Jahresbericht des Schweriner Tierschutzvereins 1873

Autor: Schweriner Tierschutz-Verein, Erscheinungsjahr: 1873
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Schwerin, Schwerin, Tierschutz-Verein, Tierschutz
„Die letzten Zeiten haben uns mit blutiger Schrift gelehrt, dass die Menschen besser werden müssen; – wer aber die Tiere schützt, wird auch ein guter Mensch sein.“
Don Pedro II., Kaiser von Brasilien.

Obwohl das durch die welterschütternden Ereignisse der Jahre 1870/71 der Tierschutzsache entrückte Terrain erst nach und nach wieder gewonnen werden konnte, so hat doch die von uns und den Bruder-Vereinen vertretene Sache selbst keinen Schaden gelitten. Sie ist zunächst extensiv gefördert, indem die Prinzipien des Tierschutzes sich in den letzten Jahren mit Entschiedenheit über die ganze zivilisierte Welt mehr und mehr verbreitet haben. In Australien, Amerika und Afrika sind in letzterer Zeit Tierschutz-Vereine gegründet; der Beherrscher von Brasilien ist ein Freund der Bestrebungen der Tierschutz-Vereine geworden, und hat dadurch unzweifelhaft den Beweis geliefert, dass er die Förderung wahrer Bildung, Veredlung und Humanität in seinem weiten Reiche erstrebt. Der Zentral-Tierschutz-Verein in Paris und mit ihm mehrere Bruder-Vereine in Frankreich haben mit warmem Herzen und großer Energie im Gegensatz zu anderen französischen Vereinen ohne Rachsucht gegen den siegreichen Feind ihre segensvolle Tätigkeit mit den deutschen Brudervereinen wieder aufgenommen.

Haben die äußeren Grenzen der Tierschutz-Vereine bedeutend an Ausdehnung in letzterer Zeit gewonnen, so hat andererseits der innere Ausbau derselben ebenfalls erfreuliche Fortschritte gemacht: das Auftreten der Tierschutz-Vereine ist von Jahr zu Jahr praktischer geworden; die Vorurteile gegen dieselben sind immer mehr zurückgesunken. Immer mehr verschafft sich die Ansicht Geltung, dass die Vereine nur die Rechte der Tierwelt zur Geltung bringen wollen und somit auch den Nutzen der Tiere für die Menschen zu erhöhen sich bestreben, und dass die Vereine dies am meisten dadurch erstreben, dass durch die wachsende Kenntnis der Tierwelt und durch die fortschreitende Barmherzigkeit gegen dieselbe die Menschheit selbst veredelt werde.

Leider erschweren oft Ruchlosigkeit und böser Wille die Tätigkeit der Tierschutz-Vereine; auch wird die weitere gedeihliche Entwicklung derselben andererseits vielfach durch Unkenntnis über die Zwecke und Ziele der Tierschutz-Vereine und die irrtümliche Beurteilung derselben gehemmt. Wie oft wird nicht dem Tierschützer beim Vertreten der guten Sache des Tierschutzes oder, wenn er sich bemüht, die Freunde und Anhänger desselben zu mehren und zum Beitritt in einen Verein auffordert, die unstichhaltigen Worte zu gerufen: „Gründet erst Menschenschutz-Vereine und dann denkt an Tierschutz-Vereine!“ Nur einen Unvorbereiteten können diese gehaltlosen Worte verblüffen. Es besteht allerdings unseres Wissens noch kein Verein, der sich „Menschenschutz-Verein“ nennt, aber weiß denn nicht jeder, dass der Staat, wie gegen den äußeren Feind, so auch für das innere Wohl seiner Bürger der kräftigste Menschenschutz-Verein ist? Jene Phrase von Menschenschutz-Verein ist ein seichter Vorwand, hinter welchem sich die Teilnahmslosigkeit gegen die Tierwelt nur verbirgt.

Überdies besitzt jeder gesunde Mensch Vernunft, körperliche Kraft und die Sprache, und somit ist der Mensch von der Natur mit Gaben ausgerüstet, die ihn des Schutzes minder bedürftig machen als die gequälte Tierwelt; er ist dadurch befähigt, sich den erforderlichen Schutz selber zu gewähren, als auch seinem Nächsten zu seinem Recht zu verhelfen. Hundert Tausende von Soldaten, Tausende von Kanonen, eine große Anzahl Festungen, Panzerschiffe, Torpedos usw. schützen uns zu Lande und zu Wasser gegen den äußeren Feind, in gleicher Weise schützt auch der Staat das innere Wohl seiner Bürger. Im Besitz der oben bezeichneten Gaben kann jeder sich bei den einzelnen Gerichten sein Recht verschaffen, selbst wenn er vom höchsten Diener des Landesherrn oder von diesem selber in einem Rechte gekränkt wäre. Die Weltgeschichte liefert Beweise genug, dass in einem nach festen Gesetzen regierten Staate Recht vor Gewalt geht, wenn auch andererseits gerne eingeräumt werden soll, daß wegen unserer Unvollkommenheit das Recht öfter gebeugt wird. Ja, wenn Wahrheit und Recht unverbrüchlich in dem Menschen wohnten, dann bedürften wir ja auch nicht des Schutzes gegen Unrecht und könnten die Gesetze entbehren; und würden Tiere nicht misshandelt, so wäre es überflüssig, Tierschutz-Vereine zu gründen. Haben wir ferner in der Kirche, in der Familie, in Handel und Gewerbe usw. nicht verschiedene Richtungen des staatlichen Schutzvereins aufzuweisen? Desgleichen in der Schule, den gelehrten wie den Waisenschulen? In den Kinderbewahr-Anstalten und Kindergärten?

Lässt denn der Staat es dabei bewenden, nur für die Herstellung des verletzten Rechts seiner Untertanen zu sorgen, oder lässt derselbe es nicht vielmehr sich angelegen sein, auch die Abwehr alles Schädlichen nach Möglichkeit zu fördern? Ist nicht unser Eigentum durch Versicherungsgesellschaften gegen Feuer- und Wasser-Schäden, gegen Viehseuchen, Schiffbruch usw. gesichert? Dienen nicht die Lebens-, Renten-, Witwen-, Pensions-, Sterbe- und andere Kassen für die Versorgung der Familie? Gibt es nicht Vorschuss- und Konsum-Vereine, die zum Wohl der Menschheit beitragen? Gäbe es solche Vereine nicht, hätte der Staat auf diese Weise nicht für das Wohl seiner Untertanen gesorgt, dann allerdings hätten jene Herren, die für die armen gequälten Tiere kein Mitleid, kein Herz und Erbarmen haben, Recht, wenn sie sagten: „Gründet erst Menschenschutz-Vereine!“

Gibt es ferner nicht schützende und helfende Anstalten in großer Zahl, die bestimmt sind, die Schäden abzuwehren und zu heilen, welche das Leben und die Gesundheit des Menschen heimsuchen? Gibt es für diese Zwecke nicht Krankenhäuser, Asyle für alte, schwache Leute, Besserungsanstalten, Findelhäuser, Kinderbewahr-Anstalten, Waisenhäuser, Blinden- und Taubstummen-Institute, Vereinsschulen usw.? Verfolgen alle diese Anstalten nicht den Zweck des Menschenschutzes? Und dennoch rufen so viele: „Gründet erst einen Menschenschutz-Verein!“
Und haben wir, um schließlich noch Eins anzuführen, was die Spötter der Tierschutz-Vereine verstummen lassen muss, nicht oft und besonders in letzter Zeit in so erhebender Weise gesehen, wie tief und allgemein bei großartigen Unglücksfällen, wo für die Sicherstellung der Familie und des Eigentums trotz aller Veranstaltungen nicht genügend gesorgt werden kann, das Bewusstsein und wie heilig die Verpflichtung, helfen zu müssen, begründet ist?

Bilden dann nicht oft die Bewohner der Städte, ja ganzer Provinzen und Staaten einen Verein zum Wohl, zum Schutz der Menschen? Welche erhebenden Beispiele haben uns nicht die letzten großen Kriege vor Augen geführt? Sind uns in denselben nicht Gaben der Liebe von anderen Weltteilen zugeflossen? Haben sich endlich im letzten französischen Kriege, nachdem unsere tapferen Heere hinausgezogen waren, um unsern Erbfeind in einem eigenen Lande zu bekämpfen, nicht sofort zahllose Vereine für Krankenpflege, für Beschaffung von Bedürfnissen aller Art, für Linderung der Not der Hinterbliebenen usw. gebildet? Haben nicht Kinder und Greise, nicht Reiche und Arme, Vornehme und Geringe sich vereint, um den namenlosen Jammer, welchen der uns in frechster Weise aufgedrungene Krieg heraufbeschworen hatte, zu lindern und selbst den verwundeten Feinden die geheiligte Pflicht der Menschenliebe angedeihen zu lassen?

Fürwahr, wohin wir sehen, überall erblicken wir Menschenschutz-Vereine. Es ist deshalb die Mahnung und Aufforderung: „Gründet erst Menschenschutz-Vereine.“ ebenso töricht, wie überflüssig. Jene Leute, welche diese Redensart so oft im Munde führen, wollen oder scheinen nicht zu wissen, dass für das, was sie wollen, schon lange und viel gesorgt ist. Wer noch von der Gründung von Menschenschutz-Vereinen redet, will hinter dieser Floskel nur die eigene Teilnahmslosigkeit gegen die Leiden der Tierwelt verdecken und scheint oft nicht zu ahnen, welches Armutszeugnis er sich dadurch selbst ausstellt.

Gewiss, kein Freund der Tierschutz-Sache würde sich weigern, einem Menschenschutz-Verein beizutreten, wenn solcher nicht schon an allen Orten unseres großen Vaterlands bestände. Bis dahin werden aber die Tierschutzvereine und die Freunde und Förderer der Tierschutzsache der Überzeugung leben, dass es Pflicht der Vereine ist, die Rechte der Tierwelt immer mehr und mehr zur Geltung zu bringen, und dass die Vereine dies am Besten dadurch erstreben, dass durch die wachsende Kenntnis der Tierwelt und durch die fortschreitende Barmherzigkeit gegen dieselbe die Menschheit selbst veredelt werde. Die Tierschutz-Vereine werden fortfahren, gegen die s. g. noblen Passionen, als Taubenschießen etc. anzukämpfen; sie werden unausgesetzt auf den Erlass von betr. Gesetzen hinzuwirken sich bemühen, um dem Unwesen auf Schlachthöfen, bei Viehtransporten usw. zu steuern; sie werden fort und fort auf die Belehrung der Menschen über die Pflichten gegen die Tiere hinarbeiten; sie werden fortfahren, das Licht naturwissenschaftlicher Aufklärung und des besseren Verständnisses dahin gelangen zu lassen, wo es noch fehlt, insbesondere sittliche Bildung und Gerechtigkeit und gesetzliche Ordnung immer weiter zu befördern auf dem Felde, welches durch Unwissenheit, Rohheit und Habsucht noch immer nur zu sehr in Anspruch genommen wird; sie werden sich bemühen, die Herzen der Kinder zum Mitleid gegen die Tiere anzuregen und ihnen begreiflich zu machen, dass die Liebe zu den Menschen die Grausamkeit gegen die Tiere ausschließt; sie werden überall zum Schutz der Tiere, wo sich Veranlassung bietet, einschreiten und den Spott unverständiger Leute auf sich nehmen und die, welche sich durch gute Behandlung der ihnen anvertrauten Tiere auszeichnen, beloben und belohnen.

Fassen wir das Gesagte kurz zusammen, so ergibt sich als Aufgabe der Tierschutz-Vereine: selbstverständlich nicht Tiere in unnötiger Sentimentalität zu hätscheln, sondern ihnen zu ihrem oft genug grausam verkümmerten Rechte zu verhelfen, zu dem Recht zu leben und sich ihres Daseins zu freuen. Dies und nichts Anderes will der Tierschutz-Verein, daher ist eine Stellung keine unberechtigte. Aber auch usurpiert ist seine Stellung nicht, denn obrigkeitlich bestätigte Statuten, obrigkeitliche Tierschutzgesetze und neuerdings auch obrigkeitlich veröffentlichte Strafbestimmungen gegen Tierquäler ordnen und regeln sein Tun und geben einem Wirken den gesetzlichen Boden.

Bei Abfassung unseres Berichts für das abgelaufene Vereinsjahr können wir uns hinsichtlich der fortgesetzten Wirksamkeit unseres Vereins im Wesentlichen auf unsern Jahresbericht pro 1872 beziehen. Berichte über die Vereins- und Vorstands-Sitzungen, sowie Referate über Spezialitäten aus dem Kreise der Tierschutzsache sind auch im letzten Jahre in den hiesigen Zeitungen stets erschienen. Mit umso größerem Dank erkennt dies der Verein an, als er weiß, welch ein mächtiger Hebel die Presse für die Förderung der Vereinszwecke ist. Der Verein spricht hierfür den geschätzten Herren Redakteuren den schuldigen. Dank gerne aus, indem er sich der frohen Hoffnung hingibt, dass ein Streben mit Hilfe der Presse ein immer erfolgreicheres sein werde.

In dem verflossenen Jahre hat das belebende Interesse der Vereinsgenoffen und des größeren Publikums – es lässt sich dies nicht bloß von dem Schweriner Tierschutz-Verein, vielmehr von vielen anderen Tierschutz-Vereinen nachweisen – den Vorstand wieder kräftiger unterstützt, als dies in den beiden voraufgegangenen Jahren der Fall gewesen, in welchen unser Aller Herzen teils noch zu sehr erfüllt waren von der Teilnahme am Ergehen unserer braven siegreichen Streiter; von dem Interesse an den Friedensbedingungen und deren Befestigung; von der treuen Sorge für Heilung und Linderung der vielen noch fortdauernden Wunden und Schäden des blutigen Krieges und von hochgetragenen Hoffnungen in Betreff der segensreichen Wirkungen der enormen Kriegserfolge für die Wohlfahrt und Blüte unseres geeinigten großen deutschen Vaterlands.

In der Generalversammlung am 15. Oktober 1872 legten statutenmäßig die Mitglieder des Vorstands, die Herren Senator Loescher, Dr. jur. Jonas, Ackerbürger Baumann und Dr. phil. Woeniger ihr Amt nieder. Es erklärten sich jedoch auf Ansuchen der Generalversammlung die Herren Baumann und Dr. Woeniger bereit, Mitglieder des Vorstands zu bleiben und hat auch letzterer sein Amt als Sekretär fortgesetzt. Leider sah sich der Präsident unseres Vereins, der Herr Justiz-Kanzlei-Direktor a. D. v. Bülow, Krankheit halber veranlasst, seit dem Herbst v. J. einen längeren Aufenthalt in Italien zu nehmen. Seine Gesundheit ist auch heute noch nicht wieder in dem Grade befestigt, dass sie ihm die Teilnahme an den Geschäften unseres Vereins gestattet. An seine Stelle trat mit erfolgreicher Tätigkeit der Herr Gymnasial-Oberlehrer Dr. Latendorf. Der Vorstand hat sich sodann bemüht, seine Tätigkeit in allen bisherigen Richtungen fort zu entwickeln.

Der Anschluss unsers Vereins an den „Deutschen Tierschutz-Verein“ zu Berlin hat sich in jeder Beziehung als segensvoll erwiesen. Es ist unserm Verein durch denselben ein einmütigeres Wirken in Angelegenheiten der Tierschutzsache ermöglicht. Wie aus den vielen freundlichen Zuschriften hervorgeht, hat sich das Band der gegenseitigen Freundschaft und Achtung zwischen unserem und dem deutschen Tierschutz-Vereine zu Berlin immer mehr befestigt. – Die von diesem Verein uns bei der jedesmaligen Herausgabe einer neuen Nummer zugesandten 40 Exemplare der
deutschen Tierschutz-Zeitung „Ibis“ sind nach Empfang stets sogleich verteilt worden. Die Versendung derselben nach auswärts wird indessen mit diesem Winter aufhören müssen, da in Schwerin und der nächsten Umgegend jetzt zum vollständigen Absatz hinreichend Gelegenheit geboten ist.

Im letzt verflossenen Winter wurden die neuesten dem Verein zugehenden Literarien in Zirkel gesetzt, in diesem Winter geschieht ein Gleiches.
In der Generalversammlung vom 11. Dezbr. 1873 wurden folgende 3 Dienstboten, welche sich durch eine liebevolle Pflege der ihnen anvertrauten Tiere ausgezeichnet hatten, prämiert, nämlich:

1) Friedrich Kinksicher, seit 30 Jahren Kuhfütterer auf dem Forsthofe auf dem Schelfwerder;
2) Christian Bartels, seit 8 Jahren Kuhfütterer und Pferdeknecht bei Madame Haupt zu Lankow;
3) Dorothe Stüwe, seit einer Reihe von Jahren Viehmädchen auf dem Forsthofe zu Zachun.

Mehreren jungen Mädchen in hiesiger Stadt, welche sich die Fütterung der Vögel zu harter Winterszeit angelegen hatten sein lassen, sowie eine sehr humane Gesinnung gegen die Tiere stets bewiesen, sind vom Verein als Belohnung hübsche Bücher, welche geeignet sind, das Interesse für die Tiere zu heben, übersandt.

Hat auch in dem verflossenen Jahre das Publikum ein größeres Interesse für die Bestrebungen des Tierschutz-Vereins wieder bekundet, hat sich auch im Allgemeinen die Grausamkeit und Sorglosigkeit in der Behandlung der Tiere gemildert und sind vernünftige Einsicht und Wärme des Herzens mehr und mehr an die Stelle des Stumpfsinns getreten, so sind doch leider in diesem Jahre auch arge Ausschreitungen gegen die Tiere nicht unterblieben, welche das Einschreiten der betr. Behörden zur Folge hatten. In dem benachbarten Dorfe Krebsförden wurde ein Hund von 3 Knechten auf das Grausamste verstümmelt. Das Großherzogliche Amt Schwerin leitete die betr. Untersuchung ein, brachte die 3 Täter zum Geständnis und belegte sie mit Gefängnisstrafe von 3 Wochen, resp. 8 und 3 Tagen. Von der Gründung eines Taubenschießklubs zu Doberan hat der Verein mit großem Bedauern Kenntnis genommen und nichts unterlassen, das Project desselben zu bekämpfen. Andere Anzeigen von Tierquälereien wurden dem Vorstand des Tierschutz-Vereins zu wiederholten Malen gemacht, und ist es ihm gelungen, stets Abhilfe zu schaffen.

Das Polizeiamt, das Großherzogliche Amt Schwerin, die Diener der städtischen Behörden, wie die Gensdarmerie haben die Bemühungen des Tierschutz-Vereins mit anerkennenswertem Eifer unterstützt und sich den Dank desselben erworben, den wir an dieser Stelle mit warmem Herzen aussprechen. Der Zerstörung der Vogelnester und dem Einfangen der Singvögel ist der Verein mit Erfolg entgegengetreten und hat überdies zum Schutz der Singvögel eine Verfolgung resp. Ausrottung der Elstern veranlasst, indem er für jede ausgelieferte Elster eine Prämie von 4 Schill. zahlte. Im Ganzen wurden ca. 30 Elstern an das Bureau des Tierschutz-Vereins abgeliefert.

Der Vorstand wurde zu wiederholten Malen von Seiten des Publikums aufgefordert, an die betr. Behörde eine Petition wegen besserer Verpflegung der Schwäne auf dem Pfaffenteich zu richten. Da diese Angelegenheit indessen in der Presse zur Genüge besprochen worden ist, so hat der Vorstand sich berechtigt gehalten, von der Petition Abstand zu nehmen in der sicheren Erwartung, dass, wenn die Pflege der Schwäne auf dem Pfaffenteich zu wünschen übrig lasse, für Beseitigung der gerügten Übelstände jetzt gewiss Sorge getragen würde.

Mit den Hundefuhrwerken ist in letzterer Zeit noch öfter Missbrauch getrieben. Es ist indessen Hoffnung vorhanden, dass diesem Unwesen in nächster Zeit mit Erfolg entgegengetreten werden kann.

Eine Petition wegen Aufhebung des hier herrschenden Maulkorbzwangs wurde vom Vorstand im Herbste v. J. an den hiesigen Magistrat gerichtet, dieselbe blieb aber leider erfolglos.

Unsere gefiederten Freunde haben wir auch nicht vergessen, ihnen wurde im letzten Winter an verschiedenen Stellen ihr Futter auf Kosten des Vereins wieder gestreut.

Das Bureau des Tierschutz-Vereins und die Vereinsbibliothek befinden sich seit dem 13. Oktober d. J. in der Ferdinand-Schulzstraße Nr. 3 a.

Unser Jahresbericht wurde im Herbst v. J. an sämtliche uns bekannte Vereine versandt. Derselbe hat eine freundliche Aufnahme überall gefunden und das Band der gegenseitigen Freundschaft und Achtung zwischen den Bruder-Vereinen und dem unsrigen befestigt. Ferner wurde der Jahresbericht sämtlichen Vereinsmitgliedern, sämtlichen Hotelbesitzern in den umliegenden Städten und ca. 150 Exemplare Persönlichkeiten zugesandt, bei denen der Vorstand ein Interesse für die Bestrebungen unters Vereins voraussetzte. Andere passende Druckschriften zur Belehrung und Erweckung humaner Gesinnungen gegen die Tiere sind desgleichen nach Nah und Fern in sehr großer Anzahl versandt. Über den Nutzen und die gute Wirkung dieser Tätigkeit hat sich mehrfach die Presse in anerkennender Weise geäußert, wie sich anderweitig auch Zuschriften darüber lobend ausgesprochen haben.

Hinsichtlich der finanziellen Verhältnisse unsers Vereins ist zu berichten, dass die Rechnung am 30. Juni v. J. mit einem Kassenvorrat von 351 Thlr. 3 ßl. abschloss. Die Einnahme betrug von dato bis zum 30. Juni 1873 89 Thlr. 18 ßl., dagegen die Ausgabe 96 Thlr. 21 ßl. Mithin verblieb am 30. Juni ein Kassenvorrat von 344 Thlr. incl. des Perner-Kapitals. Von der Ausgabe kommt der größte Teil auf den Druck verschiedener Broschüren und des Jahresberichts. Für Büromiete wurden 16 Thlr. verausgabt, für Botenlohn 12 Thlr. usw.

Die Zahl der Mitglieder hat sich nicht wesentlich verändert, jedoch ist die Wahrnehmung eine erfreuliche, dass die Zahl der freiwillig ausgeschiedenen Personen kleiner ist, als im vorigen Jahre. Beim Abschluss des vorigen Verwaltungsjahres waren eingetragen 225 Beitrag zahlende Mitglieder. Im Laufe dieses Jahres sind dem Verein 4 neue Mitglieder beigetreten. Durch Todesfälle hat der Verein 7 Mitglieder verloren, 2 wegen Fortzug. Mithin zählt der Verein zur Zeit 220 Mitglieder. Die 7 verstorbenen Mitglieder, welche der Verein betrauert, sind: Stadtsyndikus Loescher, Geh. Kammerrat von Bernstorff, Oberst Oldenburg, Oberstabsarzt Wilken, Kaufmann Uelzen, Geldwechsler Jaffé und Justiz-Kanzlist a. D. Juhr.

In der General-Versammlung vom 11. Dezember hat der Verein folgende in Sachen des Tierschutzes verdienstvolle Persönlichkeiten zu Ehrenmitgliedern ernannt: Senior Pastor Bödeker-Hannover, Bürgermeister Ahlers-Neubrandenburg, Diakonus Dr. Evers-Rostock, Polizeihauptmann Dennstedt-Berlin, Dr. Kürten, Sekretär des deutschen Tierschutz-Vereins zu Berlin und Dr. med. Warburg-Hamburg.

Habe ich somit mich bemüht, den Vereinsmitgliedern einen kurzen Überblick über die Wirksamkeit unters Vereins im letzten Jahre zu geben, so hoffe ich, zugleich dargetan zu haben, dass Tierschutz-Vereine eine recht traurige Notwendigkeit sind; dass sie der lebende Protest gegen die Rohheit solcher Menschen sind, welche in der Behandlung der Tiere der ihnen von Gott verliehenen Vernunft Hohn sprechen; dass sie der Mund der Tierwelt sind, welche weder an das Herz ihrer Bedränger, noch an das zu ihrem Schutze geschaffene Gesetz appellieren kann. – Schließlich spreche ich noch den Wunsch aus, dass die Tierschutz-Angelegenheiten von der Tagesliteratur an allen Orten immer mehr beachtet werden möchten; es dürften sich dann die Tierschutz-Vereine zu dem Umschwunge, der sich in der öffentlichen Meinung immer mehr vollziehen würde, in der Tat Glück wünschen, und sich der frohen Hoffnung hingeben, dass ihr Streben ein immer erfolgreicheres sein werde.

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Schweriner Schloss

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Schwerin - Totalansicht

Schwerin - Totalansicht

Schwerin - Stadtansicht - Schloss - Hoftheater

Schwerin - Stadtansicht - Schloss - Hoftheater

Schwerin - Am Pfaffenteich

Schwerin - Am Pfaffenteich

Schweriner See im Winter, Sonnenuntergang

Schweriner See im Winter, Sonnenuntergang

Mecklenburger Gensdarmen

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