Hahn, Karl Friedrich Graf von (1782-1857) mecklenb. Großgrundbesitzer und Theatermäzen. Biographie

Allgemeine Deutsche Biographie Bd 10 (1879)
Autor: Kürschner, Joseph (1853-1902) Deutscher Schriftsteller und Lexikograph, Erscheinungsjahr: 1879
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Hahn: Karl Friedrich Graf von H.-Neuhaus, wegen seiner Leidenschaft für das Theater „der Theatergraf“ genannt, geboren 1782 zu Remplin in Mecklenburg, † 25. Mai1857 zu Altona. Es gibt in der ganzen deutschen Theatergeschichte kaum eine originellere Figur. Trefflich beanlagt, von großer Herzensgüte, hervorragendem Rang und im Besitz eines fast fürstlichen Vermögens, widmete er sein Fühlen und Denken nur dem Theater und kein Opfer war ihm zu groß für seine Theaterleidenschaft. Dabei war sein Sinn keineswegs auf die künstlerischen Ziele der dramatischen Kunst gerichtet, sondern fand lediglich in dem Äußerlichen und besonders in den kunterbunten Verhältnissen von Wandertruppen seine Befriedigung. So hatte daß Publikum daß seltene Schauspiel, einen Landerbmarschall von Mecklenburg an der Spitze kleiner Truppen als Theaterdirektor in den unbedeutendsten Orten zu sehen, der sich aber trotz alledem stets die schönen Eigenschaften des echten Kavaliers und die Tugenden des Herzens bewahrte. Gut erzogen, früh schon Leibpage des Königs Gustav III. und bei dessen Ermordung durch Ankarström zugegen, lebte er 1799 mit seinem Bruder in Hamburg und bezog dann die Greifswalder Universität, um Cameralia zu studieren. Die wohl in Stockholm erwachte, in Hamburg reichlich genährte Theaterliebhaberei fand auch in Greifswald einige Befriedigung durch mehrere Gesellschaften, die daselbst spielten, kam aber erst zum vollen Ausdruck, als der Graf nach Remplin zurückkehrte und in den Besitz seines Vermögens gelangt mit einem Aufwand von 60,000 Thlrn. eine Liebhaberbühne errichtete. Fürstlich belohnt, gastierten hier große Künstler wie Iffland und Eßlair. Bald ging der Graf weiter, ließ erst auf seine Kosten eine kleine Gesellschaft Wismar, Güstrow, Neu-Brandenburg ec. bereisen und führte von 1806–7 die Direktion des Theaters in Schwerin, dessen Truppe auch in Güstrow, Wismar, Rostock, Doberan und schließlich in Altona spielte. Freigebig und Prunk liebend in der Ausstattung der von seiner Gesellschaft aufgeführten Stücke, verschwendete er sein Geld in einem Maße, daß ihn seine Familie unter Curatel stellte und ihm ein für alle Mal eine Jahresrente von 6000 Thalern auswerfen ließ. Ebenso wie seine Familie sah der Großherzog von Mecklenburg sein Treiben mit höchst ungnädigen Augen an. Etwas entfremdete sich v. Hahn dem Theater als er 1813 in russische Dienste trat, aber bald kehrte er zu seiner Liebhaberei zurück, übernahm daß Altonaer Theater, dem er eine glanzvolle Periode bereitete, die freilich nur eine kleine Spanne Zeit währte. Der Mangel an Geschäftssinn bereitete auch einer ähnlichen Unternehmung in Lübeck ein trauriges Ende, machte aber doch ebenso wie die Altonaer seinen Namen in der Theaterwelt zu einem bekannten, so daß ihm selbst von Kassel, Königsberg und anderen Orten Anträge zur Übernahme von Bühnen kamen. Er blieb jedoch den eigenen kleinen Unternehmungen treu, führte 1829 eine Gesellschaft nach Stralsund, Greifswald und Anklam, Anfang der 80er Jahre nach Lauchstädt, übernahm, nach kurzer Rast auf seinem Familiengute Neuhaus in Holstein, 1833 das Magdeburger Theater, brachte dann in Altenburg eine Truppe zusammen, die auch in Gera, Chemnitz, Erfurt, Rudolstadt, Meiningen spielte, und übernahm 1837 von neuem das Theater in Altenburg. Krankheit kreuzte diesmal seine Pläne, doch genesen sehen wir ihn wieder nach einander an der Spitze der Theater zu Lübeck und Kiel, des Aktientheaters zu St. Pauli in Hamburg, später in Hildesheim, Verden, wo er vor seinen Gläubigern fliehen mußte, endlich 1856 in Sommerhude bei Altona. Schwach und krank mußte er jetzt dem direkten Verkehr mit dem Theater entsagen, aber er entschädigte sich für diese Einbuße durch das Abschreiben von – Noten und Rollen, bis ihn endlich der Tod von dieser Beschäftigung abrief. Als Schauspieler trat v. Hahn in Rollen, wie Herr v. Langsalm im „Wirrwarr“, Thomas im „Geheimnis“, Samiel im „Freischütz“ ec., auf, doch teilte er sich am liebsten in die Obliegenheiten des Theatermeisters, Garderobiers und Friseurs. Seiner Liebe für daß Theater blieb er ununterbrochen treu und es ist charakteristisch, daß er in der Kammerherrnuniform, angetan mit allen Orden, noch als alter Mann barhäuptig, im strömenden Regen dem Sarg eines Schauspielers folgte. Gegen den König von Dänemark äußerte er einst, daß sein einziger Wunsch der sei, auf der Bühne zu sterben. Die bekannte Schriftstellerin Ida Hahn-Hahn ist die Tochter des Grafen Karl Friedrich Hahn-Neuhaus.

Vgl. Charakterzüge aus dem Leben des Grafen Karl Hahn-Neuhau. d Ausgezeichnet von Friedr. Ad. Meyer. 1858.

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