Nachrichten von einem bisher wenig bekannten, im Auslande angestellten Mecklenburger

Eine Effolgsgeschichte aus Polen
Autor: anonym aus: Freimütiges Abendblatt, Band 8 (1826), Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Mecklenburger, Polen, Erfinder, Landvermesser, Bergwerk,
Julius Colberg, Sohn des in Woldegk verstorbenen Stadtrichters Colberg, lernte bei dem Forst-Ingenieur Dräsecke zu Neustrelitz die Feldmesskunst, ging darauf bei Gelegenheit, da Preußen einen Anteil von Polen unter dem Namen Südpreußen mit seinen Staaten vereinigte, dorthin zu der Ingenieurbrigade, die mit Vermessung dieses Landes beauftragt war, erfand ein Instrument, mit welchem jeder Steueroffiziant mechanisch den Kubikinhalt eines Gefäßes bestimmen kann, und ward zur Belohnung dafür Weichsel-Zoll-Inspektor zu Warschau.

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Da aber Südpreußen 1806 von Napoleon erobert und den Polen eine eigene Verfassung gegeben war, so wurde von Colberg der Eid der Treue an die neue Regierung gefordert. Zu sehr Patriot, um diesen zu leisten, verzichtete er lieber auf diesen einträglichen Posten, obgleich er schon verheiratet und nun ohne Brot war.

Der Bankier Fränckel in Warschau nahm sich indes seines hilflosen Zustandes an und machte ihn zum Intendanten über ein Bergwert in Gallizien, welches er von einem Magnaten gepfändet hatte. Hier hatte er Gelegenheit, in seinem Fache für sich weiter zu studieren und besonders auch in der polnischen Sprache zu mehrerer Fertigkeit zu gelangen. Auch arbeitete er eine Karte von Polen aus, welche 4817 unter dem Titel: Mappa Pocztowa i Podrozna Królewstwa Polskiego i Wielkiego Xiestwa Potznanskiego przez Juliusza Colberg erschien, und ihn dem Ministerio so sehr empfahl, dass er zum Professor der angewandten Geometrie an der neu errichteten Universität Warschau mit 800 Rthlr. Gehalt ernannt wurde.

Man darf hoffen, durch ihn, vermittelst guter Übersetzungen, mit der polnischen Literatur bekannter zu werden: und wahrscheinlich wird er auch, von der dortigen liberalen Regierung unterstützt, den neu entdeckten Steindruck im Großen anwenden lassen und diese wichtige Erfindung in ihrer großen Nutzbarkeit darstellen. (Vergl. Nützl. Beiträge zu den Strelitzischen Anzeigen, 2tes Stück, Jahrg. 1818.)

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Woldegk, St. Petri

Woldegk, St. Petri

Warschau, Schlossplatz

Warschau, Schlossplatz