Landwirtschaftliche und andere Berichte. Aus dem südwestlichen Mecklenburg, 16. Mai

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Redaktion, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landwirtschaft, Wetter, Aussichten, Störche, Frösche, Drainage
Allem Anscheine nach dürfen wir einer gesegneten Ernte entgegensehen. Die Wintersaat steht durchweg sehr gut, selbst einige wunderliche Perioden in der Frühjahrswitterung haben keine erhebliche Störung verursacht. In diesen Gegenden hat die Drainage in den letzten beiden Jahren bedeutende Fortschritte gemacht. Was erst nur größere Gutsbesitzer und Pächter unternahmen, daran wagt sich jetzt schon jeder kleine Grundbesitzer. Und letzterem wird die Instandsetzung verhältnismäßig allerdings lange so kostspielig nicht, als dem ersteren, da er es teils selbst, teils durch die Domestiken beschafft. Man ist aber meistenteils zu hastig verfahren, und dabei haben sich denn allerlei Übelstande herausgestellt. Weil die Drains von Unkundigen gelegt wurden, nämlich zur Ersparung der Kosten von den Eigentümern selbst oder ihren Untergebenen, ohne gehörige Kenntnisnahme dessen, was dabei zu beobachten ist, verstopften sie sich, so dass sie wieder herausgerissen werden mussten. Bei Anderen hat der Boden Widerstand geleistet und sich für diese Methode nicht recht geeignet gezeigt. Man ist jetzt, hauptsächlich wieder durch die alte Lehre, welche aus dem eigenen Schaden abstrahiert wird, ziemlich allgemein darüber einig, dass ein Acker, welcher Abfluss und festen, lehmigen Untergrund hat, durchaus dafür geschaffen ist, dass man aber in dem sogenannten Suchtsand und im Moorboden dergleichen nicht versuchen muss. Letzterem fehlt zunächst die Festigkeit, daher sind die Drains sowohl dem Versinken, als der Verschiebung ausgesetzt. Dazu kommt, dass diese Art Boden unrein ist, nämlich auch noch mehrere Fuß tief voller Gewürm, Einigen hat sogar der Maulwurf Possen gespielt, bei Anderen ist es vorgekommen, dass ein Frosch in die Röhre kroch, zuletzt darin stecken blieb, und so den ganzen Lauf verstopfte. Es wird auch hierbei wohl ratsam sein, erst Manches in Erwägung zu ziehen, bevor man ans Werk geht.

Über die späte Ankunft der Störche wundert sich hier Jedermann; das Seltsame dieses Phänomens vermehrt sich noch, da man in den Zeitungen liest, dass es allenthalben so gewesen. Man kann also nicht annehmen, ein Zufall habe die Störche für dieses Jahr in eine andere Gegend verschlagen, sondern muss an Unglück denken, welches ihnen seit ihrem Abzug im vorigen Jahre zugestoßen. Die ersten, oder vielmehr der erste, denn es war nur ein einziger, zeigte sich hier am 16. April; in den folgenden Tagen gesellten sich zwei oder drei dazu, und jetzt sind hier zusammen vier, wo früher wenigstens ihrer vierzig eine Wohnung fanden. Es ist, als ob sie selber das Ungemütliche der Vereinsamung fühlten, denn beinahe vierzehn Tage lang zogen sie umher von einem Neste zum andern, und mochten nirgends festen Fuß fassen. Die Anhänglichkeit an bestimmte Häuser und an bestimmte Nester, die man so gern annimmt, zeigt sich dabei deutlich als unbegründet, kann auch schon deshalb nicht statthaben, weil von den alten Störchen wahrscheinlich nur selten einer Europa zum zweiten Male wiedersieht, und weil ihre eheliche Treue sich nur auf einen Sommer zu erstrecken scheint.

Bei der Abwesenheit der Störche machen sich die Frösche um so breiter. Ist es eine Wohltat, dass die Störche diese hässlichen Geschöpfe verschlingen, so muss man diesen Sommer fast besorgt sein, denn wer soll sie nun fressen? Was das Alter anlangt, so sind übrigens die Frösche ihren Feinden überlegen; mir fällt dabei eine merkwürdige Geschichte ein von einem alten Frosch, die mir ein glaubwürdiger Mann erzählte. Vor etwa dreißig Jahren war ein Arbeitsmann beschäftigt, Steine zu schießen, die bekannten Blöcke, zum Teil von bedeutender Große, wie sie auch in hiesiger Gegend sich reichlich finden, und die man nach neueren Untersuchungen ansehen soll als Teile der skandinavischen Berge, von denen sie sich einmal ablösten. Genug, als der Mann einen dieser Felsblöcke von etwa drei Fuß Höhe und zwei Fuß Dicke auseinandcrschießt und gerade die Mitte trifft, findet er im Mittelpunkt dieses Gesteins eine Höhle, etwa so groß wie die geballte Hand eines Kindes, die aber gänzlich von einem grauen Geschöpfe eingenommen ist. Es war ein — Frosch; von der Erschütterung, und weil seine Wohnung in der Mitte auseinander gespalten, war, fiel er heraus, blieb aber wie tot am Boden liegen. Der Arbeiter bemerkt es, ruft seinen Nachbar, und zeigt ihm verwundert diesen „Poog in’n Stehen“. Der Nachbar (es ist derselbe, von dem ich die Geschichte weiß, damals ein junger Mensch von 16 Jahren) hebt den Frosch vom Boden auf, und als er ihn in der Hand besieht, findet er, dass er ganz aussieht wie unser gewöhnlicher grauer Frosch; will darauf versuchen, ob er noch wieder zum Leben kommen könne, legt ihn deswegen oben auf die Steinplatte, wo ihn die Sonne bescheint. Nach einer Stunde etwa beginnt der Frosch sich zu regen, erst die Beine auszustrecken, dann sich allgemach aufzurappeln, aber noch immer sehr langsam und schwach. Als sie später wieder zusehen, ist er schon vom Stein heruntergesprungen und kriecht langsam im Grase; Abends ist er dann gänzlich fort, oder wenn noch in der Nähe, doch von seinen Kommilitonen nicht mehr zu unterscheiden. Leider fand dieses Phänomen hier nicht seinen rechten Mann, denn es wurde versäumt, Frosch und Stein aufzubewahren. Aber kein Zweifel ist, dass die Sache sich so verhält, wie sie hier erzählt worden; dass also der Frosch mitten im Stein fest eingeschlossen gewesen und dieser Stein schon vor Jahrtausenden seine jetzige feste Gestalt erhalten haben muss. Wer erklärt aber, wie dieses zugegangen sein mag?

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Surinamische Kröte

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Ohrauge

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