Kosegarten, Ludwig Gotthard (1758-1818) mecklenb. Dichter und Universitätslehrer. Biographie

Allgemeine Deutsche Biographie Bd 16 (1882)
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Kosegarten: Ludwig Gotthard K., Dichter und Universitätslehrer, geb. zu Grevesmühlen in Mecklenburg zwischen Wismar und Lübeck am 1. Februar 1758 als Sohn des dortigen Präpositus Bernhard Christian Kosegarten und † am 26. Oktober 1818. Unter der Leitung mehrerer Hauslehrer und seines Vaters, welcher mit ernstem religiösen Sinn gelehrte und philosophische Bildung verband und auch zu Kant’s Verehrern gehörte, obschon er gegen dessen „Religion innerhalb der Grenzen der Vernunft“ Protest erhob, genoss er den ersten Unterricht. Bald weckte der frühe Tod seiner Mutter am 15. Mai 1762, deren Bild ihm tief in die Seele geprägt blieb, einen Hang zur Abgeschlossenheit und tieferen Einkehr in sich selbst, so daß schon im 11. Lebensjahre sowohl ein ungewöhnlicher Eifer und Fortschritt im Lernen als Neigung zur Dichtkunst bei ihm hervortrat. Er gewann eine tüchtige Kenntnis der klassischen und neueren Sprachen sowie der hebräischen, studierte fleißig Geschichte und las daneben mit großem Eifer englische und französische schönwissenschaftliche Werke, Volksmärchen und alte Kirchenlieder. Seine eigenen kleineren und größeren Gedichte waren bereits in seinem 16. Lebensjahre zu einer kleinen Sammlung angewachsen. Am Charfreitage, den 1. April 1774 Nachmittags hielt er noch vor dem Abgang zur Universität Greifswald seine erste Predigt; daß der Vater für den Sohn die pommersche Hochschule wählte und ihn die Landesuniversitäten Rostock und Bützow vermeiden ließ, geschah darum, weil er ihn von dem in Mecklenburg vorherrschenden Pietismus fern halten wollte. Am 18. September 1775 reiste er von Grevesmühlen nach Greifswald ab. In der Theologie waren vornehmlich der Generalsuperintendent Stenzler, die Professoren Brockmann und Quistorp, in der Philosophie Peter Ahlwardt und J. Chr. Muhrbeck, in der Geschichte Peter Möller, in der Lectüre Homer’s Trägard, in der Horazischen Kellmann, in der Naturgeschichte Otto seine Lehrer; persönlich näher trat ihm Muhrbeck sowohl wegen seiner philosophischen Richtung, wie sich dieselbe namentlich in seiner Vorlesung über natürliche Theologie aussprach als auch wegen seiner liebreichen Gesinnung. Durch innige Freundschaft war er namentlich mit dem späteren akademischen Künstler Gottfried Quistorp und Franz Gering verbunden, denen er auch seine ersten im Druck erschienenen Liedersammlungen widmete. Indessen erwarb ihm seine vom Feuer der Jugend entflammte poetische Schöpferkraft auch in weiterem Umfange die Achtung der Professoren und Studierenden, namentlich die religiöse Hynme „Das Wehen des Allliebenden“, sowie die am 24. Januar 1777 am Geburtstage König Gustavs III. im akademischen Auditorium gehaltene Festrede über wahre Fürstengröße, welche er zugleich mit der für die Feier gedichteten Hymne „An den Genius des Nordens herausgab. Die zu Greifswald und Rostock gedichteten Lieder erschienen im März dieses Jahres unter dem Titel „Melancholien“. Ostern 1777 besuchte er mit seinem Freunde Gering die benachbarte Stadt Wolgast, wo er später seine erste Anstellung finden sollte, und nicht nur die Gegend, sondern auch die Trümmer des alten pommerschen herzoglichen Schlosses zogen ihn mächtig an. „Im Mondschein“, schrieb er in seinem vortrefflich geführten Tagebuche, sei es ein „prächtiger ossianischer Anblick, schön und düster.“ Weitere Fahrten unternahm er dann nach dem Eilande Rügen und erregte dort durch seine Kanzelreden sowie Poesien allgemeine Aufmerksamkeit. Nachdem er dann Michaelis 1777 nach zweijähriger Abwesenheit die Vaterstadt wieder besucht hatte, begann er nun seine achtjährige Tätigkeit als Hauslehrer zuerst bei dem Landvogt Carl Gustav v. Wolfradt in Bergen auf Rügen. Hier entstanden u. A. die Gedichte „Der Nachtsturm“ und „Rugard im Schnee“; auch gab ihm ein Weihnachtsaufenthalt, durch welchen er mit dem schön gelegenen Ralow bekannt wurde, die erste Anregung zu seinen später an dasselbe gerichteten Gesängen. Zugleich suchte er in den Kreisen der gebildeten Gesellschaft gegen die vorherrschende Verehrung der französischen Tragiker Shakespeare’s dichterischen Genius hervorzuheben, mit dem er damals durch Eschenburg’s Übersetzung genauer bekannt geworden war. Im April 1778 dichtete er die Elegien an Agnes und veröffentlichte die zweite Sammlung seiner Poesien „Thränen und Wonnen“, sowie 1779 daß Trauerspiel „Darmond und Allwina“, in welchem er, ähnlich wie Goethe im Werther (1774), den Schmerz unglücklicher Liebe und die Demütigung, welche die Ungleichheit des Standes hervorruft, in ergreifender Weise schildert, und 1780 „Weuna oder die Thränen des Wiedersehens“. In den Frühling des genannten Jahres 1780, da er eine Stelle als Hauslehrer bei Herrn v. Kantzow aus Zansebur zwischen Stralsund und Barth angenommen hatte, fällt ein Lebensereignis, welches für die künftige Entwickelung seiner Poesie eine gleiche Bedeutung gewann, wie Goethe’s Neigung zu Friederike Brion in Sesenheim. Auf den benachbarten Gütern Lassentin und Todenhagen lernte er nämlich Dorothea Hagenow, die Tochter des dortigen Domänenpächters, aus einer im Jahre 1802 geadelten Familie, kennen und fühlte sich bald, bei gleicher Bildung der Seele und des Gemütes, mit ihr in innigster Neigung verbunden. Leider wurde dieser Bund im Jahre 1782 durch die Härte des Vaters, der vielleicht an dem schwärmerischen Charakter des Jünglings und dem Mangel einer amtlichen Stellung Anstoß nahm, getrennt und Dorothea gezwungen, sich mit dem um mehr als 20 Jahre älteren Pastor Otto zu Niepars zu vermählen. Mehrere Briefe, ein Tagebuch aus dieser Zeit und 33 bisher noch ungedruckte Gedichte bezeugen die Tiefe seiner Empfindungen und seines Schmerzes; von letzteren sind mehrere, u. A. daß zum Verlobungsringe, deshalb wichtig, weil der Frohsinn der ersten Jugendliebe seiner Poesie einen ebenso einfachen harmonischen Klang verleiht, wie ihn das Sesenheimer Liederbuch zeigt. Ebenso lässt sich vermuten, daß der tiefe Schmerz über die Zerstörung seines Liebesglückes ihn in der Folge zu jener düsteren Überschwänglichkeit führte, welcher, in Nachahmung von Ossian, Young und Klopstock, der damalige Zeitgeschmack huldigte. Einen deutlichen Beweis für diese Behauptung können wir in dem, nach zwei späteren Bearbeitungen (Kos. Dicht. 1812, V. 143, 1824, IX. 126, wo die Jahreszahl 1778 unrichtig ist) gedruckten Gedichte „Der Himmelswagen“ finden, dessen erste Fassung von 1780, abgesehen von einigen sprachlichen Härten, eine viel einfachere und schönere Form zeigt. (Die 33 Gedichte, u. a. Originalhandschriften, nebst einer Biographie der Braut († 1844:) befinden sich, ein Geschenk des Fräulein Bertha Balthasar, einer Enkelin von Dorothea, auf der Universitätsbibliothek zu Greifswald.) In Folge dieses schmerzlichen Erlebnisses gab er die Stelle in Zansebur auf und lebte in ähnlichen Verhältnissen in Mecklenburg und auf Rügen. Hier schrieb er, durch die Lectüre Petrarka’s und Tasso´s angeregt, „Ewalds Rosenmonde“, übersetzte die 12 ersten Gesänge von Homer´s Odyssee, sowie aus den Werken Milton’s und Thomson’s und begann auch die altnordische Literatur in den Kreis seiner schriftstellerischen Bestrebungen zu ziehen. Nachdem er dann im Juli 1781 daß theologische Examen zu Greifswald bestanden, wurde er im Sommer 1785 als Rector an die Stadtschule nach Wolgast berufen und erhielt zugleich von der philosophischen Fakultät zu Bützow die Magisterwürde. Neben der Ausübung seiner amtlichen Pflichten, denen er sich bis zur Erschöpfung seiner körperlichen Kräfte unterzog, erteilte er nicht nur weiblicher Jugend Privatunterricht, sondern war auch unausgesetzt schriftstellerisch tätig. Unter seinen Schülern halte er die Freude zwei besonders: begabte Talente, den als lyrischen Dichter bekannten Karl Lappe (f. d. Art.) aus Wusterhusen und den geistvollen Maler Philipp Otto Runge (s. d. Art.) aus Wolgast zu fördern. Im Herbste des Jahres 1786 verheiratete er sich mit seines verstorbenen Freundes, des Pastors Linde zu Casneviz zweiter Tochter Katharina und verlebte seitdem die Ferienzeit häufig auf dem bei Greifswald gelegenen Gute Klein-Kiesow, welches ein Bruder seines Schwiegervaters bewohnte. Der ruhige beschauliche Aufenthalt an diesem ländlichen Wohnsitze gab ihm Gelegenheit mit neuen Dichtungen hervorzutreten, unter denen „Psyche, ein Märchen des Altertums, die erste Ausgabe seiner Gedichte, der erste Band der Rhapsodien, dem später noch zwei Bände folgten, „Ewalds Rosenmonde, herausgegeben von Tellow“, Haining’s Briefe an Emma, ferner die Übersetzungen von Pratt’s Freudenzögling, der Clarissa von Richardson, von Smiths Theorie der sittlichen Gefühle und Goldsmith’s römischer Geschichte zu nennen sind. Letztere widmete er dem Kronprinzen, späteren Könige Gustav IV. Adolph von Schweden und stellte ihm in der Vorrede die Willkür der Herrschergewalt als daß größte Übel dar, eine Mahnung, welche der Prinz günstig aufnahm mit dem Bemerken, daß er nur den Ruhm eines Titus erstrebe. Als sich Kosegarten nun in der Folge um die erledigte Pfarre Altenkirchen auf Wittow, der nördlichsten Halbinsel Rügens bewarb, während er eine Berufung zum Hofprediger der Königin von England und außerdem zum Rektor des kaiserlichen Lyceums zu Riga mit dem Diaconat zu St. Jakobi ablehnte, hatte er es namentlich dem Einflusse des Kronprinzen zu verdanken, daß er die reich dotierte Pfarre erhielt. Zuvor in Greifswald ordiniert, trat er das neue Amt schon im Juni 1792 an und fühlte sich bald in Altenkirchen auf der einsamen vom Meere umwogten Halbinsel überaus glücklich. Auch sein Familienkreis erweiterte sich, indem der zu Wolgast im Sommer 1789 geborenen Tochter Alwina zu Altenkirchen am 10. September 1792 ein Sohn folgte, der später als Orientalist und Historiker berühmt gewordene Johann Gottfried Ludwig Kosegarten (s. o. S. 742). Das neue Amt gab ihm nicht nur kirchliche, sondern auch weltliche Geschäfte mancherlei Art, da zu der Pfarre in 25 Dörfern und Höfen eine zahlreiche Gemeinde gehörte, welche mit ihrem Seelsorger nicht nur in kirchlicher Verbindung, sondern auch unter seiner Patrimonialgerichtsbarkeit stand, so daß man in allen wichtigen Vorkommnissen des täglichen Lebens seinen Rath einholte und sich zwischen der Gemeinde und ihm als deren Pfarrer, Richter, Patron und Vormund ein wahrhaft patriarchalisches Verhältnis bildete. Dabei hatte er zur Zeit des Heringsfanges in dem Filial Bitte im Angesichte des Meeres die sogenannten Uferpredigten zu halten, die er in seinem Gedichte „Jukunde“ anschaulich geschildert. Den Gottesdienst hielt er streng in seinen alten, dem Volke heilig gewordenen Gebräuchen, war ein Feind der modernisierten Lehr- und Gesangbücher und zog ihnen Katechismus, Lieder und Formeln Martin Luther’s, Paul Gerhard’s und Johann Bugenhagen’s vor. Was den Geist seiner Predigten anbetrifft, so bemerkt Kosegarten selbst in der Geschichte seines 50. Lebensjahres, dass er im Interesse der beginnenden Aufklärung eine Weile dem Glauben an Teufel, Gespenster und Hexen den Krieg gemacht und gemeinnützige Kenntnisse aus der Diätetik und Ökonomie von der Kanzel zu verbreiten gesucht habe, bald aber zu der Überzeugung von der Ungehörigkeit dessen gelangt sei und sich fortan darauf beschränkt habe, die Glaubens und Sittenlehre vorzutragen sowie Liebe und Hoffnung zu beleben. Er entsagte dem einseitigen Bestreben möglichst populär zu sein und bemühte sich statt hernieder zu steigen zu den Zuhörern, diese vielmehr zu sich emporzuheben; dabei trug er seine Predigten frei nach summarischer Disposition und mit dem lebhaftesten Gemütsausdruck vor. Was der Prediger zu erstreben und zu leisten habe, veranschaulicht sein dem Konsistorialrat Biederstedt in Greifswald zu dessen Amtsjubelfeier überreichtes Festgedicht. Auch das Leben frommer Männer der Vorzeit, wie daß des Ignatius und des vaterlandsliebenden Nikolaus von der Flüe, schilderte er mitunter in historischen Kanzelvorträgen; Spener’s Erbauungsschriften schätzte er vor Allen und war ein Freund der evangelischen Brüderunität, deren reisende Mitglieder ihn bisweilen besuchten. Einzelne seiner Predigten wie diejenige beim Amtsantritt in Altenkirchen wurden monographisch veröffentlicht, andere findet man in der Eusebia und in den Rhapsodien. Zu den dort herausgegebenen Schriften religiösen Inhalts gehören auch die genannte „Eusebia, ein Jahrbuch zur Beförderung der Religiosität“ und „Der Prediger, wie er sein sollte, dargestellt im Leben des Baptistenpredigers Robert Robinson“. Von seinen Amtsgeschäften suchte er am liebsten Erholung in Ausflügen nach der Capellenbrink, dem Vorgebirge Arkona, und dem in der „Inselfahrt“ beschriebenen „Bernsteineiland“ Hiddensee. Den innigsten Umgang pflog er mit der Familie des Präpositus Schwarz zu Wyk auf Wittow, seines nächstwohnenden Amtsgenossen. Während des Sommers erhielt er häufig Besuche von Fremden aus allen Gegenden Deutschlands und lernte bei solcher Gelegenheit auch Wilhelm v. Humboldt kennen. Als ihm in der Folge zu Altenkirchen noch ein Sohn und zwei Töchter geboren wurden, nahm er zur Erziehung der Kinder im Jahre 1796 Ernst Moritz Arndt und nach diesem den als lyrischen Dichter bekannten Karl Lappe und zuletzt Hermann Baier aus Lobbin, der später Kosegarten’s älteste Tochter Alwina heiratete, ins Haus. Obwohl er in einem Briefe an eine Freundin einer guten Tat mehr Wert zuschreibt als 20 Gedichten, gehörte er doch zu den fruchtbarsten Dichtern Deutschlands und bekennt selber: „Ich dichtete wachend und träumend, während der Mahlzeiten, während der gesellschaftlichen Unterhaltungen, während der kirchlichen Verrichtungen.“ Seine poetischen Schöpfungen vollendete er in unglaublich kurzer Zeit; nachträglich zu feilen und zu glätten versäumte er in der ersten Periode seines Schaffens und erhielt deshalb bisweilen Briefe von Boie, Bürger, Schiller und Herder, welche ihn ermahnten sich einer größeren Korrektheit zu befleißigen; auch blieb, wie die dreifache Bearbeitung des „Himmelswagens zeigt, jener Rath nicht unberücksichtigt. Im Jahre 1798 erhielt Kosegarten von der Fakultät zu Rostock die theologische Doktorwürde. Im folgenden Jahre erschien der zweite Band der Rhapsodien, 1795 seine „Geschichte des oströmischen Kaisertums, 1796 ff. „Eudämon’s Briefe an Psyche oder Untersuchungen über das Urschöne, Urwahre und Urgute“, sowie die vom Hauptmann v. Blankenburg begonnene Übersetzung der Geschichte Griechenlands von John Gillies und der Geschichte Griechenlands von John Gast. Eine neue verbesserte Ausgabe seiner Gedichte veröffentlichte er 1798 unter dem Titel „Poesien“ und gab 1800 das britische Odeon heraus, welches in zwei Bänden biographische Nachrichten von englischen und schottischen Dichtern des 18. Jahrhunderts und Übersetzungen ihrer Dichtungen enthält, wobei ihm Karl Lappe hilfreich zur Seite stand. Das Schauspiel „Ebba von Medem“ erschien in demselben Jahre und im folgenden unter dem Titel „Blumen“, eine Sammlung von Übersetzungen schottischer, schwedischer und dänischer Volkslieder. Der dritte Band der „Rhapsodien“ 1801 enthält neben eigenen Gedichten Übersetzungen aus dem Englischen und Schottischen, sowie drei zu Bitte gehaltene Uferpredigten. Um die nämliche Zeit begann Kosegarten eine Reihe romantischer Dichtungen in Prosa, in welchen er die verschiedenen Erweisungen des Gefühls der Liebe darstellen wollte, die erste dieser Dichtungen „Ida von Plessen“, 1800, spielt auf Rügen und stellt die Liebe der Natur dar, die zweite „Bianca del Giglio“, 1802, deren Ereignisse nach Italien und in das Morgenland verlegt sind, schildert die religiöse Liebe, die dritte „Adele von Cameron“, 1803, deren Vorgänge sich in Schottland ereignen, stellt die Liebe der Heimath dar; eine vierte „Guy und Yseule“, betr. die bräutliche Liebe zur Zeit der Kreuzzüge, blieb ebenso wie zwei andere, welche die kindliche Liebe und die Freundschaft darstellen sollten, in Folge veränderter Lebensverhältnisse unvollendet. Im Jahr 1803 vollendete Kosegarten auch seine am bekanntesten gewordene ländliche Dichtung „Jukunde“ in fünf Eclogen, deren Scene nach Wittow versetzt ist und 1805 folgte eine ähnliche Dichtung „Die Inselfahrt oder Aloysius und Agnes“ in sechs Eclogen, deren Handlung auf Hiddensee vorgeht. Sein Interesse für die Kirchengeschichte und die Anfänge des Christentums bewog ihn im Jahr 1805 die „Legenden“ herauszugeben, teils in metrischer, teilts in prosaischer Form. Außerdem übersetzte er Thomas Garnett’s „Reise durch Hochschottland und die Hebriden, mit Beilagen, den Ossian betreffend“, 2 Bde., 1802 und den französischen Roman „Jukunde von Castle“, 2 Bde., 1802. Von Beiträgen zu Zeitschriften und Rezensionen hielt er sich fern, weil es ihm nicht behagte an einen bestimmten Abfassungstermin gebunden zu sein; auch schränkte er den früher ziemlich ausgedehnten Briefwechsel nach und nach ein. Unablässig war und blieb er zugleich für Amt und Gemeinde bemüht. Im Jahr 1802 erteilte Gustav Adolph bei der Geburt seines zweiten Sohnes, des Großherzogs von Finnland, Kosegarten den Titel eines königlichen Konsistorialrates. Als nach Abschaffung der bisherigen Landesverfassung mit der herkömmlichen Justiz, insbesondere der Patrimonialgerichtsbarkeit sowie der Leibeigenschaft der König am 12. Juli 1805 auch die Einführung der schwedischen Kirchenverfassung mit der schwedischen Agende und dem Katechismus anordnete, schrieb Kosegarten an die Deputierten des Priesterstandes zum öffentlichen Landtage am 4. August eine kleine Anrede, in welcher er die Annahme aller königlichen Propositionen, insbesondere für die Wiederherstellung des Kultus, in seiner alten Majestät empfahl; zugleich übersetzte und bearbeitete er den Katechismus des Suebilius für die Einführung in Pommern. Als dann in Folge des Krieges von 1806 die Franzosen unter den Marschällen Mortier, Brune und Soult in Pommern eindrangen und Kosegarten’s Lage sowohl durch die Kriegsunruhen als andere amtliche Verhältnisse für ihn und seine gesunkenen körperlichen Kräfte zu schwierig ward, bewarb er sich um die erledigte Professur der Geschichte zu Greifswald und erhielt dieselbe mit der Erlaubnis, sein Pfarramt durch einen Vikar verwalten lassen zu dürfen. Nunmehr berief er seinen früheren Hausgenossen Hermann Baier zum Diaconus und begab sich im August 1808 in seinen neuen Wirkungskreis, in welchem er sich wohl und behaglich fühlte; seine Kräfte und Gemütsheiterkeit kehrten wieder und freudig begrüßte er die ungestörte Muße, sich mit wissenschaftlichen und poetischen Studien beschäftigen zu können. Zu Michaelis 1808 begann er seine Vorlesungen, welche alte und neue Welthistorie sowie die griechische Literaturgeschichte umfassten, auch erklärte er Ilias, Odyssee, Hymnen des Pindar, die –Orestie des Aeschylus, die Biographien des Plutarch und Demosthenes’ Reden; nach sorgfältiger Ausarbeitung trug er frei und ohne Konzept vor. Wiederholt hielt er Festreden, präsidierte 23 Mal bei den Promotionsdisputationen der Doktoranden der philosophischen Fakultät und schrieb dazu 18 Dissertationen historischen, philosophischen, philologischen und theologischen Inhalts; auch verwaltete er wiederholt daß Rektorat der Universität und daß Dekanat der philosophischen Fakultät. Ebenso nahm er an allgemeinen Angelegenheiten der Universität, welche der Leitung des Concilii anvertraut waren, den tätigsten Anteil. Da im Jahre 1809 bei der französischen Okkupation in Schwedisch- Pommern der Geburtstag des Kaisers als damaligen Landesherrn feierlich begangen wurde, so hielt seine ihm mit Unrecht so viel verargte und später auf dem Wartburgfeste verbrannte „Rede am Napoleonstage des Jahres 1809“, in welcher er die glänzenden politischen wie militärischen Erfolge des Imperators panegyrisch pries, obwohl er der Heimat Hermanns und Wittekind’s die politische Wiederherstellung prophezeite. Auch hatte die Rede für ihn keine ungünstigen Folgen. vielmehr wurde er nach Zurückgabe Schwedisch-Pommerns durch einen königlichen Erlass Karls XIII. von Stockholm am 14. Mai 1810 in seinem akademischen Amte bestätigt. Eine neue und verbesserte Ausgabe seiner Dichtungen erschien 1812. Als Rector magnificus wahrte Kosegarten im Jahre 1812, als die Franzosen auf dem Vormarsch gegen Russland aufs Neue hinterlistig und gewalttätig in Pommern eindrangen, daß Ansehen und Recht der Universität und hielt am 7. Oktober vor der förmlich eingeladenen Französischen Generalität die Festrede zum königlichen Geburtstag „über die Hingebung des Leonidas“, welche mit dem Wunsche schloss, daß auch Deutschland einen Leonidas gezeugt haben möchte. Als dann im Jahr 1813 der heißersehnte Freiheitskampf begann, dichtete er seine vaterländischen Gesänge, in denen er gegenüber der in manchen Liedern und Flugblättern geführten unedlen Sprache eine reinere und edlere Richtung des Nationalgefühls anzubahnen versuchte und auf die Verdienste der Franzosen um europäische Bildung und Gesittung hinwies. Zwei Festreden, am königlichen Geburtstag gehalten, „Der Tag von Clermont“ und „Das tausendjährige Gedächtnis Kaiser Karls des Großen“ wurden später durch den Druck veröffentlicht. Bei der Übergabe Schwedisch-Pommerns an Preußen im Herbst 1815 verfasste Kosegarten ein Festgedicht, in dem er die nationale Wiedervereinigung begrüßt und dem skandinavischen Reiche ein Lebewohl zuruft; auch die Festgedichte an den Staatskanzler Fürsten Hardenberg und Friedrich Christoph Scheele zu dessen Amtsjubelfeier wurden von ihm im Namen der Universität dargebracht. Zur Abwehr von Verdächtigungen Übelwollender, welche ihn einen Bonapartisten schalten, schrieb er gleichsam als Apologie die Geschichte seines 50. Lebensjahres, 1816. Schon lange war er ein Freund der sogenannten Theologie des Herzens oder der mystischen gewesen, weniger des theosophischen Zweiges nach dem Vorbild Jacob Böhme’s und Valentin Weigel’s, als des asketischen, wie sich derselbe in den Schriften des Lacombe und des Franz v. Sales darstellt, daher beschloss er eine ihrer besten Schriften bekannter zu machen und gab unter dem Titel „Die Ströme“ 1817 ein Buch heraus, welches eine deutsche Bearbeitung des ebenso überschriebenen Werkes der de la Motte Guyon enthält, mit den Beilagen „Vom Wege und von der Bereinigung mit Gott“, „Die Maximen des Lacombe“, der kleinen Schrift „Vom Freund und von dem Geliebten“, drei Gedichten des Johannes a Cruce und einem Gedicht von Tauler. Die wiederkehrende Liebe zur Theologie bewog ihn, sich im Jahr 1816 um die damals erledigte ordentliche theologische Professur zu bewerben und daß königliche Ministerium verlieh ihm diese Stelle. Er übergab nun das Altenkirchener Pfarramt seinem bereits zum Nachfolger ernannten Schwiegersohne Baier und trat die theologische Professur und daß damit verbundene Pastorat zu St. Jakobi Michaelis 1817 an. In der Greifswaldischen Gemeinde fand er das neue pommersche Gesangbuch vor, auf seinen Antrag indes gestattete die königliche Regierung, eine von ihm beschaffte Sammlung lutherischer und anderer Kirchenlieder gelegentlich nebenher zu benutzen. Bei der 300jährigen Gedächtnisfeier der Reformation hielt Kosegarten von Seiten der theologischen Fakultät die Festrede auf den pommerschen Reformator Johannes Bugenhagen. Die Amtsgeschäfte der Professur und des Pastorats nahmen seine Kräfte jetzt doppelt in Anspruch; auch entsagte er nebenher den Musen nicht, wie eine im Anfang des Jahres 1818 herausgegebene Sammlung von Distichen beweist. Zu Ostern 1818 trat er zum zweiten Male das Rektorat an, wodurch seine amtlichen Geschäfte sich um ein Bedeutendes vermehrten. Dieser Überanstrengung aber, welche sich den Sommer hindurch wiederholt durch betäubenden Kopfschmerz kundgegeben hatte, erlag er. Die Leiche ward seinem Wunsche gemäß nach Altenkirchen gebracht und dort beigesetzt, wobei sein jüngerer Freund, der Pastor Schwarz zu Wyk auf Wittow, die Gedächtnisrede über Daniel 12, 2 und 3 hielt.
Leben Ludwig Gotthard Kosegarten’s von seinem Sohne Joh. Gottfr. Ludw. Kosegarten, Greifswald 1827; ebendesselben Geschichte der Universität Greifswald, 1857, I. S. 315; Kanngießer, Zum Andenken an Ludwig Gotthard Kosegarten, Greifsw. 1819; Meinhold in den Pommerschen Provinzialblättern, III., 1821, S. 39–58, mit einem vorzüglichen Porträt von Hübner; Geschichte seines 50. Lebensjahres, Leipzig 1816; Biederstedt’s Nachrichten von dem Leben und den Schriften neuvorpommerisch-rügenscher Gelehrten, Greifsw. 1824, S. 93–95. Selbstbiographie in Koppe’s jetzt lebendem gelehrten Mecklenburg; Rostock 1783. – Dichtungen u. Briefe in der Orig.-Handschr. auf der Greifsw. Univ.-Bibl.

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