Herzog Bogislavs X. Rückkehr aus dem heiligen Lande.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Garz
Am Mittwoch nach Palmarum des Jahres 1498 kam der Herzog Bogislav von seiner Pilgerfahrt nach dem heiligen Lande in sein teures Land Pommern zurück. Er brachte die erste Nacht in der Stadt Garz zu und des folgenden Tages kam er zu Stettin an. In der Nacht vorher nun trug sich ein seltsames Wunder im Schloss zu Stettin zu, desgleichen man kaum gehört haben mag. Denn alle Pferde des Herzogs, so bis dahin frisch und gesund gewesen, sind in derselbigen Nacht samt und sonders auf der Streu gestorben, dass man keine Ursache hat erfahren können. Darüber gerieten die Herzogin und das ganze Hofgesinde in große Bekümmernis, und sie stellten sich vor, dass das Schlimmste ihrem Herrn möge begegnet sein.

Desto größer war aber die Freude, als der Herzog wohlbehalten zurückkam. Sein Gemahl und seine Kinder empfingen ihn mit solchem freudigen Herzen, dass es gar nicht kann beschrieben werden. Die Fürstin bestarb in seinen Armen und konnte in langer Weile nicht wieder zu sich kommen, dass sie gewusst hätte, wie ihr wäre; und die jungen Herrlein sind um ihn her gelaufen, und haben ihn, der Eine hier, der Andere da, bei den Kleidern gezogen und gesprungen und gerufen: Vater, Vater! und es ist eine unaussprechlich große Freude gewesen am ganzen Hofe und in der ganzen Stadt.

Aber des anderen Tages, als der Herzog erfuhr, wie seinen Pferden geschehen wäre, und als er sie alle noch auf der Streu tot liegen sah, da erschrak er hart, und konnte sich nicht genugsam verwundern, wie das zugegangen. Insbesondere grämte er sich um seinen Leibhengst, den er dem Kaiser zu schenken versprochen hatte. Dieses herrliche Tier war von Gestalt und Farbe fast wie ein wildes Pferd; der Kopf war rund und klein, es hatte kleine, spitze Ohren, und die Augen brannten ihm im Kopfe wie Feuer; dabei war der Hengst so überaus hoch, dass es dem Herzog, obwohl er ein großer Mann war, sauer ward, darauf zu kommen; wenn er aber darauf saß, so ragte er vor den Andern empor, wie eine Kirche in einer Stadt vor den anderen Häusern, und der Hengst schnaubte, prustete und stolzierte von der einen Seite zur andern, und machte Sprünge, dass es Jedermann wunderte. Wenn ihn der Herzog mit seinen Sporen stach, so war er wie ein Blitz auf seinem Gegenmann, und schlug und biss und trat, dass kein Reuter und Pferd, so stark sie auch wären, ihn bestehen konnte. Wegen solcher Eigenschaften hatte der Kaiser sich dieses Ross von dem Herzoge erbeten, und nun konnte der Herzog den Gesandten des Kaisers, die es abholen sollten, das schöne Tier nur tot im Stalle zeigen.

Was das Wunder bedeutet, das hat man niemals erfahren können.

Kantzow, Pomerania, II. S. 261. 262. 266. 267.
v. Klempzen, vom Pommerlande, S. 176. 177.

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Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller