Geschichte von Mecklenburg von der ältesten bis auf die neueste Zeit.

Vorwort
Autor: Dehn, Wilhelm Heinrich Martin (1801-?) Mecklenburger Theologe und Pädagoge, Autor von Schulbüchern, Erscheinungsjahr: 1836
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg, Landesgeschichte, Schulbuch
Die in den Annalen Mecklenburgs ewig denkwürdige Jubelfeier des 24. April 1835 wurde mir die Veranlassung, zu der allgemeinen Huldigung, die als Zoll der Liebe und Dankbarkeit das gesamte Vaterland dem erhabenen Regenten darbrachte, der während fünf Dezennien so milde als gerecht, und gleich segensreich in den Tagen friedlicher Ruhe wie in der Zeit des kriegerischen Waffenlärms, über Mecklenburg gewaltet hatte, einen, meinen geringen Kräften entsprechenden Beitrag zu liefern. Hierzu glaubte ich keine passendere Wahl treffen zu können, als wenn ich, teils wegen des Interesses, den der Gegenstand gewährte, teils wegen des oft gefühlten Mangels eines ähnlichen Werkes, die vaterländische Geschichte meiner Bearbeitung unterzog und die wichtigsten, bis auf die neueste Zeit sich erstreckenden Begebenheiten aus derselben zusammenstellte, um als Schulbuch und Leitfaden beim Unterrichte zu dienen. Zugleich machte ich mir die Aufgabe, durch eine gedrängte, jede Weitschweifigkeit vermeidende Darstellung ein solches Buch zu verfassen, das auch dem Unbemittelten, der oft, wie mich die Erfahrung belehrte, schmerzlich jede Kunde der vaterländischen Geschichte entbehrte, zugänglich werden und eben dadurch eine größere Verbreitung gewinnen konnte. Wohl wurden die Großtaten der Römer und Griechen und ihr Leben und ihre gesellschaftliche Verfassung in den Schulen erzählt und erklärt, aber was das Vaterland selbst gelitten und geduldet, was die Väter in bösen oder guten Tagen, in bangen oder freudigen Stunden erstritten und vollbracht, das ward der Jugend nicht gelehrt und Rostock besaß vielleicht die einzige Schule im Lande, wo auch der Unterricht in der vaterländischen Geschichte den Lehrgegenständen angehörte.

Ein schneller, alle Erwartung übersteigender Absatz meines Werkes gab mir den vollgültigsten Beweis, dass ich in meiner Voraussicht mich nicht getäuscht und einem längst gefühlten Bedürfnisse nach Maßgabe meiner Kräfte abgeholfen hatte. Zugleich wurde mir von Sachverständigen eine, meine Hoffnung weit übertreffende Anerkennung zum Lohn, jedoch sprach sich dabei, wenn auch nicht tadelnd, doch der Wunsch aus, dass meine Darstellung eine etwas größere Ausführlichkeit, als die mir gesteckten Grenzen erlaubt hatten, besitzen möge. Durch diesen Ausspruch nun wurde ich, der ich ganz meiner Muße leben konnte, während vielleicht Andere, die sonst reicher begabt und befähigter sein mögen, von einem ähnlichen Unternehmen abgehalten wurden, sogleich bestimmt, die vaterländische Geschichte abermals zum Vorwurf meiner Studien zu machen, um von ihr ein durch größere Ausführlichkeit und durch Kraft und Lebendigkeit der Sprache mehr gehobenes Gemälde darzustellen. Indessen konnte meine Absicht auch jetzt nicht sein, ein eigentliches wissenschaftliches Werk zu liefern, wozu mir ohnedies die Befähigung abgehen mag, sondern ich stellte mir nur die Aufgabe, für solche Leser und Schulen, die nicht bloß wissenschaftliche Zwecke verfolgen, ein mehr ausgeführtes, alle Trockenheit so viel wie möglich vermeidendes, leicht überschauliches Bild der vaterländischen Geschichte in möglichst natürlichem Zusammenhang zu geben. So blieben denn vornämlich Richtigkeit, Klarheit und hinlängliche Ausführung die Punkte, worauf vor Allem ich mein Augenmerk richten zu müssen glaubte; besonders trachtete ich aber immer dahin, durch Ausscheidung alles Überflüssigen und Unwesentlichen den Preis des Buches weniger teuer und dasselbe auch jetzt noch allen Ständen zugänglich zu machen. Daher habe ich denn auch diejenigen Begebenheiten, welche der Deutschen Geschichte angehören und nur die vaterländische berühren, freilich nicht übergehen können; allein ich verweilte bei, ihrer Schilderung nicht länger, als durchaus notwendig war. Zugleich bediente ich mich der synchronistischen wie der chronologischen Darstellungsweise, je nachdem ich nämlich glaubte, den fortlaufenden Faden, der, bei der Jahrhunderte hindurch fortwährenden Zersplitterung unseres gemeinschaftlichen Vaterlandes in verschiedene Herrschaften, durch Anhäufung einzelner Bruchstücke leicht verloren gegangen wäre, festhalten zu müssen oder, ohne dadurch unklar zu werden, zur Schilderung gleichzeitiger Begebenheiten übergehen zu können.

Wohlwollende Beurteiler ersuche ich nun, zu berücksichtigen, dass, wenn die Lösung einer historischen Aufgabe schon an und für sich schwierig ist, mein Werk zugleich für die gegenwärtige Zeit und so lange bis ein Historiker von größerem Berufe ein besseres liefert, in seiner Art das einzige ist, denn wenn die älteren Werke von Frank, Klüver, Bouchholz und v. Behr nur Materialien enthalten und Aepinus seine vor Jahr und Tag herausgegebene Geschichte in die unpassende Briefform einkleidete, so ist die von Hahn beim Beginn des gegenwärtigen Jahrhunderts edierte, wenn gleich nicht ohne Fleiß gearbeitete, durch die Überfüllung mit unfruchtbaren Landtagsverhandlungen jedoch für den Schulgebrauch unpassende, Übersicht der mecklenburgischen Geschichte eben so wenig noch jetzt auf dem Wege des Buchhandels zu beziehen, als das gleichfalls vergriffene, leider unvollendet gebliebene pragmatische Handbuch Rudloffs; das vor siebenundzwanzig Jahren, zur Zeit der französischen Bedrückung aber von Plagemann herausgegebene Lehrbuch leidet an solcher Trockenheit und Weitschweifigkeit, dass es völlig ungenießbar wird, und das mit der allgemeinsten Anerkennung aufgenommene Werk v. Lützows wird auch nach seiner künftigen Vollendung sich nur bis auf das Jahr 1785 erstrecken und ist dabei für einen ganz andern Kreis von Lesern bestimmt.

Da die verschiedenen Geschichtsschreiber in Bezeichnung der Ordnungszahl gleichnamiger Regenten so sehr abweichen und dieselbe bald bei allen gleichbenannten männlichen Gliedern der Regentenfamilie fortlaufen lassen, ohne zu unterscheiden, ob sie zur Regierung gekommen sind oder nicht, bald nur die wirklichen gleichnamigen Regenten des ganzen Herrscherstammes oder auch der einzelnen Fürstenhäuser nach ihr benennen; so bemerke ich schließlich, dass ich nur die wirklichen Regenten der einzelnen, von einander unabhängigen Fürstenhäuser nach der Ordnungszahl bezeichnete, aber zur größeren Deutlichkeit und um Irrungen zu vermeiden, die in der Stammtafel des Staatskalenders fortlaufende Ordnungszahl in Klammem beifügte. Bei der Anführung der gleichnamigen Fürsten des Hauses Werle jedoch nahm ich auf die verschiedenen Nebenlinien, in welche dasselbe sich zerteilte, keine Rücksicht, sondern ließ die Unterscheidungszahlen fortgehen.
Wilhelm Dehm
Schwerin - Stadtansicht - Schloss - Hoftheater

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Schwerin - Am Pfaffenteich

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Schwerin - Totalansicht

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Schweriner Schloss

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