Jahn, Rudolph ehem. königl. westfäl. Prokurator u. Erb-, Gerichts- u. Lehnherr auf Klein Vielen, Langhagen und Hartwigshof im Großherzogtum Mecklenburg-Schwerin

Aus: Neuer Nekrolog der Deutschen, siebenter Jahrgang, 1829
Autor: Dr. Brüssow, Erscheinungsjahr: 1831
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Biografisches, Nachruf
Von ihm lässt sich in Wahrheit sagen, dass er sich bekannter gemacht hat durch das, was er hätte lassen sollen, als durch das, was er getan hat. Indessen lassen wir es dahin gestellt sein, dass der Verewigte durch seine Freisinnigkeit und seine besondere Liebe für die Publizität, so wie durch die zügellose Schreibart, welcher er sich in seinen schriftlichen Aufsätzen selbst gegen die höchsten Behörden bediente, seinem Ruf wohl am meisten geschadet haben mag und dies die Ursache mit gewesen sei, dass er allenthalben als ein unruhiger und zänkischer Kopf verschrieen ward, wenigstens ist so viel gewiss, dass solches einen sehr wesentlichen Einfluss auf den Gang seiner richterlichen Schicksale und prozessualischen Weiterungen gehabt hat.

Jahn ward von bemittelten Eltern in der Priegnitz geboren und nach vollendeten juristischen Studien, denen er auch zu Frankfurt a. d. O. obgelegen, zu Anfange der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts als Justizcommissär und Justitiarius auf mehreren adligen Gütern daselbst angestellt. Während er diese Stelle bekleidete, kam er mehrerer Pflichtwidrigkeiten wegen nicht weniger als 14mal bei dem Kammergerichte in Berlin in Untersuchung und ward teils freigesprochen, teils aber auch mit Geld- und Gefängnisstrafe belegt. Im Jahr 1807, als er sich abermals eine leichtfertige Handlung hatte zu Schulden kommen lassen, ward er aller seiner Bedienungen im Vaterland entsetzt und wegen der von dem Freiherrn v. Herlefeld gegen ihn denunzierten, in der Qualität als Justitiarius des adligen Guts Heesen begangenen Sportelexzesse zu einer fiskalischen Geldbuße von 232 Thlr. und dreimonatlichem Festungsarrest verurteilt. Nach überstandener Strafe begab er sich darauf nach Werben im damals so eben begründeten Königreich Westfalen, wo er sich ankaufte und sofort das Glück hatte, zuerst als Notarius und darauf als Prokurator bei dem Ziviltribunale zu Stendal angestellt zu werden. Aber selbst auch in diesem Verhältnisse geriet er im Jahr 1811 als preußischer Untertan und Besitzer eines Grundstücks in der Mark Brandenburg von neuem bei dem Berliner Kammergericht in Untersuchung, der er sich zwar anfänglich durch seinen Aufenthalt im Königreich Westfalen entzogen, die jedoch nach Wiedereroberung jener Provinzen wider ihn fortgesetzt ward und nun einen desto rascheren Gang nahm. Durch ein Erkenntnis vom 10. Febr. 1814 ward er demnach, wegen beleidigender Äußerungen gegen das Oberhaupt des Staats und gegen verschiedene Behörden, zu 2jähriger Festungsstrafe mit dem Verluste des Rechts, die preußische Nationalkokarde zu tragen, verurteilt, ihm jedoch letztere Strafe im Wege der Gnade durch eine allerhöchste Kabinettsorder erlassen.

In Folge dessen verließ er hierauf die preußischen Staaten, um sie nie wieder zu betreten und erkaufte sich im Jahr 1815 die im schwerinschen Amte Stavenhagen gelegenen Rittergüter Klein Vielen, Langhagen und Hartwigshof, welche beiden letzteren er verpachtete und auf ersterem seinen Wohnsitz nahm. Leider fand er aber auch hier nicht das gewünschte ruhige Asyl. Seine Prozesssucht und seine Widerspenstigkeit verwickelten ihn bald in kostspielige Injurienprozesse, deren Beendigung er zum Teil nicht mehr erlebte. Er starb im 71. Lebensjahre mit Hinterlassung einer Witwe, Dorothea, geb. Brunow, und einer einzigen Tochter.

Außer mehreren Druckschriften, welche er früher in seiner eignen Angelegenheit herausgegeben, Referent aber nicht weiter angeben kann, lieferte er noch nachstehende Aufsätze im schwerinschen freimütigen Abendblatt: Anwendung d. Gesetzes vom 21. Jan. 1821, d. Versorgung der Armen in Mecklenburg betreffend; 1326. Nr.366. — Eine Novelle; 392. — Eine aktenmäßige Erzählung ans Publikum; 1327, Nr. 440. — Fortsetzung der aktenmäßigen Geschichtserzählung nebst e. Bericht ans Publikum; Nr. 443.
Schwerin. Dr. Brüssow.

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Klein Vielen, Kapellen-Ruine der Familie Jahn

Klein Vielen, Kapellen-Ruine der Familie Jahn