Mecklenburgische Beziehungen Herzog Carl Augusts von Weimar

mit ungedruckten Briefen Carl Augusts
Autor: Hans Haimar Jacobs, Erscheinungsjahr: 1934
Themenbereiche
Enthaltene Themen: friedrich von hirschfeld, August von Lützow, Friedrich Franz, Groß-Salitz, Herzog Carl August, Kaiser Alexander I, Russland
Erster Teil

Im Großherzoglichen Hausarchiv in Schwerin liegen 11 Briefe Carl Augusts von Sachsen-Weimar an Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin aus den Jahren 1788 bis 1827 und vier Briefe an Erbgroßherzog Paul Friedrich aus den Jahren 1819 bis 1825, die ich für das von Professor Willy Andreas in Heidelberg im Auftrag des Thüringischen Volksbildungsministeriums herausgegebene Carl-August-Werk durchsah. Der vertrauliche Ton der Briefe und auch ihr ziemlich alltäglicher Inhalt deutet daraufhin, daß jedenfalls die späteren mehr zufällige Überbleibsel eines regelmäßigeren Briefwechsels sind. An den Erbprinzen und späteren Erbgroßherzog Friedrich Ludwig, der von 1810 bis 1816 als Gatte der Prinzessin Karoline Luise von Weimar Carl Augusts Schwiegersohn war, fand sich im Hausarchiv, wie Herr Staatsarchivdirektor Dr. Strecker mir freundlicherweise mitteilte, überhaupt kein Schreiben Carl Augusts, obwohl ja Briefe vorhanden gewesen sein müssen.

Der Inhalt der Briefe an Friedrich Franz und seinen Enkel ist fast rein persönlich und dynastisch, wie denn der Anknüpfungspunkt für die näheren Beziehungen der beiden Häuser eine dynastische Heiratsangelegenheit war. Carl August wollte seinen Sohn, den Erbprinzen Karl Friedrich, mit der Großfürstin Maria Paulowna, einer Tochter Kaiser Pauls I. von Rußland, verheiraten. Friedrich Franz' Sohn, der Erbprinz Friedrich Ludwig, aber war schon verlobt mit Maria Paulownas Schwester Helene Paulowna; die Hochzeit fand im Oktober 1799 in St. Petersburg statt. Carl August eröffnete Friedrich Franz I. am 5. März 1799 seinen Wunsch und bat ihn, den mecklenburgischen Oberhofmeister August von Lützow, der in der Heiratsangelegenheit als Gesandter in Petersburg weilte 1), zur Beratung seines eigenen Unterhändlers, des Kammerherrn von Wolzogen, anzuweisen. Auch erbat er von dem Herzog selbst verschiedene Auskünfte, besonders über die Mitgift von dessen Schwiegertochter. Friedrich Franz erfüllte seine Bitte, und so trugen er und Lützow mit zu dieser Heirat bei, die 1804 stattfand, als die Verlobten das heiratsfähige Alter erreicht hatten.

Es finden sich auch Andeutungen über die andere Angelegenheit, die Carl August damals in Rußland betrieb. Mit dem "Verhältnis, das in diesem Kriege anfangen sollte, welches aber der Rückmarsch der Russen zu zerreißen scheint" 2), ist der beabsichtigte Übertritt des tatendurstigen Herzogs und preußischen Generals in das russische Heer gemeint, das damals im zweiten Koalitionskrieg im Gegensatz zum neutralen Preußen zusammen mit England und Österreich gegen das von Carl August mit Recht so gefürchtete revolutionäre Frankreich kämpfte. Auch in dieser Angelegenheit nahm Carl August Lützows Hilfe in Anspruch, wie ein Brief an diesen vom 13. Juli 1799 zeigt 3). Und am 2. Januar 1800 bittet er Friedrich Franz, ein Paket an den Grafen Rostopschin, der bis 1799 russischer Außenminister war, durch Kurier oder Staffette nach Rußland mitzugeben. Dabei handelt es sich wohl um den Brief an Rostopschin vom 31. Dezember 1799, in dem Carl August für den Fall des Kriegsendes seine Bitte zurücknimmt; er ist in dem nächsten Schreiben an Friedrich Franz (vom 9. 1. 1800) froh, daß er sich damit beeilt hat, weil die Russen sich in der Tat aus dem Krieg zurückziehen. So ging also der Weg auch der politischen Annäherung des Herzogs an Rußland, als er Preußens Neutralitätspolitik gegen Frankreich seit dem Baseler Frieden als verderblich anzusehen begann, über die mecklenburgischen Verbindungswege; an Lützow erbat Carl August von dem Grafen Rostopschin auch dessen Antwort auf seinen Brief vom 31. Dezember 1799.

Wenn in die Briefe an Friedrich Franz aus der napoleonischen Zeit ein Widerhall des großen politischen Geschehens wenigstens hineinklingt, so scheint sich Carl August in den ruhigen Jahren nach 1815 mit dem mecklenburgischen Großherzog ausschließlich auf dem Boden freundlicher, menschlich-familiärer Beziehungen und jenes kräftigen, altfürstlichen Lebensgenusses getroffen zu haben, in dem beide Herrscher vor allem übereinstimmten. Von Jagd und Wild ist viel die Rede. Mit dem behaglichen Humor eines selbstsicheren Autoritätsgefühls und leiser Überlegenheit gegenüber der eigenen kleinfürstlichen Souveränität, an deren Grenzen Carl August sich ja Zeit seines Lebens gestoßen hatte, schreibt er einmal über die Wirkung eines Heilmittels, das seiner Gesundheit zuträglich war: "- - wenn man auch etwas ausländisch danach riecht, so hat dieses mit uns Souveränen nicht viel auf sich, denn unsere Untertanen beklagen sich doch nicht darüber" 5). Und in patriarchalischer guter Laune spricht er von den preußischen Prinzen, die aus ihm unerfindlichen Gründen auf Besuch am Hof weilen und später ja seine Enkelinnen heirateten, von seinen Enkeln und denen Friedrich Franz' I. In solchen kurzen, plaudernden Mitteilungen erschöpft sich im allgemeinen der Inhalt dieser Briefe.




1) Vgl. darüber bei L. v. Hirschfeld, Von einem deutschen Fürstenhofe, Wismar 1896, Bd. 1, S. 71 ff., den Abschnitt über die "Brautwerbung des Erbprinzen Friedrich Ludwig". Von der Weimarer Angelegenheit ist nichts erwähnt.
2) Schweriner Hausarchiv, Brief Carl Augusts an Friedrich Franz I. vom 2. Januar 1800.
3) Siehe darüber G. Bahls, Carl August von Weimar als Soldat, Heidelberger Dissertation, Berlin-Charlottenburg o. J. (1932), S. 84, der überhaupt über die ganze Angelegenheit unterrichtet.
5) Briefe an Friedrich Franz I. vom 15. Dezember 1826.

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