Holst, Amalie, geborene von Justi (1758-1829) Selbstpromovierte Doktorin der Philosophie und Schriftstellerin zu Groß Timckenberg

Aus: Neuer Nekrolog der Deutschen, siebenter Jahrgang, 1829
Autor: Dr. Brüssow, Erscheinungsjahr: 1831
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Groß Timkendorf, Biografie
Sie war die Tochter des durch seine Schicksale bekannten unglücklichen, zuletzt als königl. preuß. Berghauptmann und Oberaufseher der Glas- und Stahlfabriken angestellten und am 21. Juli 1771 als Staatsgefangener zu Küstrin vor Endigung des gegen ihn anhängigen Untersuchungsprozesses verstorbenen Johann Heinrich Gottlieb v. Justi, aus seiner zweiten 1757 eingegangenen Ehe. Lange blieb sie als Verfasserin des Werks: „Bemerkungen über die Fehler der Erziehung" unbekannt, was sie aus Bescheidenheit wünschte, und erst Beckmann, dem sie auch die in seinen „Bemerkungen über gelehrte Gegenstände" enthaltenen Nachrichten über ihren Vater mitteilte, machte ihren Namen bekannt. Sie wollte früher das Leben ihres Vaters aus dessen in ihren Händen sich befindenden Briefschaften ausführlich beschreiben, doch zartes kindliches Gefühl, um ihre unglückliche Mutter nicht durch die Erinnerung der erlittenen Unglücksfälle noch mehr zu betrüben, hielt sie, so sehr sie auch dazu aufgemuntert wurde, von der Ausführung ihres Planes ab. Sie verheiratete sich in der Folge mit dem Dr. Holst und leitete nach dessen Tode mehrere Jahre ein Erziehungsinstitut zu Boitzenburg, dann in Hamburg und zuletzt in Parchim, wo ihre drei verheirateten Schwestern lebten. Seit den letzten 10 Jahren lebte sie zu Groß Timckenberg, auf der kleinen durch die Elbe und Sude gebildeten Halbinsel Teldau bei Boitzenburg, bei ihrem einzigen Sohn Eduard H., der seit 1818 an Henr. Conradine geb. Grelcke, Eigentümerin jenes Ritterguts, verheiratet ist. Von ihren beiden Töchtern, welche ihr bei ihrem Erziehungsgeschäfte treulich beigestanden, Emilie und Mariane, ist die erstere seit 1822 an den Bürgermeister und Advokaten Aug. Ehlers in Neubukow verheiratet. — Die Verewigte war eine von Seiten des Kopfes und Herzens gleich ausgezeichnete Frau und soll, wie man behauptet, den Doktortitel nicht von ihrem Ehemanne geführt, sondern ihn sich selbst zu Kiel erworben haben. — Sie schied ruhig und sanft in ihrem 71. Lebensjahre und ruht auf dem Kirchhof des Pfarrdorfes Blücher, hart am Ufer des Sudenstromes. —
Gedruckt hat man von ihr: Bemerk, über die Fehler unserer modernen Erziehung, v. e. prakt. Erzieherin. Herausgegeben, v. d. Verf. d. Siegfried v. Lindenberg. Leipzig 1791 (anonym). Üb. d. Bestim. d. Weibes zu höh. Geistesbildung. Berlin. 1807. — Aufsätze in A. Kindemanns Musarion (Altona 1799.), St. 4, 5: Beurteilung über Elisa, oder das Weib, wie es sein sollte. — Vergl. Beckmanns Vorrat kleiner Anmerkungen, 3. Samml., S. 548. Göttingen 1806, wo sie auch Nachrichten über ihren Vater mitteilt. — v. Schindels Schriftstellerinnen, Bd. 1, S.226 u. Bd.S, S.170.
Schwerin. Dr. Brüssow.

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Groß Timckenberg, Gutshaus

Groß Timckenberg, Gutshaus

Groß Timckenberg, Gutshaus 2

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