Landwirtschaftliche und andere Berichte. Guano

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Redaktion, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landwirtschaft, Guano, Dünger
Über die Natur, Verfälschung, Anwendung und Wirkung dieses Dungmittels ist gar manches bereits zur Mitteilung gekommen, aber die Frage über das Be- und Entstehen solcher Ansammlung von animalischem Dünger ist noch nicht beantwortet, so nahe deren Lösung auch lag. Wenn bei uns zu Lande Millionen Seevögel durch Jahrhunderte auf Klippen und Felsen sich kröpfen und züchten, nisten und misten, es entstehen dennoch keine Schichten Vogeldüngers, weil der Regen, der Schnee, das wechselnde Wetter Alles auflöst und beseitigt. In dem amtlichen Berichte über die Erdumsegelung der schwedischen Fregatte Eugenie in den Jahren 1851 —1853, übersetzt von A. v. Etzel, Berlin 1856, ist hierauf zuerst hingewiesen. „Schon allein die Anwesenheit von Guano- Lagern“ — heißt es daselbst, Band 1, S. 105 — „ist hinreichend, um das Klima zu charakterisieren. Die erste Bedingung für die Bildung von dergleichen ist nämlich die gänzliche Abwesenheit von Regen, woraus dann Unfruchtbarkeit eine notwendige Folge wird. Diese Art Klima, die gleich, mäßig auf den Guano-Inseln stattfindet, scheint für die Seevögel eine gewisse Anmut zu besitzen, man sieht sie kaum auf irgend einer anderen Stelle in solcher Menge. Der Guano besteht übrigens nicht bloß aus dem Miste und Abgange der Vögel, sondern man trifft auch ganze Körper derselben mit Fleisch und Federn darin, und zuweilen auch sogar kleinere Seehunde, aber sie sind so verdorrt, dass sie beim Transporte zu Staub zerfallen, der sich mit dem Übrigen so vermischt, dass bei der Ankunft in Europa nur selten ein Tier hinreichend zusammenhängend gefunden wird, um daraus seine Gestalt mit Sicherheit erkennen zu können.“

Der der vorerwähnten Erdumsegelung beigegebene Naturforscher Andersson hat eine selbstständige, ebenfalls vom Professor Kannegießer ins Deutsche übertragene und schon 1854 zu Leipzig herausgegebene Beschreibung gegeben, welche S. 74 — 76 eine sehr interessante Auskunft über die Guanolager und dessen Gewinnung gibt. Er erzählt, nichts könne trauriger sein, als der Anblick der zum Brechen des Guano verwendeten Menschen. Im Gesicht und an den sämtlichen Gliedern von dem stinkenden bräunlichen Guanostaub bedeckt, sähen sie im Ganzen so aus, dass man sich wundere, wenn man sicher unter ihnen umhergehen könne. Man sagte, dass die Arbeiter täglich etwa 6 Silbergroschen — also 9 1/2 Schill, etwa — nebst Wasser und Kost bekommen. Sie sind verpflichtet, täglich 90 Karren Guano herunterzuschaffen; was sie über dies Maß liefern, wird ihnen besonders bezahlt. Wenn man zu der Arbeit — der Guano ist jedenfalls eine leicht zu brechende, zu ladende und abzukarrende Masse — mecklenburgische Arbeiter verwendete, die z. B. bei Wegebauten schon auf dergleichen geübt sind, die würden sich eine bedeutende Löhnung neben freier Kost erwerben, denn — wie Andersson weiter berichtet — es ist die Stelle, wo Guano gebrochen wird, ein hoher, steiler Hügel, auf dessen Seite jeder Arbeiter einen länglichen Gürtel von 4 Fuß Breite einnimmt, der von dem Abbau des Nachbars durch eine aufstehende Bank von Guano getrennt bleibt. Die in der Rinne losgehackten Stücke rollen von selbst zu dem Fuße des Hügels nieder, wo sie dann auf Schubkarren geladen werden. Man hat berechnet, dass allein die Insel Pisko, die eine Oberfläche von acht englischen Quadratmeilen hat, 495.616.000 Kubik-Yard Guano, enthält. Jede Kubik-Yard wird auf vier englische Zentner berechnet. Dies gibt 99.123.300 Tonnen, so dass diese Insel noch 2.000 Jahre lang jährlich 50.000 Tonnen, die Tonne zu 20 Zentner berechnet, liefern kann. In seinen untersten Lagen bildet der Guano jenen hellbraunen Stoff, der gleich Staub in die Höhe wirbelt, überall durchdringt, denselben Geruch mit sich führend, den man in Hühnerställen, wo gerade nicht überflüssige Reinlichkeit herrscht, antrifft.

Vielleicht trägt diese Notiz durch ihre Hinweisung auf das gänzlich trockene Ansammeln und Bestehen des Guano und die entsprechende Angabe seiner näheren Erscheinung dazu bei, den Versuchen mit dem Dungmittel eine andere Einleitung und Richtung zu geben, sowie bei seinen Ankäufen nach Gewicht als Fingerzeig zu dienen.
Albatros (Kriegsschiff-Vogel)

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Kormoran

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