nicht wenig, deshalb bedrohte der ältere, der auch zugleich Vorsteher seines Klosters war, den bösen Geist und sprach: „Lass uns zufrieden, schlechter Geselle, denn wir sind nicht in Deiner Gewalt, und Du hast keine Macht über uns; versuche Deinen Handel, wo Du willst, uns aber vergönne zu ruhen!"

Der Schalk von Geist achtete aber nicht hierauf, sondern kam nach kurzer Zeit wieder und beunruhigte die Mönche aufs Neue. Da nahm der Pater von vorhin abermals das Wort und sprach also begütigend zu ihm: „Oh halte doch Frieden, mein guter Freund, und höre auf uns beschwerlich zu sein, ich bitte Dich darum!"

Jetzt, da der Geist diese Worte gehört und von dem Klostervorsteher nun gar als guter Freund angeredet worden war, antwortete er: „ Wenn Du mich zu Deinem Diener mieten willst, so will ich Dein und Deiner Brüder unverdrossener und williger Knecht sein."

Um endlich den lästigen Geist los zu werden und Ruhe vor ihm zu bekommen, ging der Pater scheinbar auf sein Anerbieten ein und erwiderte: „Für diesmal lass es gut sein, doch willst Du mir und meinen Brüdern dienen, so will ich Dich für das Kloster mieten; was aber verlangst Du als Lohn dafür?"

Als der Geist dieses vernommen, da wurde er gar fröhlich ob seines neuen Herren und sprach: „Du sollst mir für meine getreuen Dienste einen Rock von allerhand Farben und über und über mit Glocken besetzt zum Lohne geben, und mir denselben bis zur abgelaufenen Dienstzeit aufbewahren."

Dies versprach denn auch der Klostervorsteher tun zu wollen, worauf der Geist ihm und seinem Genossen sogleich selbst das Bett wieder zurecht machte, damit sie desto besser und in Frieden schlafen könnten.

Sobald es Morgen geworden, erschien der Geist wieder bei den Mönchen und sagte zu dem älteren, dass er, da er ihn diese Nacht gemietet, nun sein treuer Knecht sei und deshalb anfrage, ob sie nun weiter ziehen, oder hier noch etwas rasten wollten.

Der Pater antwortete ihm, dass er und sein Genosse bald aufbrechen werde, um gegen Mittag im Kloster zu Schwerin wieder anzulangen; er — der Geist — aber solle nur seiner Wege ziehen, denn er begehre seine Gesellschaft nicht.

Nachdem die Mönche hierauf in das Wohnzimmer gegangen waren, fragte sie der Herr von Halberstadt, ob sie auch eine gute und ruhige Nacht gehabt hätten.

Der Klostervorsteher erzählte ihm hierauf, wie es ihnen mit dem Geiste ergangen, und dass er denselben, um Ruhe zu bekommen, endlich nur für fein Kloster zu Schwerin hätte mieten müssen.

Der Herr von Halberstadt war nicht wenig über diese Nachricht erfreut, und dankte den Geistlichen für die ihm hierdurch erzeigte Wohltat, indem er und sein Haus nun ja von diesem lästigen Plagegeist befreit wurde.

Als der Klostervorsteher und sein Gefährte in den Wagen gestiegen war, um heim nach Schwerin zu fahren, saß der Geist in Gestalt eines Affen auf dem einen Thorflügel des Brützer Hofes und rief: „Herr, jetzt will ich mit Euch reisen, denn ich bin Euer Knecht!"

Der Pater aber antwortete ihm, er solle nach dem Kloster wandern und das Mittagsmahl anrichten lassen, worauf sich der Geist sofort erhob und ins Kloster eilte. Hier trieb er den Koch wiederholt an, das Essen zu bereiten, was dieser auch tat; denn er fürchtete sich, indem Jemand mit ihm redete, den er doch nicht sehen konnte.

Glücklich erreichten die beiden Mönche Schwerin, wo ihrer auch schon der Geist wartete. Auf dem Tore vor der Stadt, welches früher auf dieser Seite der Schweineburg stand, erschien er mit zwei vollen kupfernen Kannen und sprach: „Beliebt's Euch nicht mit mir zu trinken?"

Der Klostervorsteher wurde hierüber sehr betrübt und ihn reute, dass er diesen Geist zum Knecht gemietet, der vielleicht sowohl gegen ihn, als auch gegen seine Klosterbrüder Böses im Sinne hatte, worüber er dann später einem Höheren Rede und Antwort geben musste.

Der Geist Peter Pück gelobte dies Alles getreulich zu tun, und hat auch redlich Wort gehalten.
Schwerin, Schloss 4

Schwerin, Schloss 4

Petermännchen, Schweriner Schlossgeist

Petermännchen, Schweriner Schlossgeist

Petermännchen, Schweriner Schloss-Geist 2

Petermännchen, Schweriner Schloss-Geist 2

Petermännchen, Schweriner Schloss-Fassade

Petermännchen, Schweriner Schloss-Fassade

Petermännchen, Schweriner Schlossgespenst

Petermännchen, Schweriner Schlossgespenst

Petermännchen, Wappen von Pinnow

Petermännchen, Wappen von Pinnow