Landwirtschaftliche und andere Berichte. Schwerin, den 13. März.

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Redaktion, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landwirtschaft, Güstrow, Tierschau
Gestern fand die Frühjahrsversammlung des Schweriner Districts des Patriotischen Vereins statt. Das Interesse der Mitglieder am Verein scheint in erfreulicher Zunahme begriffen, was sich nicht nur durch eine vielfach lebhafte Beteiligung an der Debatte, sondern namentlich durch ein bereitwilliges Eingehen auf den Vorschlag dokumentierte: außer den regelmäßigen Versammlungen alle 6—8 Wochen Zusammenkünfte halten zu wollen. Dieselben sollen einerseits dazu dienen, um diejenigen Vorlagen, über welche auf den ordentlichen Versammlungen Beschluss zu fassen, vorläufig und gründlicher zu erörtern, als dies auf letzteren wegen der Menge der notwendig zu erledigenden Gegenstände möglich ist, andererseits, um sonstige Fragen von landwirtschaftlichem Interesse zu besprechen.

Gelegentlich der Anzeige zweier Eingänge, betr. den Maisbau und das Akkordarbeiten, erhob sich eine kurze Diskussion, deren Resultat etwa dahin ging, dass der Mais als Grünfutter sehr nützlich, ja empfehlenswert sei, dass dessen Anbau in Mecklenburg dennoch mehr und mehr verschwinde, weil er zu viel Arbeit erfordere. Zu viel in Anbetracht des Mangels an Arbeitskräften, ob auch im Verhältnis, zum Wert des Futtererträgnisses, darüber lag nichts vor. Bezüglich des Akkordarbeitens war die Meinung für die Einführung desselben auch bei den ländlichen Arbeitern, nur hielt man es in manchen Fällen für nötig, ein Maximum des täglichen Arbeitsquantums oder Verdienstes zu bestimmen, damit die Leute sich nicht zu Schanden arbeiteten, um binnen kurzer Zeit möglichst viel zu verdienen.

Die dritte Proposition zur diesjährigen Hauptversammlung fand zwecks Instruktion der Deputierten eine möglichst umfassende Erörterung, deren Ergebnis die Anerkennung der Zweckmäßigkeit des Ortswechsels der allgemeinen Tierschau etc. im Prinzip war. Vor definitiver Beschließung desselben wurde jedoch zweierlei für erforderlich gehalten: Erstens die Gewissheit, dass der Beitrag Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs von 1.166 2/3Thlr. dadurch nicht in Frage gestellt werde, und zweitens: feste Zusicherungen von Städten, dass sie im Fall ihrer Aufnahme in den Turnus dem Verein zur guten Herrichtung der Schau etc. dieselbe Hilfeleistung wie Güstrow gewähren würden. Die Motive, welche zur prinzipiellen Annahme des Ortswechsels der Haupt-Tierschau und Ausstellung führten, waren vorzüglich folgende. Bei der Fixierung derselben in Güstrow sei es Absicht gewesen, einen in der Mitte des Landes gelegenen Zentralpunkt zu schaffen, wo das Beste aus dem ganzen Lande vereinigt und betrachtet würde und Zeugnis gäbe von dem jeweiligen Standpunkte, dem Fort- oder Rückschritt der Viehzucht Mecklenburgs überhaupt, wie der einzelnen Districte desselben. Diese Absicht sei nicht in Erfüllung gegangen, sondern die allgemeine Schau und Ausstellung mehr eine speziell Güstrow’sche geworden. Würde nun auch bei einem Wechsel der jedesmalige Ort und dessen Umgegend in das Verhältnis Güstrows zu der Ausstellung treten, so werde der Nutzen derselben doch ein größerer sein durch Ausdehnung der lebhafteren Anregung auf das ganze Land und indem die bedeutende Zahl von Schauenden, welche sich jetzt stets in Güstrow einfinde, jährlich einem anderen Landesteile zugeführt werde und dessen Eigentümlichkeiten, Vor- oder Nachstehen gegen andere Landesteile kennen lerne. Auch das in den Annalen des Patriot. Vereins (XI, Bd., I, Abt., l. Heft, pag. 196) Gesagte, worauf ausdrücklich hingewiesen wurde, bewirkte keine Veränderung in der obigen Ansicht, und machte wohl um deswillen einen so geringen Eindruck, weil es nicht ganz unbefangen erscheint. Die Bezeichnung „herumvagabundierende Tierschau“ ist jedenfalls unzutreffend, weil eine Tierschau etc., nichts kontinuierlich Fortbestehendes ist, sondern jedesmal an dem Orte, wohin sie ausgeschrieben wird, neu entsteht.

Anlangend die der dritten als Supplement nachgefügte Proposition des Mecklenburg-Strelitzschen landwirtschaftlichen Vereins, welche den Anschluss desselben an den Patriotischen Verein unter der Bedingung in Aussicht stellt, dass die Haupt-Tierschau etc, jedes dritte Mal in einem M.-Strelitzschen Orte abgehalten werde, hielt man diesen Anschluss für sehr wünschenswert, für den Fall jedoch, dass ein Ortswechsel der Hauptschauen überall zu Stande kommen sollte, das proponierte Verhältnis der in M.-Strelitz abzuhaltenden für zu groß.

Der Entwurf einer neuen Tierschau-Ordnung (5. Prop,) fand in keinem Teile Widerspruch, und ward das Wegfallen der Schemata bei Pferden gutgeheißen, während man für Beibehaltung derselben im Übrigen sich aussprach.

Die 8. Proposition: Gründung einer landwirtschaftlichen Versuchsstation, veranlasste eine eifrige Debatte, ohne jedoch ein anderes Resultat als das Bekenntnis zu erzielen, man halte ein solches Institut für Mecklenburg äußerst wünschenswert, sehe aber bis jetzt keinen Weg zur Beschaffung der erforderlichen bedeutenden Geldmittel.

Schließlich sei noch, speziell den Schweriner District betreffend, des gefassten Beschlusses erwähnt, dass, wenn der Magistrat der Stadt Schwerin sich zur Hergabe einer bestimmten Summe zu den Kosten bereit finde, die diesjährige Districtsschau dort, sonst zu Friedrichstal abgehalten werden solle, sowie, dass das Direktorium zu dem Versuche einer Vereinigung zwischen Schwerin, Gadedusch und Wittenburg, mit wechselnder Abhaltung der Schauen an den drei genannten Orten, bevollmächtigt wurde.
Schwerin, Schloss 4

Schwerin, Schloss 4

Schwerin - Stadtansicht - Schloss - Hoftheater

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Schwerin - Totalansicht

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Viehmarkt

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