Landwirtschaftliche und andere Berichte. Aus Mecklenburg-Strelitz, den 12. April

Aus: Archiv für Landeskunde in den Großherzogtümern Mecklenburg und Revue der Landwirtschaft.
Autor: Redaktion, Erscheinungsjahr: 1856
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Strelitz, Landwirtschaft, Wetter, Aussichten, Störche, Bauernregeln
Die ausgezeichnet schönen Frühlingstage, deren wir uns seit etwa 14 Tagen zu erfreuen hatten, haben der ganzen Natur ein vollständig verjüngtes Ansehen gegeben und die Gestalt der Erde erneuert, so dass das Herz des Landmanns mit freudigen Gefühlen erfüllt ist. Man konnte nicht leicht einen rascheren Übergang aus dem Winter zum Sommer erwarten, als er jetzt vor unseren Augen geschehen ist. Die Wintersaaten und der Rapps, welche vor einigen Wochen noch ein höchst kümmerliches und trübes Ansehen hatten, haben sich auf eine merkwürdige Weise schnell erholt, und da, wo die Mäuse keine zu große Zerstörung angerichtet haben, lässt der Stand der Saaten nichts zu wünschen übrig, wenn man nicht etwa fürchten will, dass sie zu stark und zu schnell empor getrieben sind, und dass durch ein mögliches Eintreten strenger und rauer Witterung wieder Schaden verursacht werden könnte.

Höchst auffallend ist das lange Ausbleiben der Störche, weshalb von vielen Seiten noch stürmische und raube Witterung prophezeit wird. Die Ackerbestellung für die Sommersaaten ist beispiellos schön zu nennen, denn selbst undrainierter und sonst wenig durchlassender, niedriger Boden krümelt beim Pflügen auseinander, und wir haben bei dem jetzigen Stande der Dinge mit Recht auf eine gute Ernte zu hoffen. Wenngleich bis dahin noch mancher unvorhergesehener Unfall unsere Hoffnungen vereiteln kann, so wird doch durch das erste Auftreten der Wintersaaten im Frühling, sowie durch die Beschaffenheit des Ackers, welcher mit Sommergetreide besät werden soll, gar vieles bedingt, und namentlich dürfte dies auf den Rapps anzuwenden sein. — Der verflossene Winter war übrigens der Art, dass nicht allein das im verflossenen Herbst in der Ackerbestellung Versäumte vollständig konnte nachgeholt, es konnte auch manche Arbeit zum Voraus beschafft werden; der Dung wurde zum großen Teil auf den Dreesch gefahren und untergeackert. So sind denn auch die Erbsen frühzeitig gesät und sind wie in ein Bett von Eiderdunen gekommen. Jetzt wird mit rüstigem Eifer der Acker zu dem anderen Sommergetreide bereitet und auch schon Manches gesät, und man sieht hin und wieder schon, dass die Kartoffeln gepflanzt werden, in der Hoffnung, dass sie zu der Zeit eines möglichen Auftretens der Kartoffelkrankheit zur Reife gediehen sein werden, wie wir dies aus den Erfahrungen der vergangenen Jahre haben entnehmen können; denn zeitige Sorten, früh gepflanzt, haben sich immer am vorteilhaftesten bewiesen.

Sehnsüchtig harren viele Landwirte jetzt auf die Zeit, da die Weiden sich mit frischem Grün bekleiden, damit sie ihr Vieh austreiben können, denn der Futter Vorrat ist an einigen Orten schon sehr zusammengeschmolzen, so dass man gezwungen ist, die Schafe auszutreiben, wiewohl es sehr zu wünschen wäre, dass die Weide noch Ruhe hätte, zumal der Klee auf dem sogenannten alten Dreesch sehr ausgewintert ist. Wer im vergangenen Jahre sein Kleeheu gut geworben hat, der hat freilich keine Not, doch an vielen Stellen sieht man es den Schafen und Kühen sehr wohl an, dass ihnen nur mäßige Rationen zugeteilt werden konnten. Für die Wolle stehen annehmliche Preise in Aussicht, und, wie man hört, sollen schon mehrere Käufe abgeschlossen sein, und zwar 1 bis 2 Thaler pro Stein höher, als im vorigen Jahre. Die Kornpreise sind in Folge des abgeschlossenen Friedens, wie überall, auch hier bedeutend herunter gegangen, doch immer noch sehr hoch. Leider profitieren die meisten Landleute hiesiger Gegend nicht viel durch die hohen Konjunkturen, weil das Quantum des verkäuflichen Korns sich noch geringer herausgestellt hat, als man nach vollendeter Ernte erwartete. Wenn Güter von 50 bis 60 Last Acker kaum 2.000 Scheffel zu Markte führen, von den übrigen Kornarten aber wenig oder gar nichts veräußern können, so muss dies Resultat doch immer als ein sehr ungünstiges betrachtet werden, und dies findet hier vielfach statt. Besonders sind hier die Kartoffeln knapp, und wird hier der Berliner Scheffel mit 1 Thlr, 8 bis 16 Schill, bezahlt. In dem südlichen Teil des Landes soll es besser damit stehen, weil dort mehr Sandboden ist, wo die Kartoffeln besser geraten sind, wie es denn überhaupt bemerkenswert ist, dass die Sandfelder in den letzten Jahren gegen die schweren Felder verhältnismäßig im Vorteil gewesen sind.

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Schäfer mit seiner Herde auf dem Heimweg

Schäfer mit seiner Herde auf dem Heimweg

Schäfermeister

Schäfermeister

Kühe auf der Wiese

Kühe auf der Wiese