Monographie zur deutschen Kulturgeschichte. VI. Band – Der Bauer in der deutschen Vergangenheit

Mit 168 Abbildungen und Beilagen nach Originalen, größtenteils aus dem 15. bis 18. Jahrhundert
Autor: Bartels, Adolf (1862-1945) war ein völkisch-antisemitischer deutscher Schriftsteller, Journalist, Literaturhistoriker und Kulturpolitiker. Er war ein Vertreter der Heimatkunstbewegung und propagierte schon früh antidemokratische und judenfeindliche Positionen, die nach 1933 prägend für die Kulturpolitik des Nationalsozialismus wurden., Erscheinungsjahr: 1899
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Deutsche Kulturgeschichte, Landwirtschaft, Bauern, Ackerbauer, Bauernstand, Sitten und Bräuche, Lebensweise, Eigentumsverhältnisse, Arbeitsweisen, Besitzstand, Leibeigenschaft, Bauernkrieg, Literatur, Kunst, Reformation, Dreißigjähriger Krieg, Arbeitsleben, Familienleben,

001 Deutsche Dorflandschaft. Holzschnitte von H. Schäufelein (1480-1540) Berlin, Kupferstichkabinett. B. 3
Ackerbauer hat es auf dem Boden zwischen Rhein und Weichsel, zwischen den Alpen und den nordischen Meeren schon seit Jahrtausenden gegeben, der deutsche Bauernstand aber hat sich, wie jeder andere Stand, erst während des Mittelalters ganz allmählich entwickelt. Schon das arische Urvolk*) hat, wie die indogermanische Sprachwissenschaft festgestellt hat, Kenntnis des Ackerbaus gehabt, und man darf daher annehmen, dass die sich von ihm loslösenden germanischen Volksstämme, die Vorfahren der Deutschen, nicht mehr reine Jägervölker, wie etwa die nordamerikanischen Indianer, waren; welche Zeit aber verging, ehe sie wahrhaft sesshaft wurden und der Ackerbau bei ihnen als eine Hauptnahrungsquelle neben Jagd, Viehzucht und kriegerischem Beutemachen erschien, wissen wir nicht und werden wir niemals wissen.

*) [Die „Arier“ waren Eroberer, ein Volk aus den Gebirgsländern des Nordwestens Vorderindiens, das in die Niederungen hinabgestiegen war und die Ureinwohner unterworfen hatte. Es war ein „Herrenvolk“, das über Sklaven, die „Nichtarier“, herrschte. Solange diese historische Situation andauerte, war die Wortgebung angemessen; auf sie angewandt, ist sie heute noch sinnvoll. Anmerkung: Red. 2016]

Als Cäsar mit den Germanen in Berührung kam, befand sich ein Teil von ihnen unzweifelhaft in festen Wohnsitzen, bei einem anderen aber, den Sueben, hatte sich ein kriegerisches Halbnomadentum erhalten. Auch diese suebischen Halbnomaden trieben Ackerbau: „Aus jedem ihrer Gaue“, berichtete der römische Feldherr, „führen sie jährlich tausende Bewaffnete zum Krieg über die Grenze, die übrigen, die Zurückgebliebenen, unterhalten sich und jene. Diese stehen dann wieder ein Jahr danach unter den Waffen, und jene bleiben daheim. So wird weder der Ackerbau noch die Übung im Krieg vernachlässigt. Jedoch gibt es bei ihnen gar keinen zum Privateigentum ausgeschriebenen Acker, ja, es ist nicht gestattet, länger als ein Jahr an einem Ort als Wohnsitz zu bleiben. Überhaupt leben sie so sehr von Getreide als von Milch und Fleisch und sind viel auf der Jagd.“ Auch die übrigen Nachrichten Cäsars über die Sueben tun dar, dass der Gesichtspunkt der Erhaltung der kriegerischen Tüchtigkeit das gesamte Leben dieser Stämme bestimmte. Mehr oder minder war das sicherlich auch bei den anderen Stämmen der Fall; doch hatten viele von ihnen den dauernden Grenzkrieg und den jährlichen Wechsel der Wohnsitze innerhalb der Gaue gewiss schon aufgegeben, wenn sich auch Privateigentum höchstens erst an Haus und Hof, nirgends aber schon am Acker ausgebildet haben mochte.

Die Errichtung fester römischer Grenzen an Rhein und Donau und später des beide Flüsse verbindenden Grenzwalls [Limes] zwang dann die Germanen zu völliger Sesshaftigkeit, wenigstens die zwischen Rhein und Elbe, und hier hat sich den auch, so mannigfache Schicksale über diese Gegenden dahingebraust sind, das nämliche Stammestum bis auf diesen Tag erhalten. Es ist dies das Germanenland, das und aus der Schilderung des Tacitus entgegentritt, mit hundert Zügen, die auch für spätere Zeiten charakteristisch und zum Teil noch Heute zu erkennen sind. Wir sehen ein weites Wald und Moorland, von zahlreichen größeren und kleineren Stämmen bewohnt, deren Lust immer noch Krieg und Jagd sind, die nun aber alle ein festes Heim besitzen, die Feldmarken ihrer Dörfer als in ganzen gleichberechtigte Genossen und im Turnus bebauen und auf ihren Gemeinweiden große Herden halten. Die Hauptstelle des Tacitus über den Ackerbau dieser Zeit hat man verschieden erklärt; darüber aber ist man einig, dass es Privateigentum am Acker auch jetzt noch nicht gab, und man hat für das Wirtschaftsverfahren diese Periode den Ausdruck Feldgraswirtschaft erfunden: auf eine Bebauung des Ackers von einem Jahr oder einigen Jahren sei eine vierjährige Grasnutzung erfolgt. Die Bestellung des Ackers lässt Tacitus durch Sklaven geschehen, die aber ein eigenes Haus haben und nur zu bestimmten Leistungen an Getreide, Vieh und Gewändern verpflichtet sind. Vielleicht aber besaß nur der Adel, der bei Tacitus zuerst erwähnt wird und nur erst Ehrenrechte genoss, eine größere Anzahl von Hörigen; der Freie, der die Masse der Stämme bildete und in Volks-, Gerichts- und Heeresversammlungen ausschlaggebend war, mochte oft genug, wenigstens bei kleineren Stämmen, seinen Acker selber bauen. Das Liegen auf der Bärenhaut ist schwerlich das allgemeingültige Charakteristikum des germanischen Mannes dieser Zeit.

Entwicklung des Bauernstandes
Die Urzeit. Cäsars und Tacitus’ Berichte. – Die Bildung der großen deutschen Stämme. Die Völkerwanderung. Die fränkische Zeit, Untergang der germanischen Freien, landwirtschaftliche Fortschritte. – Das Fronhofsystem. Die bäuerlichen Leistungen. Gewalt und Pflichten des Grundherren. – Wandlung zum Besseren, Erlöschen des Fronhofsystems.

Bauern im Mittelalter
Die Quellen für die Darstellung des Bauernlebens im Mittelalter. Landschaften und Stämme. – Die Dörfer. Das Bauernhaus. Bauerngärten. – Innere Einrichtung des Bauernhauses. Hausrat. – Arbeitsleben. Die Arbeit im Hause. Speise und Trank. Kleidung. – Landwirtschaftliche Arbeiten, Sitte und Brauch bei der Feldarbeit. Viehzucht, Sitte und Brauch bei derselben. – Familienleben. Verlöbnis und Ehe. Kindererziehung. Gesinde. Todesfall. – Öffentliches Leben, Gemeindeverhältnisse. Gerichtswesen. Dorffrieden. – Dorffeste. Der Tanz, Neidhards Tanzlieder. – Geistige Kultur des Bauernstandes. Dörfliche Abgeschlossenheit. Meier Helmbrecht. - Bäuerliche Kolonisation.

Vor und während des Bauernkrieges
Neue Verschlechterung der Lage des Bauern. Der Bauer und das Fürstentum. Der Bauer und der Ritterstand. Bauer und Bürger. - Bäuerliche Zustände am Ausgang des Mittelalters. Der Bauer in der Literatur der Zeit, Thomas Nurner, Wittenweilers „Ring“, Schwänke, Hans Sachs. Der Bauer in der bildenden Kunst. – Vorspiele des Bauernkrieges, Hans Böhm von Niklashausen, Jost Fritz von Untergrumbach. Der arme Konrad in Württemberg. Der Bauernkrieg in der Windischen Mark. – Die Reformation. Der große Bauernkrieg. Die zwölf Artikel. Die Reichsreform. Der Ausgang des großen Bauernkrieges. Ein Nachspiel in Oberösterreich. Dithmarschen.

Des deutschen Bauern trübste Zeit im 17. und 18. Jahrhundert
Nach dem Bauernkrieg. Der Dreißigjährige Krieg und seine Folgen. – Ungebrochenes Bauerntum in der Schweiz und den Niederlanden. – Der Bauer in Ostelbien. Neue Leibeigenschaft. Brandenburg-Preußen, der Große Kurfürst, Friedrich Wilhelm I., Friedrich der Große. Mecklenburg und Pommern, Bauernlegen. – Im Zeitalter der Aufklärung. Wendung zum Besseren. – Das geistige Leben des Bauern, ein Zeugnis Seumes. Der Bauer in der Literatur, Bauernliteratur. Der Bauer in der bildenden Kunst.

Die neue Zeit
Die Aufhebung der Leibeigenschaft. – Der deutsche Bauer im 19. Jahrhundert

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000 Der Bauer VI Titelblatt

000 Der Bauer VI Titelblatt

001 Deutsche Dorflandschaft. Holzschnitte von H. Schäufelein (1480-1540) Berlin, Kupferstichkabinett. B. 3

001 Deutsche Dorflandschaft. Holzschnitte von H. Schäufelein (1480-1540) Berlin, Kupferstichkabinett. B. 3

002 Storchnest auf einem Bauernhaus. Holzschitt aus HOrtus sanitatis. Straßburg, Joh. Pryß ca. 1498

002 Storchnest auf einem Bauernhaus. Holzschitt aus HOrtus sanitatis. Straßburg, Joh. Pryß ca. 1498

003 Alte Darstellung eines Dorfes mit 2 Bauern. Holzschnitt aus Spiegel menschlicher Behaltnis. Basel, B. Richel. 1476. Hain 14936

003 Alte Darstellung eines Dorfes mit 2 Bauern. Holzschnitt aus Spiegel menschlicher Behaltnis. Basel, B. Richel. 1476. Hain 14936

004 Verkauf eines Joches Ochsen. Hozschnitt aus Spiegel menschlicher Behaltnis Basel, B. Richel, 1476

004 Verkauf eines Joches Ochsen. Hozschnitt aus Spiegel menschlicher Behaltnis Basel, B. Richel, 1476

005 Ein niederdeutscher Ackermann mit Sichel, Spaten Hirtenstab. Holzschnitte aus Stephanus, Boek van dem Schaspele. Lübeck. Hain 4898

005 Ein niederdeutscher Ackermann mit Sichel, Spaten Hirtenstab. Holzschnitte aus Stephanus, Boek van dem Schaspele. Lübeck. Hain 4898

006 Alte Darstellung des bäuerlichen Lebens, Plügen, Dreschen, Holzhacken, Graben, Füttern der Schweine, daneben Akte der Rechtspflege. Holzschnitt aus dem um 1470

006 Alte Darstellung des bäuerlichen Lebens, Plügen, Dreschen, Holzhacken, Graben, Füttern der Schweine, daneben Akte der Rechtspflege. Holzschnitt aus dem um 1470

007 Ein mit Pferden pflügender Bauer. Hinter ihm der Meier. Holzschnitt aus Rodericus Zamorensis, Spiegel des menschlichlichen Lebens. Augsburg, H. Bämler, 1479

007 Ein mit Pferden pflügender Bauer. Hinter ihm der Meier. Holzschnitt aus Rodericus Zamorensis, Spiegel des menschlichlichen Lebens. Augsburg, H. Bämler, 1479

008 Ein mit Ochsen pflügender Bauer. Im Hintergrund ERnts und Transport des Getreides zur Mühle. Holzschnitt aus - Steinhöwel, Boccaccio. Ulm, Johann Zainer, 1473

008 Ein mit Ochsen pflügender Bauer. Im Hintergrund ERnts und Transport des Getreides zur Mühle. Holzschnitt aus - Steinhöwel, Boccaccio. Ulm, Johann Zainer, 1473

009 Pflügende Bauern. Holzschnitt aus Th. Lirer, Schwäbische Chronik. Ulm, Dinkmuth, 1486

009 Pflügende Bauern. Holzschnitt aus Th. Lirer, Schwäbische Chronik. Ulm, Dinkmuth, 1486

010 Früchte. Holzschnii aus Michael Hero; Schachtafeln der Gesundheit. Straßburg, Joh. Schott, 1533

010 Früchte. Holzschnii aus Michael Hero; Schachtafeln der Gesundheit. Straßburg, Joh. Schott, 1533

011 Bildnis aus Ackergerätschaften zusammengesetzt. Holzschnitte von Martin Woerle. 16. Jahrhundert. Nürnberg, Germanisches Museum. Ragler, M. IV, 2257

011 Bildnis aus Ackergerätschaften zusammengesetzt. Holzschnitte von Martin Woerle. 16. Jahrhundert. Nürnberg, Germanisches Museum. Ragler, M. IV, 2257

013 Hirt mit Schafherde. Holzschnitt P. de Crescentiis, Nutz der Ding. Straßburg 1493

013 Hirt mit Schafherde. Holzschnitt P. de Crescentiis, Nutz der Ding. Straßburg 1493