Klas Panz, der spukende Grenzgänger von Tatschow bei Schwaan.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Cambs, Tatschow, Schwaan, Kannenberg,
Zwischen den Besitzern der Höfe Cambs und Tatschow bei Schwaan waren in altenZeiten einmal Grenzstreitigkeiten ausgebrochen, die man nicht anders zu schlichten wusste, als alte, bejahrte Leute, denen man gute Kenntnis hierüber zutrauen konnte, beschwören zu lassen, wie es vor diesem hiermit gewesen und wo in ihrer Jugendzeit die alten Scheiden gegangen hätten.

Außer dem alten Bauer Klas Panz aus Tatschow wollte sich Niemand recht zu einem solchen Schwur verstehen; dieser war aber sogleich desto bereitwilliger hierzu.

Klas Panz schwur also, dass, so lange er denken könne, die alten richtigen Grenzen zwischen beiden Hofäckern sonst immer so und so gegangen hätten, wie er es vorher bezeichnet hatte. Der Besitzer von Tatschow verlor hierdurch ein bedeutendes Stück Land, doch half ihm gegen einen solchen Schwur weiter kein Protestieren; das Gericht bestätigte die eidliche Angabe des Alten, und die Sache war damit für immer abgemacht.

Klas Panz aber hatte wissentlich falsch geschworen. War er vielleicht durch den Hofbesitzer von Cambs bestochen worden, oder war er dem von Tatschow feindlich gesinnt? genug den Grund dieses Meineides kennt man nicht; wohl aber weiß man, dass er für sein falsches Zeugnis von der Vorsehung hart bestraft wurde. Sobald er nämlich wenige Wochen hiernach seine Augen für immer geschlossen hatte und sein Körper zur Erde bestattet worden war, musste sein Geist ruhelos auf dem Kannenberge zwischen Cambs und Tatschow umherirren; was auch noch heute und diesen Tag geschieht.

Gewöhnlich erscheint der spukende Bauer Klas Panz dort in der Gestalt eines schwarzen Pferdes, und viele Geschichten erzählen sich die Leute, wie er bald Diesem, bald Jenem begegnet ist und was sich dabei dann Alles zugetragen hat. Ich lasse hier nun zwei dieser Geschichten folgen:

Als der Cambser Schäferknecht Christian Meink im Sommer 1798 dicht am Kannenberge die Schafe hütete und auch hier das Nachtquartier für sich und seine Schutzbefohlenen aufgeschlagen hatte, begegnete es ihm mehrere Nächte, dass sein Hund plötzlich mit eingezogenem Schwanz zu ihm in die Hütte hineingewinselt kam und dass die Schafe dann am andern Morgen aus dem Hürden gebrochen waren.

Anfänglich hatte der Schäferknecht nicht weiter hierauf geachtet und sich deshalb auch nicht bemüht den Grund hiervon zu erfahren; endlich aber wurde er doch aufmerksam und beschloss deshalb, wenn der Hund wieder des Nachts so ängstlich zu ihm in die Hütte krieche, aufzustehen und einmal nachzusehen, was denn eigentlich recht draußen passiere. Als in der nächsten Nacht schon der Hund wieder winselnd zu ihm kam, stand er sogleich auf und sah nun, wie sich ein großes, kohlschwarzes Pferd zwischen seinen ängstlich zusammenkriechenden Schafen am Hürden scheuerte. Schnell erhob er die Hand, um das Ross hinwegzuscheuchen, aber oh Wunder, plötzlich hatte es sich in eine menschliche Gestalt verwandelt.

„Was willst Du hier?" rief dieser der beherzte Schäferknecht jetzt zu.

„Die Scheide wahren!" antwortete dumpf die geisterhafte Gestalt.

„Welche Scheide? und wo ist sie?" fragte Christian Meink weiter.

„Ich bin Klas Panz”, sprach die Erscheinung. „Ich habe, wie Du wohl schon gehört hast, vor Jahren den Acker hier falsch an Cambs geschworen und muss nun dafür ruhelos umher wandeln, bis der Prediger zu Cambs auf mir in dieKirche reitet. Du kannst mir behilflich hierzu sein und mich also erlösen. Im Spätherbste werden hier nämlich Pferde auf die grüne Saat des Pastors kommen, worunter auch ich bin, pfände uns alsdann und bringe uns auf die Cambser Pfarre. Die andern Pferde werden hiernach wieder eingelöst werden, während ich zurückbleibe; der Pastor muss dann auf mir in die Kirche reiten und ich bin erlöset. Gib mir die Hand darauf, dass Du meinen Wunsch erfüllen und mir soviel als möglich zu meiner Erlösung behilflich sein willst."

„Stock so gut, als die Hand!" sagte der Schäfer und hielt dem Geist seinen Schäferstab hin.

„Wort so gut, als die Hand!” entgegnete dieser, ging an den nahen kleinen See, den Phöls genannt, tauchte dort im Schilfe ins Wasser und war verschwunden.

Der Schäferknecht Christian Meink ging am nächsten Tage sogleich zum Cambser Prediger und erzählte ihm alles, was er in der letzten Nacht erlebt. Dieser konnte sich's nicht deuten, schüttelte ungläubig den Kopf und entließ den Christian Meink endlich wieder.

Der Herbst war da; Pferde kamen auf die Saat des Cambser Pastors, wurden gepfändet und auf seinen Hof getrieben. Der Prediger aber kümmerte sich nicht darum und ging nicht hinaus, worauf denn sein Knecht um 1 Uhr Mittags das Hoftor öffnete und die gepfändeten Pferde wieder laufen ließ.

Ein anderes Mal eggt ein Knecht am Pöhls den Acker. Plötzlich sieht er dort am Wasser ein prächtiges schwarzes Pferd stehen; er geht hinan, spannt es vor die Eggen, was das Tier sich alles gutwillig gefallen lässt, und fängt nun an tapfer damit loszuarbeiten. Zuerst eggt er das Stück Acker in die Länge. Als er es aber darnach auch ins Kreuz zu eggen beginnen will, reißt sich das Pferd los und stürzt sich mit den Eggen in den See, auf welchem sie nachher noch lange umher geschwommen haben, da sie Keiner wieder anzurühren wagte.

Wenn zuweilen auch fremde Pferde auf dem Acker beim Pöhls weiden und das Korn oder die Saat arg ruinieren, so wagt es doch Niemand, sie zu pfänden, denn Jedermann fürchtet, dass Klas Panz darunter ist. Und dies soll auch immer der Fall sein, indem sich stets ein gewaltiges kohlschwarzes Ross dazwischen befindet, das Niemand kennt und keinem Menschen zugehört.

Dies fremde Pferd aber ist dann der Geist des meineidigen Klas Panz, der noch immer nicht erlöst ist und die ewige Ruhe gefunden hat.

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