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Lebenszähe eines Storches

Aus: Conversations-Blatt (Beiblatt zum Regensburger Tagblatt) vom 18. Juni 1854
Autor: Redaktion, Erscheinungsjahr: 1854

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg, Klein - Kussewitz bei Rostock, 1853, Störche, Unglück, Unfall, Adebar, Rittergut,


Zu Ende August des vorigen Jahres [1853] sammelten sich die Störche in ungewöhnlicher Anzahl auf den Gebäuden des Rittergutes Klein-Kussewitz bei Rostock. Sie schienen noch eine Generalversammlung vor dem Abzug zu halten, denn 210 Stücke wurden gezählt, die teils ruhig und überwachend zuschauten, teils mit lautem, leidenschaftlichen Geklapper allerlei Differenzen zu schlichten trachteten. Bei mehreren entspannen sich sogar heftige Rencontres*), wenn es nicht gar vorausbestimmte Zweikämpfe waren. Die große Zahl der Versammelten, noch mehr aber das höchst Possierliche dieser Duelle hatte alle Bewohner des Gutes herbeigezogen, die wechselnd bald diese, bald jene Gruppe ins Auge fassten. Plötzlich rief ein alter Knecht: „kiek enmal Frölen, de een Adebar hätt den annern in den Schßsteen smeeten!“ Doch da in den tollen Gewisse es kaum möglich schien, den Einzelnen mit dem Auge zu verfolgen, so war der närrische Einfall belacht und der Erzähler, als nun alle Störche mit dem Grauen des andern Morgens (um 3 Uhr) abzogen, oft damit geneckt. - Zwei junge Mädchen schliefen in einem Zimmer, durch welches der Schornstein ging, in welchem, den Behauptungen des alten Bähkmann zufolge, der unseligste aller Störche stecken sollte. Doch vierzehn Tage hatten die Sache verwischt – Niemand dachte mehr daran. Da begann in der Nacht ein eigenes Rascheln, welches die Schlafenden wohl weckte, aber bald wieder nachließ. In den zwei folgenden Nächten wiederholte sich sich das unheimliche Geräusch; auch ward beobachtet, das ein Paar Schleier-Eulen, die ungestört einen hohlen Baum im Garten bewohnten, alle Abende in der

Dämmerung auf dem Kranz des Schlots erschienen und neugierig hinabspäheten. Nun ward der schräg geschleifte Schonstein untersucht und wirklich, nach vollen 17 Tagen, ein noch lebender Storch äußerst abgemagert hervorgezogen. Wäre ein Arzt zugegen gewesen – vielleicht wäre er dem Leben erhalten geblieben: so tötete ihn das Mitleid. Eilig wurden mehrere Frösche gefangen und ihm vorgeworfen worden. Er verzehrte sie hastig – fiel um und starb.

*) Besprechung

Das Storchennest, Ein Kampf auf den Dächern von Straßburg_

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Steffenshagen, Travohaus (1)

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Steffenshagen, Travohaus (2)

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Störche (6)

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Störche (7)

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Störche

Störche

Grimm, Sagen, Die Störche

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