Landwirtschaftliche und andere Berichte. Aus dem nordöstlichen Mecklenburg, den 11. März 1856.

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Redaktion, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Landwirtschaft, Wetter, Aussichten, Hungersnot, Mäuseschaden
Viel zu früh für die noch rückständigen Feldarbeiten, und den ohnehin schon herrschenden Notstand doppelt fühlbar machend traf bereits mit der zweiten Hälfte des November der Winter ein, und nahm sofort einen äußerst strengen Charakter an. Nach einigen gelinderen Tagen erreichte darauf in der Mitte Dezember die Kälte den höchsten Grad (18—20° R.), verlor sich seitdem aber wieder und trat immer nur in kurzen Perioden, mit Schnee- und Regentagen abwechselnd, auf. Obgleich nun der frühe Eintritt des Winters auch ein zeitiges Frühjahr erhoffen und erwünschen ließ, so kann doch leider bis jetzt noch nicht von einem ernstlichen Beginn desselben die Rede sein, da die Witterung fortwährend schwankt, und, wenn auch nur auf wenige Tage, von Zeit zu Zeit immer wieder entschiedenes Frostwetter herrscht. Gott gebe, dass wir bald den Frühling bei uns einziehen sehen, damit er die Not des Winters verscheuche und uns Hoffnung auf eine gesegnete Ernte erwecke; denn die letzten Jahre haben wieder recht evident erwiesen, dass nur eine frühzeitige Bestellung der Sommersaaten Aussicht auf einen reichen Ertrag gewahrt, und wäre es daher äußerst wünschenswert, wenn Sommerweizen und -Roggen, so wie die Erbsen, noch im Laufe des gegenwärtigen, oder doch zu Anfang des künftigen Monats gesät werden könnten.

Die Wintersaaten sind zwar recht kräftig in den Winter gekommen, haben aber durch den in letzter Zeit so häufigen Wechsel der Witterung ein sehr trübes Aussehen erhalten, ohne jedoch Grund zu ernstlichen Befürchtungen zu bieten. Den Verheerungen der Mäuse ist aber selbst durch den häufigen Schneefall und das mehrmals mit vielem Regen eintretende Tauwetter kein Ende gemacht, wenigstens ist das Ungeziefer bei weitem nicht völlig vertilgt und treibt sein Zerstörungswerk noch immer fort; der dadurch verursachte Schaden ist meist sehr erheblich, und mag stellenweise wohl 25 Prozent betragen.

Zwar ist, wie oben erwähnt, durch den früheren Eintritt des Frostes manche Herbstarbeit unvollendet geblieben, und konnten die Stoppelfelder und Dreesche zum Teil nicht mehr umgehakt werden, doch hat letztere Versäumnis bei dem mehrmals anhaltenden offenen Wetter sich ziemlich nachholen lassen, namentlich was das Aufbrechen des Dreesches betrifft. Da nun aber, wegen der frühen Störung der Feldarbeiten, zur hinreichenden Beschäftigung der Leute das Dreschen stark in Angriff genommen werden musste, der magere Einschnitt des vorigen Jahres die Scheunen aber nicht ausreichend gefüllt hatte, so ist an manchen Stellen schon ein rechter Mangel an Arbeit eingetreten, und hält es wirklich schwer, wenn die Umstände keine Melioration im größeren Maßstabe als Mergeln, Modden etc. gestatten, eine Nutzen bringende Beschäftigung für Gespann und Leute zu bewerkstelligen.

Dass unter diesen Umständen die Mehrzahl der im Domanio und den Städten wohnenden freien Arbeiter fast den ganzen Winter hindurch gezwungen war, brach zu liegen — da die Forsten nicht ausreichen, so vielen Leuten Arbeit zu geben — liegt ziemlich nahe, und haben dieselben daher unter dem Druck der Teuerung doppelt leiden müssen. Zur Abwehr der Not auf dem platten Lande sind nun leider gar keine Vorkehrungen getroffen, während den Städten und Flecken aus Landeskassen und ständischen Mitteln, so wie von vielen Privaten bedeutende Unterstützungen zugeflossen sind, und ist es zu bewundern, dass die Leute den Winter noch haben überstehen können. Das Brotkorn war kaum zu erschwingen, der ohnehin geringe Vorrat von Kartoffeln hat bis zuletzt herhalten müssen — der bitterste Mangel an Pflanzkartoffeln wird daher unausbleiblich eintreten. Zur Verhütung größeren Elends möchte die Notwendigkeit sich dringend geltend machen, Mittel zur Hebung dieses Mangels aufzufinden, und wollen wir diese Angelegenheit den hohen Behörden und allen Menschenfreunden aufs wärmste hiermit empfohlen haben.

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Bauernjunge

Bauernjunge

Hausmäuse

Hausmäuse