Glaus Störtebeck und Michel Gädeke.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Barth, Zingst, Darß, Piraten, Seeräuber,
Es sind schon über fünftehalb hundert Jahre vergangen, da hauste lange Zeit auf der Ostsee eine grausame Bande von Seeräubern, welche sich die Victualien- oder Vitalienbrüder nannten, weil sie nur von Raub und Beute lebten, oder auch Liekendeeler, weil man sagt, dass sie alle Beute zu gleichen Teilen unter sich verteilt hätten. Die Anführer dieser Bande waren Klaus Störtebeck und Michael Gädeke. Jener war aus der Stadt Barth in Pommern gebürtig. Der Letztere, der von den Leuten jetzt noch Gät-Michel genannt wird, soll von der Insel Rügen, oder wie Andere behaupten, aus dem Dorfe Michelsdorf auf dem Darß herstammen.

Diese Räuber trieben ihr Gewerbe auf der ganzen Ostsee; sie hatten eine Menge Niederlagen und geheime Schlupfwinkel, in die sie sich verkrochen, wenn sie einmal mit zu großer Macht verfolgt wurden. So bewohnten sie zu Zeiten die große Höhle unter dem Waschstein auf Rügen, die damals noch Niemand kannte; auch hatten sie ein festes Schloss auf dem Zingst, wo man am Prerower Strome noch jetzt die Trümmer einer Burg sieht, die von den Bewohnern das alte Schloss genannt werden. Dieses Schloss haben die Lübecker, die von den Räubern am meisten zu leiden hatten, im Anfange des fünfzehnten Jahrhunderts zerstört; sie sollen auf der Darßer Seite des Prerow-Stromes gelandet sein und im Lager gestanden haben. Die Stelle heißt noch jetzt der Lübecker-Ort. Die Schätze der Räuber sollen damals von den Lübeckern nicht gefunden sein. Sie sollen vielmehr noch unter den Trümmern des alten Schlosses verborgen liegen, und man kann noch häufig des Nachts, wenn Vollmond ist, fremde Schatzgräber sehen, die mit allerlei Mitteln nach ihnen suchen.

Den Räubern selbst konnte man lange Zeit nicht ankommen; sie entkamen allen Verfolgungen glücklich. Das sollen sie den Gebeinen eines heiligen Märtyrers verdankt haben, die sie einmal aus einem Kloster an der Spanischen Küste gestohlen hatten, und die sie immer mit sich führten. Endlich aber, nachdem sie über dreißig Jahre ihr Unwesen getrieben, gelang es den Hamburgern, die eine große Seemacht zusammengebracht hatten, die ganze Bande nach einem überaus blutigen Seetreffen einzufangen. Zuerst bekamen sie den Klaus Störtebeck mit 711 Gesellen, und darauf den Michel Gädeke mit noch 80. Die wurden allesamt zu Hamburg geköpft. Der Hamburgische Bürgermeister Simon von Uetrecht hatte ihnen das Todesurteil gesprochen, und sie in ihren Prunkkleidern zum Richtplatze führen lassen. Aus der Beute, die man bei dieser Gelegenheit machte, ließen die Hamburger eine goldene Krone und einen großen übergoldeten Becher verfertigen. Die Krone hat lange den St. Nicolai-Turm in Hamburg geziert; den Becher zeigt man allda noch.

Alles und Neues Rügen, S. 54. 55,
Der Darß und der Zingst, von A. v. Wehrs, S, 43—46.
Grümbke, Darstellung der Insel Rügen, I. S. 45—48.

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Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Piraten an Bord

Piraten an Bord

Sturmangriff auf die Piratenburg

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Schatzkiste am Ostseestrand

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Verfolgungsjagd

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