Landwirtschaftliche und andere Berichte. Pinnow, den 6. April 1856

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Redaktion - Dr. H. Schencke, Präpositus., Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pinnow, Landwirtschaft, Aussichten, Wetter,
Der Monat Februar schien Anfangs bereits dem langen Winter ein Ende machen zu wollen und brachte namentlich in seiner letzten Hälfte einige Tage, wie man sie sonst nur im März erwarten darf. Die Saaten fingen an, sich zu regen und zeigten vielfach schon das schöne, dem Auge so wohltuende Grün des Frühlings, die Lerchen stimmten ihr Jubellied an und einzelne Sommervögel kehrten zurück zu ihren heimatlichen Brutplätzen, aber immer noch drängte sich dem Menschen das Gefühl der Unsicherheit auf und er mochte es nicht wagen, sich frohen Frühlingshoffnungen hinzugeben, weil die Erfahrung ihn zu oft gelehrt hat, dass in diesem Monate noch kein Heil zu erwarten steht, da selbst der März mit seinen neun Sommertagen und der launenhafte April, den alle Welt kennt, selbst dann höchst misslich bleiben, wenn sie ihr schönstes Gewand anlegen und in einem Schmucke erscheinen, der gewöhnlich als eitler Flitterstaat erkannt wird.

Auch diesmal bewährte sich leider das alte Sprichwort: das dickste Ende kommt nach, denn es kam in der Tat und machte den Frühjahrsmonat März zu einem recht groben Gesellen, der mit kaltem Ost und Nordost in die Welt hinein- und jede Spur der erwachten Vegetation fortblies, als wenn nur erst das alte traurige Winterleben recht von Neuem wieder angeben sollte. Maria Grün, wie das Volk den Tag nennt, ward zu Maria Grau und eine eisige Luft wehte aus allen Himmelsgegenden dem armen Menschen entgegen, der schon von milden Tagen geträumt hatte. An manchem Morgen zeigte das Thermometer 6 Grad Kälte und in stillen Nächten belegten sich Seen und Teiche wieder mit einer Eisdecke, die ziemliche Lasten tragen konnte. Die verderblichen Folgen einer solch beispiellosen Witterung konnten nicht ausbleiben.

Der Roggen, der, wie gesagt, sich schon gerichtet hatte, ward dunkelbraun und verlor sich auf Höhen und in kalten Niederungen mehr und mehr, selbst der Weizen sah jämmerlich aus, soviel er auch sonst vertragen kann, und der Rapps ging bis zum letzten Lebenskeim verloren, nur die Rübsen hielten sich tapfer gegen den argen Feind. Besonders auf den Dreeschen sieht es jetzt, zu Anfang April, in der Tat beklagenswert aus, denn alle zarteren Gräser und sämtlicher Klee sind verschwunden und man kann die verdorrten Überreste mit den Füßen zusammenscharren, allein der Timothe hat sich gehalten, aber er gibt bekanntlich keinen Ersatz für Honiggras, Raigras, roten, weißen und gelben Klee, die dahin sind. In einigen Gegenden sollen sogar früh gepflanzte Kartoffeln erfroren sein, und wahrlich kalt genug war es auch dazu.

Wunderbarer Weise zeigt sich jetzt, da bessere Witterung eingetreten ist, der Schaden am Roggen, selbst auf leichterem Boden, nur geringe, desto größer aber ist der Nachteil für die Weide, was um so mehr zu beklagen sein wird, da mancher Landmann, bei nur mäßigem Futtervorrat, wohl auf einen frühen Weidegang gehofft haben mag. Demnach sind die Aussichten für die Butterproduktion nur sehr schlecht, und die hohen Preise für diese Fettware werden sich wahrscheinlich noch lange halten, zumal da zu fürchten steht, dass an vielen Orten die Kühe nicht allzugut aus dem Stalle kommen werden. Auch gewiss mancher kleine Bürger in den Städten wird sein Brot ohne jene angenehme Zutat essen müssen. Möge der Herr nur die Saaten segnen und die nächste Ernte zu einer recht reichen und ergiebigen machen, damit die verzagten Herzen so mancher Hausväter wieder getröstet werden, die jetzt hoffnungsvoll in die Zukunft schauen!

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Federvieh

Federvieh

Hahn und Hennen

Hahn und Hennen