Noch drei Sagen über Findenwirunshier bei Dömitz

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Von G. F. C. Neumann zu Röbel, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Findenwirunshier, Dömitz
Über die Entstehung des Ortsnamens Findenwirunshier bei Dömitz findet sich bereits im ersten Bande Seite 132 eine Sage. Außer dieser aber existieren noch drei, von denen man die hier zuerst folgende am meisten erzählen hört.

Zur Zeit des Rittertums lebten in Mecklenburg zwei Ritter, welche Brüder waren. Beide verliebten sich in ein ihnen benachbartes, hübsches Edelfräulein, und Jeder suchte ihre Hand zu gewinnen. Das Fräulein wollte aber Keinem wehe tun und deshalb auch nicht wählen, sondern sprach: „Ihr seid noch jung, ziehet fort und erwerbt Euch Lorbeeren, und wenn Ihr zurückkehrt, soll der Würdigste meine Hand haben!“

Die Brüder aber trennten sich in bitterer Feindschaft und schwuren sich den Tod, falls sie einmal zusammenträfen.

Beide nahmen Kriegsdienste bei Fürsten, die sich feind waren und Krieg mit einander führten. Es wurden mehrere Schlachten geschlagen, aber der Brüder sehnlicher Wunsch, sich in denselben zu begegnen, wurde nicht erfüllt.

Endlich trafen sich die Brüder in der Nähe von Dömitz an einer Stelle, wo zwei bedeutende Landstraßen sich kreuzen, und mit dem Rufe: „Finden wir uns hier!" zogen sie ihre Schwerter aus den Scheiden und stürzten auf einander los. Ein fürchterlicher Kampf begann und beide fielen.

Nach andern Aussagen sollen sich die Brüder in einem Wirtshause, das dort gelegen, getroffen und dann duelliert haben.

Den Ort aber, wo dieser grässliche Brudermord geschehen, nannte man zur Erinnerung an denselben „Findenwirunshier".

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Eine andere Sage lässt sich dort ebenfalls zwei Brüder finden. Beide hatten das Müllerhandwerk erlernt und durchreisten als Gesellen vieler Herren Länder mit einander, erwarben sich auch auf ihrer Wanderung große Reichtümer.

In einer großen Stadt, wo einer Festlichkeit wegen eine Menge Menschen in den Straßen wogte, wurden die Brüder in einem Gedränge von einander getrennt. Sie durchwanderten die Straßen und Gänge des Tages wohl mehr als einmal, aber fanden sich nicht wieder. Da, als alles Suchen vergeblich war, trat Jeder schweren Herzens die Weiterreise an, denn er wusste ja nicht, ob er den geliebten Bruder in dieser Welt je einmal wieder sehen würde.

Mehrere Jahre darauf trafen einmal nahe bei Dömitz an einem Kreuzwege zwei Handwerksburschen zusammen, „Finden wir uns hier!" riefen beide fast zu gleicher Zeit und fielen dann einander in die Arme.

Es waren jene beiden Brüder, die sich so plötzlich, ohne vorher Abschied von einander nehmen zu können, hatten trennen müssen, dann jahrelang gesucht hatten und nun wiederfanden.

Sie bauten dort eine Mühle und nannten den Ort zum Andenken an jenes glückliche Wiederfinden „Findenwirunshier".

Eine dritte Sage meldet:

Ein Fürst von Mecklenburg kehrt von der Jagd zurück. Unterwegs findet er einen früheren, treuen Diener wieder. Voller Freude springt er vom Pferde und ruft, ihn zu gleicher Zeit umarmend: „Finden wir uns hier!"

Der alte Diener siedelt sich darauf hier an, und der Fürst befiehlt, diese Ansiedelung „Findenwirunshier" zu nennen.

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Beide Kämpfer am Boden

Beide Kämpfer am Boden