Gerold von Vollblut - Ein Genrebild

Mecklenburgisches Volksbuch für das Jahr 1846
Autor: Raabe, Wilhelm (?), Erscheinungsjahr: 1846
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Raabe, Adel, Landstände, Gutsherren, Leibeigenschaft, Mecklenburg, Mecklenburger, Bauern, Landwirtschaft, Pogge, Ritter
Ich war schon Willens, den kleinen Junker Gerold in den Windeln stecken zu lassen, in welchen wir ihn im vorigen Jahrgange dieses Buchs verließen: viele harte und niederschlagende Urteile über dies Machwerk verleideten mir dasselbe, ja ich habe sogar die Kränkung erfahren, dass ein höherer Offizier adligen Standes und Wesens, der gewohnt war, (er ist nämlich inzwischen in das Jenseits hinübergegangen) seinen Kammerdiener die von ihm gelesenen Bücher gleichfalls lesen zu lassen, meinen armen Gerold als ein giftiges Kraut zuvor mit seiner Zensurschere aus dem Büchlein herausgeschnitten, und dasselbe erst nach dieser Kastration ihm hingegeben hat. Indessen ist es besagtem höheren Offizier hierbei eben so ergangen, wie es der Bücherpolizei allenthalben ergeht: der Herr Kammerdiener wusste sich ein vollständiges Exemplar zu verschaffen und las nun den Gerold mit einer Andacht, die ich allen seinen Lesern hätte wünschen mögen. Der arme Mensch, bei dem der Sinn für historisches Recht nie vorherrschte, ist leider durch diese Lektüre ein ganz flacher Adelshasser geworden; freilich gibt es für die Kammerdiener bekanntlich keine großen Herren und namentlich haben diese Kerle über die Reinheit des adligen Bluts zuweilen höchst ketzerische Ansichten, aber als geborner adliger Leibeigener, konnte er sich doch bis zu jener Krisis eines gewissen Respekts vor adligen Personen nicht erwehren, — und jetzt (ich mag's eigentlich gar nicht sagen) hat sich der Kerl im Domanio einen Erbkrug gekauft und raisoniert wie ein Kutschpferd über den Adel und verführt nach Kräften die politisch unbefangenen adligen Hintersassen der Gegend.
    Fortsetzung
Mir kann aber dies betrübende Resultat nicht zur Last gelegt werden, denn ich habe mein Genrebild nicht erfunden, sondern aus dem Leben abgeschrieben und wenn es dem Adel wirklich bei Einigen geschadet hat, — nun so ist es ihm ja unbenommen, ein Gegenstück aufzustellen, in welchem nur edle Adlige eine Rolle spielen: er wird so sicher den etwaigen schlimmen Eindruck des Gerold vollkommen wieder ausmerzen. Denn es herrscht in Mecklenburg noch viel Devotion vor dem Adel. Die alten klingenden Namen der Hahne, Malzahne, Oertzen, Bülowen, Lützowen, Penzen und so vieler anderer noch blühenden Geschlechter, welche uns auf jedem Blatte unserer Geschichte begegnen; der von vielen derselben wohl konservierte Reichtum; die Entfaltung von Pracht und Glanz; die Wichtigkeit der bis dato noch von ihm behaupteten politischen Vorrechte; der Nimbus der von ihm bekleideten Hof- und Militärchargen *); seine edle Dreistigkeit unter den Formen ausgesuchtester Höflichkeit — dies Alles gibt dem Adel und nicht bloß bei dem Frauenzimmer und bei weibisch gearteten Männern regelmäßig einen leichten Sieg. Wird ihnen ein Herr Fischer vorgestellt, so besehen sie sich ihren Mann ganz kühl und unbefangen, und macht er bei so bewandten Umständen einen günstigen Eindruck auf sie, so muss wirklich in irgend einer Beziehung etwas an ihm sein. Anders, wenn ihnen ein Herr von Fischer vorgestellt wird: urplötzlich nimmt ihre Visage einen übelriechenden schmachtenden und hingebenden Zug an; sie bewundern das Vornehme seiner schnarrenden, dünnen Stimme, die da klingt wie ein brüchiger Topf oder wie der Ton gewordene Egoismus, und in seinem nackten Schädel sehen sie nur eine hohe Stirn und in seinen nichts sagenden Redensarten eine gnädige Herablassung. Es ist nur gut, dass unter unserem mecklenburgischen Adel, im Ganzen genommen, sich eben nicht viele körperlich schöne Menschen finden — das Frauenzimmer wäre sonst gar des Teufels auf die Kammerjunker und Lieutenants. Ich glaube, dass dieser Mangel körperlicher Schöne bei unserem Adel von der Inzucht kommt, nach welcher unsere adligen Geschlechter meist nur in sich Heiraten: jeder Schafzuchter weiß aber, dass die Inzucht zwar eine Seite seines Tiers, z. B. den Wollstapel zu einer erstaunlichen Vollkommenheit bringen kann, dass aber die ganze Konstitution des Stammes wesentlich durch dieselbe leidet. Der englische Adel, welcher keine Missheiraten kennt und bei welchem Vielfache Kreuzungen mit bürgerlichem Blute vorkommen, hat bekanntlich unter seinen Mitgliedern die schönsten Menschengestalten und könnte in dieser Beziehung dem unsrigen zum Vorbild dienen; leider aber werden nur bei uns die jungen adligen Damen, welche von bürgerlichen Müttern gefallen sind, nicht in die Landesklöster des Adels eingeschrieben.
Ich wollte also, wie schon gesagt, eigentlich meinen Junker in seinen Windeln belassen. Aber da dacht' ich denn wieder, dass dermalen, wo alle Welt sich den Adel recht genau von hinten und vorn besieht, um seine angebliche Notwendigkeit in der Gliederung des Staates zu entdecken und endlich mal aus ihm klug zu werden, vielleicht doch Einigen diese Fortsetzung willkommen sein möchte. Überdies hatte ich die gedachten harten Urteile nur von meinen adligen Bekannten gehört; ich gehe nämlich gern mit Adligen um,— um sie zu studieren — für meine dereinst zum Besten einer Kleinkinderschule erscheinende Naturgeschichte dieses Geburtsstandes. Freilich urteilten aber meine bürgerlichen Bekannten auch nur teilweise günstig über den Gerold, denn die geistige Aristokratie unter den Bürgerlichen sagte, es habe das Ding neben allen Fehlern einer Parteischrift auch noch alle sonstigen. Doch wir wollen uns nur kopfüber wieder in den Gerold hineinstürzen, denn ich würde seine Fortsetzung am Ende doch nicht anders motivieren können, als wenn ich eingestände, dass ich die Tinte nicht halten kann. —

*) Unter den Offneren finden wir freilich schon von je an einzelne bürgerliche Subjekte, namentlich in den Zeiten schwerer Kriege und auch Friedrich Franz I. gab zu einer solchen Zeit unter dem 23. April 1813 die Versicherung, dass allein Brauchbarkeit und nicht Stand und Geburt bei der Besetzung der Offizierstellen entscheiden sollte; jetzt aber finden wir wieder bürgerliche Offiziere hauptsächlich nur unter der Artillerie, welche Waffe bekanntlich die meiste wissenschaftliche Bildung voraussetzt. Die eigentlichen Hofchargen sind jedoch auch bei uns ausschließlich eine Domäne des Adels, da sie eben keine wissenschaftliche Bildung erfordern, sondern nur Eleganz der äußern Erscheinung; wohingegen aber die uneigentlichen Hofchargen, z. B. das sogenannte Kabinett gewöhnlich mit Bürgerlichen besetzt werden, weil hier der Firnis des ordinären Höflings nicht ausreicht.

Es ist ein regnerischer Sommernachmittag mit einem sogenannten Landregen, und die grüngelbe Flagge derer von Vollblut hängt wassersteif an ihrer Stange herab: die hohen Herrschaften sind demnach daheim. Unser gute Kammerherr, dessen Wohlbeleibtheit beträchtlich zugenommen hat und dessen Liebe zu einer copiösen Tafel gleichmäßig mit der Abnahme seines hausherrlichen Ansehens gewachsen ist, ist über dem mecklenburgischen Gestütbuch eingenickt und Frau Kammerherrin hat eben mit ihrer verächtlichsten Miene der armen Albertine von Flotow sogenanntem „Gedanken“ aus der Hand gelegt und blättert im Grimm über diese verunglückte mecklenburgische Bettina im mecklenburgischen Wappenbuch, dazwischen von Zeit zu Zeit hinaus starrend in die Ebene. Die Kammerherrin sieht übrigens ganz wohl konserviert aus, ja stellenweise zu wohl, denn hie und da bricht auf der hohen Nase ) ein verräterisches Kupfer zu Tage. Ach es ist auf dem Lande so einsam, ein Tag geht wie der andere spurlos seines Weges, keine Anregung und keine frischen Eindrücke heben die Dame aus den Lütten-Klein'schen Umgebungen in das Reich der Phantasie, und wenn neuerdings nicht die Adelsausstellungen auf dem Berliner Corso erfunden wären, zu denen unsere Gnädige mit mehreren Gleichgesinnten dann und wann wallfahrtet, so hätte ja schier alles geistige Leben in derselben ersterben müssen. Was Wunder, wenn sie, so viel es sich ohne Gefahr für ihre Haltung tun lässt, zu jenen starken Geistern ihre Zuflucht nimmt, welche mit ihrem Riesenarm den armen Sterblichen über die enge Wirklichkeit hinaus zu heben vermögen**).

*) Mein Vetter Karl, ein derber Pächter, sagte neulich von einem Hochnasigen: Der Kerl trägt die Nase so hoch, dass ihm am Ende noch die Vögel hinein hofieren werden. (Ein Beitrag zu der Sammlung mecklenburgischer Sprichwörter.)

**) Ein kritischer Freund, der es sich nicht ausreden lassen wollte, dass der Gerold eine reine Erfindung meines müßigen Kopfes sei, bemerkte mir hierbei und das von diesem seinem Standpunkt aus mit vollem Recht: ich dürfe die Kammerherrin nicht trunkfällig machen, da diese Schwäche bei unseren adligen Damen etwas Unerhörtes und ihm nur eine, jetzt auch bereits hochselige Dame bekannt geworden sei, die sich zuweilen in geistigen Getränken übernommen habe. Doch meine Geschichte ist eine wahrhaftige, und ich kann nicht dafür, dass meine Kammerherrin zuweilen in einem ganz kleinen und selbst für den Kenner unmerklichen Spitz lebt. Ich bitte meine Leser bei dieser Gelegenheit, überall die Eigenschaften meiner Personen nicht zu den Eigenschaften ganzer Stände zu generalisieren: sie mögten auch keine zweite Roswitha unter unsern adligen Damen finden.


Solch' ein Moment war's, als der Bediente, dessen Livree den vollständigsten Rococcostyl darstellte, den Herrn Domainenrat von Pechvogel meldete.: Nachdem die Kammerherrin zuvor den Kammerherrn aus seinem Schläfchen hatte aufstören lassen, erhielt denn der diensttuende Lakai Befehl, den Domainenrat vorzulassen. Der alte Mensch sah sehr mitgenommen aus. Seit seiner Verpflanzung auf die öden Bergkuppen des Adelstandes hatte er unsäglich gelitten. Zuerst hatte er sich auf das hohe Pferd der Frechheit zu setzen gesucht und mit seiner Überläuferei förmlich geprahlt. Er hatte sich seine eigene Theorie in dieser Hinsicht gebildet. Aus den Gutsbesitzern wäre nach und nach der niedere Adel als eigner Geburtsstand entstanden, und es hätte früher keinen Rittergutsbesitzer ohne Adel, so wie keinen Adel oder wenigstens keine adlige Familie ohne Rittergut gegeben: die Begriffe Adliger und Rittergutsbesitzer wären zusammengefallen. Dieser Zustand wäre wieder herzustellen, indem man den bürgerlichen Gutsbesitzern den Eintritt in den Adel erleichtere, da bei ihnen die historische Voraussetzung für den Adel, der Besitz eines Rittergutes, von welchem sie rittermäßig leben könnten, vorhanden sei. Die bürgerlichen Gutsbesitzer, sollten sich nur einstweilen und bis zu ihrer wirklichen Nobilitierung nicht schreiben: Hinz auf Büffelhagen oder Hinz-Büffelhagen, sondern Hinz von Büffelhagen und in dem Falle, wenn Hinz Büffelhagen selbst bewohne, nicht sagen auf und zu, sondern von und zu Büffelhagen; das täten ja auch Bürgerliche, die nicht zu den Gutsbesitzern gehörten, — diese freilich nur in dem Falle, wenn sie einen sehr gang und gäben Namen führten, z. B. Schmidt von Lübeck und Hoffmann von Fallersleben. Der Lütten-Kleiner Pastor, sein alter Gegenfüßler in Adelsangelegenheiten, entgegnete dann wohl, der Adel sei ja seiner eigenen Angabe nach etwas Naturwüchsiges, ein Urprodukt und darum sei aller gemachte Adel ein Widerspruch in sich selbst. Darum könne man also auch keinen Adel fabrizieren, denn derselbe entstehe allenthalben unter günstigen Umständen, nämlich bei dauernder Gesunkenheit des Volkslebens, von selbst. So habe das deutsche Recht des Mittelalters keinen niederen, landsässigen Adel gekannt und erst gegen Ende desselben, als unser Deutschtum geknickt und gestört war, habe sich diese lästige kleine Aristokratie als Geburtsstand aufgetan. Aber dieser niedere Adel habe von je an den Keim des Todes in sich getragen, denn er wurzele nicht in der Liebe und Achtung des Volks und der Fürsten, sondern lediglich in dem Erbfehler hartnäckigen Festhaltens an den angemaßten Vorrechten. So habe er sich denn von je an mit Unterdrückungslust der allmählich steigenden Bildung und Wohlhabenheit der gemeinen Freien entgegengestemmt und sich der ordnenden nivellierenden Fürstengewalt nicht unterwerfen wollen. Aber die Zeiten hätten sich geändert und fast allenthalben in Deutschland, nur in Mecklenburg freilich noch nicht, wäre das Volk und die Fürstengewalt dem Adel bereits über den Kopf gewachsen und die unbefangenen, die jetzige Geschichte der Staaten und Völker verstehenden Adligen könnten und dürften in dem Adel nur noch die anerkannte Abstammung von einem alten und berühmten Geschlecht sehen, wobei freilich der Papieradel schlecht wegkäme. Am besten, meinte der Pastor, wäre es daher, den Adel aussterben zu lassen, also einmal keine weiteren Adelsverleihungen weder zu Gunsten simpler Rittergutsbesitzer, noch zu Gunsten wirklich verdienter Männer vorzunehmen, und zweitens die von jetzt an von adligen Eltern Gebornen nicht mehr als Adlige gelten zu lassen, so dass also, wenn auch nicht wir, doch wenigstens unsere Enkel das Vergnügen genössen, dem letzten Mohikaner, will sagen: dem letzten Adligen ihre Huldigung darzubringen. Mecklenburg hätte durch die Verordnung vom 18. Januar 1820 die Leibeigenschaft aufgehoben, obgleich dieser Geburtsstand auch von Vielen in zärtlichen Schutz genommen worden sei, — man müsse nun auch hinsichtlich unsers zweiten Geburtsstandes, des Adels, dem Zuge der Geschichte nachgeben, und er als Geistlicher wolle immerdar seine Stimme zu diesem Zweck erheben, denn der wahrhaft christliche Staat dürft eben so wenig Leibeigene als Adlige dulden.

Von Pechvogel warf dann ein: Mit ihm, dem Pastor, sei eigentlich gar nicht zu streiten; aber die Aufhebung des Adels ginge ja schon wegen unserer Verfassung nicht, nach welcher die Landratsstellen mit Mitgliedern des eingebornen Adels zu besetzen seien.

Dann wurde das alte Gotteswort vom Lande feierlich und begann: Domainenrat, ich will Euch im Vertrauen gestehen: ich liebe unsere Verfassung nicht. Ich wollte sie lieben, ich habe mit allen Kräften darnach gerungen, aber — es ging nicht. Hätte Friedrich Franz I. als Mitglied des Rheinbundes unsere Verfassung aufgehoben, so hätten wir jetzt wahrscheinlich keine Patrimonialgerichte, keine adligen Patronate, keine Grundherrlichkeit mehr, und ihr Herren Rittergutsbesitzer wäret nichts als Gutsbesitzer und Mitglieder der Landgemeinen; wir hätten dann gute Landschulen und zwar, überall und nicht wie jetzt bloß in den Domainen; unsere Juden wären dann emanzipiert; wir hätten keine Fideicommisse; wir hätten nicht die Verordnung, dass eure Güter schlechterdings zwei Hufen groß bleiben müssen; wir hätten eine Menge kleinen und mittleren Grundeigentums; wir hätten freie Stadtordnungen; wir wären im deutschen Zollverein; wir — doch mir geht der Atem aus, Domainenrat, und ich seh es Eurem sehr verlängerten Gesichte an, dass Ihr genug habt von all den Herrlichkeiten, die wir dann für eure Gutsherrlichkeit und für die regierenden Herren Bürgermeister hätten.

Domainenrat. Gott Lob, dass solche Revolution von oben herab jetzt nicht mehr denkbar ist.

Pastor. Habt recht, sie ist nicht denkbar; aber Gefahr wäre auch jetzt nicht bei der Sache. Lasst mal den Fürsten sagen: ich will die Verfassung durch einen Federstrich, durch die Unterschrift dieser Annullierungsakte aufheben und euch eine andere zeitgemäßere geben, oder lasst ihn auch gar keine neue versprechen — was glaubt Ihr, was geschehen wird? Die Bürger werden sagen: nun ist's mit dem Bürgermeisterregiment aus, und die Bauern werden sagen: nun ist's mit dem Edelmann aus, und es wird ein Gaudium im ganzen Lande sein und die unbegrenzte Liebe und das unbegrenzte Vertrauen des Volkes zu seinem Fürsten wird dann erst recht erwachen, denn ihr Herren Landstände steht dann nicht mehr trennend zwischen beiden. Der Bürger in den Städten weiß, dass der Bürgermeister nicht die Freiheit der Bürger, sondern nur das Regiment über seine Bürger liebt; der Bewohner des platten Landes weiß, dass der Rittergutsbesitzer nicht ihn, sondern nur die eigene Gutsherrlichkeit liebt, — wo soll da Sympathie für die Landstände herkommen? Sprecht, Domainenrat! Ich sehe es Euren verzweifelnden Mienen an, dass Ihr diese Folgen nicht leugnen könnt.

Domainenrat. Als Landstand und als Mitglied des eingebornen Adels darf ich solche Reden nicht anhören. Ich empfehle mich Ihnen gehorsamst.

So schieden die beiden Leutchen oft von einander. Und doch konnten sie nicht von einander lassen. Von Pechvogel, so sehr er sich auch zuweilen über den adelsfeindlichen Pastor ärgerte, wusste doch, dass der trotz alles politischen Polemisierens überaus gutmütige Pfarrer allein von allen seinen Bekannten ihm wirklich zugetan sei; auch stellte der Pastor selbst seine Feindschaft gegen den Adel gern als etwas Unwillkürliches, Notwendiges dar, da nach seiner Meinung alle Pfarrer adligen Patronats eine starke Aversion gegen den Adel hätten. Überdies musste der Pastor Jemand haben, gegen den er so recht von Herzen über den Adel herziehen konnte und von Pechvogel Jemand, gegen den er den Adel verteidigte und erhob. So waren sie denn oft zusammen und unsere dermalige publizistische Literatur, die sich hauptsächlich um Sein oder Nichtsein der Adelsvorrechte dreht, bot diesem Kampfe immer neue Nahrung. Was die Sendschreiber, was Schnelle und Lüders, Zachariä und Beseler, v. Glöden und Dresen, v. Kamptz und Laspeyres über diesen Gegenstand geschrieben haben, wurde immer und immer wieder ihrer Kritik unterworfen, und sie pflegten bei dieser Gelegenheit zu schreien wie die Zahnbrecher, so dass die Leute auf der Dorfgasse stehen blieben und sagten: Dei hebben gewiss all werre den Eddelmann vör. Der Krüger hatte ihnen nämlich gesagt, dass der Pastor gar keine Edelleute statuieren wolle, der Knüppeldammer Herr dagegen wolle, dass Alle adlig und hochwohlgeboren werden sollten; dass Beides auf Eins herauskomme, merkten sie aber zum großen Gaudium des Pfiffigen nicht.

Diese Dispute waren aber auch die einzigen Lichtpunkte im Leben unseres von Pechvogel. Er hatte es unglücklich getroffen mit seiner Nobilitierung. Zur Zeit derselben war freilich das Gerücht verbreitet gewesen, als wollten sich mehrere, man nannte deren ungefähr sechs der mecklenburg-schwerin'schen bürgerlichen Gutsbesitzer ebenfalls nobilitieren lassen und er hoffte in dieser Schar von Neugebackenen mit seinem Diplom, gedruckt in diesem Jahr, nicht so viel Ärgernis zu geben. Aber diese Leute fanden Hindernisse*) auf ihrem Wege zum Adel und er war also jetzt allein dem Hohn und Spott der Bürgerlichen bloßgestellt, ohne dafür, wie er gehofft hatte, ein wirkliches Mitglied der adligen Genossenschaft zu werden. Man duldete ihn freilich, ja durch den Einfluss des Landrats von Büffelskopf, der bei dieser Ge«

*) Der Kaiser von Österreich soll nämlich künftig nur eingeborne oder rezcipierte Österreicher in den Adelsstand erheben wollen und demnach unsere Adelskandidaten abschlägig beschieden haben; diese sind dadurch in die größte Verlegenheit gesetzt, da bis jetzt noch, wie man hört, unser sogenannte eingeborne Adel statt des früheren Reichsadels den kaiserlich-österreichischen von dem zu Rezipierenden fordert. Von wo die vier Gutsbesitzer im stargardischen Kreise, Gebrüder Michael, ihren Adel herbezogen haben, weiß ich nicht; Koch auf Trollenhagen hat den seinigen aus Berlin, von wo die Mecklenburg-Strelitzer überhaupt ihre Luxuswaren zu beziehen pflegen.

legenheit wieder 1.000 Pistolen von ihm entlieh, setzte er sogar seine Aufnahme in den sogenannten eingebornen Adel durch, aber bei seiner krankhaft gesteigerten Empfindlichkeit glaubte er dennoch auf jedem adligen Antlitz nur Verachtung zu lesen. In der ersten Zeit seines Adeltums war er regelmäßig zu den Güstrower Wettrennen, während der Saison nach Doberan, ja sogar zum Landtag gereist; aber da er jedes spöttische Lächeln, jedes Winken und jede Berührung des Streits der adligen und bürgerlichen Ritter auf sich gemünzt glaubte, so verlor er bald alle innere Haltung und wagte sich zuletzt fast nie mehr über die Feldmark von Knüppeldamm hinaus. Denn auch die größeren Reisen ins sogenannte deutsche Ausland konnte er nicht mehr aushalten, da es sich doch zuweilen traf, dass ihn sein Tischnachbar, wenn er hörte, er sei aus Mecklenburg, nach dem merkwürdigen kleinen Krieg unserer Ritter fragte, oder gar Einer, der ihn noch als Domainenrat Schuster gekannt hatte, als solchen anredete; im letzteren Falle musste er alle Kraft aufbieten, um herauszubringen: Er sei seitdem von Seiner Kaiserlichen Majestät von Österreich unter dem Namen von Pechvogel in den Adelsstand erhoben. So unterließ er denn auch diese Reisen und grübelte sich nun in seinen vier Pfählen immer tiefer in die Mysterien der Notwendigkeit des Adels hinein; aber er hatte oft lichte Augenblicke, wo sich sein bürgerliches Blut rächte, wo sein Gewissen erwachte und er sich so verächtlich vorkam wie Einer, der aus schlechten Gründen seine Religion gewechselt hat. Dann ging er zum Pastor und verteidigte gerade dann den Adel am scharfsinnigsten. Nur einmal hatte er mit seinem gegnerischen Freunde gebrochen. Der Pastor hatte nämlich seine jüngste Tochter als „eine inländische Jungfrau, so sich in eins der Jungfrauenklöster zu begeben Lust habe,“ und nach diesem Wortlaute der Überweisungsakte so gut wie das beste Edelfräulein im Lande dazu berechtigt sei, als Exspectantin auf eine Klosterstelle einschreiben lassen wollen und einen desfalsigen Antrag an die Provisoren des Klosters Dobbertin abgelassen, den diese Herren, wie zu erwarten war, als ein schlechtes Zeichen einer schlechten Zeit ruhig ad acta legten. Der Pastor wollte es nun, da man ihn nicht einmal einer Antwort würdigte, eben so machen wie jetzt der Rittergutsbesitzer Pogge auf Roggow und bei der zuständigen Justizkanzlei zu Güstrow eine desfallsige Klage einreichen, als unglücklicher Weise die kränkliche Tochter starb und mit ihr die Aussicht auf diesen allerliebsten Rechtsfall. Von Pechvogel, der diese Unterbrechung seiner Dispute mit dem Pastor schon sehr schmerzlich empfunden hatte, machte ihm drauf eine Kondolenzvisite und das alte Lied ging von vorn wieder an.

Der arme, wunde von Pechvogel hatte freilich auch außer dem Pastor noch das Vollblut'sche Haus, denn sein ältester Sohn, dem er Börgerende, eine zu einem Hauptgute erhobene Meierei von Knüppeldamm, abgetreten, hatte die älteste der drei noch lediglosen Vollblut'schen Töchter geheiratet, und sein zweiter, der unüberwindliche Secondlieutenant mit der jüngsten Anciennetät, der täglich bei der Barttoilette den Herrn der Heerscharen um ein wunderbar schnelles Avancement anging und nur auf Karriere fluchte, war mit der nächstfolgenden verlobt. Und doch war dem Domainenrat nie recht behaglich im Vollblut'schen Hause; der Kammerherr war ihm denn doch zu unbedeutend und die Kammerherrin behielt immer eine beleidigende Protektionsmiene gegen ihn bei und brach, wie um ihn zu schonen, in seiner Gegenwart jedes Gespräch über den Adel sofort ab. Man verkehrte daher wenig mit einander und sah sich fast nur bei den großen Familienzweckessen an den hohen Festtagen, oder wenn ein Gewerbe den einen zum andern führte. Die Kammerherrin erwartete daher sehr neugierig das Eintreten des von Pechvogel und auch der Kammerherr äußerte seine Verwunderung darüber, dass der Herr Bruder sie bei diesem Hundewetter mit seinem Besuch beehre.

Nachdem man nun über das gegenseitige Befinden die nötigen Erkundigungen eingezogen und das Wetter scharf getadelt hatte, platzte denn auch von Pechvogel alsbald mit seinem Gewerbe heraus. Er war der Überbringer einer großen Neuigkeit: der Doktor Bauer auf Mannhagen sollte sich so eben mit Roswitha, der Schwester unseres Kammerherrn verlobt haben. Man kann sich denken, wie diese Nachricht auf unsere Gnädige wirken musste; sie sank mit vielem Anstande in den Fauteuil zurück und erst nachdem der Kammerherr ihr eine starke Dosis von den eigentümlichen Tropfen, die ihr ihr Leibarzt, der Medizinalrat Dr. Blatter, immer selbst mitbrachte, eingeflößt, konnte sie ihrer gerechten Entrüstung Worte geben. Sie begriff nur eine Heirat zur Ehre des Hauses und wer bei der Wahl des Gatten andere Rücksichten nahm, der war nach ihr unwürdig der Ehre von Familie zu sein. Die Kinder des Volkes möchten immerhin aus Neigung heiraten, aber die Kinder des Adels dürften sich nicht so an ihre Triebe wegwerfen, denn der Adel könne in jetziger Zeit sich nur noch auf seiner isolierten Höhe erhalten, wenn seine Glieder ihre ganze Subjektivität und alle die sogenannten rein menschlichen Empfindungen unterdrückten und ganz in dem Adel aufgingen. Darum heirate der wahre Adlige, so sehr er auch immer hübschen bürgerlichen Frauenzimmern gewogen sein möge, doch nie anders als nach Familienrücksichten, wie denn überhaupt der Glanz und die Macht seines Geschlechts bei Allem, was er beginne, die Hauptrücksicht abgäbe, wodurch denn ja aber keineswegs eine sehr reiche bürgerliche Partie für den armen Adligen verdammt werde. Die adlige Dame dürfe aber nimmer einen Bürgerlichen heiraten und solche Heirat aus Liebe, erklärte sie endlich auf dem Gipfelpunkte ihres Eifers, sei rein plebejisch, ja tierisch, denn wer sich seiner Liebe ganz hingebe, habe ja eben damit alle Rücksicht auf seine Stellung in der Gesellschaft vergessen. Es wäre allerdings unter Umständen so leicht nicht, ohne Liebe zu heiraten, fügte sie mit einem Seitenblick auf den Gemahl hinzu, aber es sei auch überhaupt sehr schwer, einen vollkommenen Adligen in sich darzustellen. Wie die Jesuiten nur dadurch im geraden Widerspruch mit dem Zeitgeist, und allen Anfeindungen zum Trotz ihre Macht behaupteten, dass sie bei allem ihren Tun nie ihr Ziel aus den Augen verlören und ihren Oberen einen unbedingten Gehorsam leisteten, so müsse auch der Adlige sich immer von seinem Adelsbewusstsein, was ihm das sei, was dem Volke das Gewissen, leiten lassen und seinem Stande auch die liebsten Neigungen zum Opfer bringen können. Wer diese Kraft der Selbstentäußerung nicht besitze und bei wem das sogenannte Gemüt mitspreche, der möge der beste Mensch sein, aber werde immer nur einen schlechten Adligen abgeben.

Von Pechvogel hörte der Rednerin mit um so ehrerbietigerer Andacht zu, als sie sonst ihren Feuereifer für den Adel nie vor ihm aufflammen ließ; ja er gewann den Mut, die Frau Schwester unter obligatem Handkuss zu versichern, dass sie ihn durch ihre herrlichen Worte recht gehoben und gestärkt habe. Die Frau Schwester benutzte diese gehobene Stimmung dahin, dass sie sich von dem Herrn Bruder bei adligem Wort und Ehren versprechen ließ, dass er die Landtage wieder besuche; auch der Kammerherr solle wieder regelmäßig auf denselben erscheinen, denn in den Zeiten der Gefahr wäre, wie sie sich boshaft genug ausdrückte, auch die schwächste Hilfe willkommen; gefährlich seien aber die Zeiten, denn wenn auch die Liebe zur landständischen Wirksamkeit bei den Bürgerlichen allerdings nur ein Strohfeuer sei, so könnten sie doch möglicher Weise während dieses Strohfeuers einmal die Stimmen beherrschen; hätten sie aber erst einmal dadurch einen ihres Mittels als Deputaten in den Engern Ausschuss gebracht, hätte so die Canaille (entschuldigen Sie, meine Herren, diesen ungehörigen Ausdruck, fügte sie denn doch hierbei hinzu) einmal Blut geleckt, so sei der Adel verloren und das Malheur einer repräsentativen Verfassung die notwendige letzte Folge; die sogenannten bürgerlichen Ritter sähen in ihrer Borniertheit diese Folge ihres Beginnens nur nicht, sonst würden sie nicht dahin arbeiten, mit ihrem Feinde, dem Adel, zugleich sich selbst als Mitglieder der persönlich landtagsfähigen Ritterschaft unter den Mauern unseres Verfassungsbaues zu begraben. Schon sei das Unerhörte geschehen und der Adel habe die Landtagsbälle aufgeben müssen, weil dieselben zu gemischt geworden, ja weil es sogar vorgekommen sei, dass einige dieser sogenannten bürgerlichen Ritter, als wären sie auf dem Königsschussball ihres Nachbarstädtchens, Damen, denen sie gar nicht vorgestellt worden, um die Ehre eines Tanzes gebeten hätten. Sie hätten nur die Landtagsbälle in ihrer früheren Reinheit kennen sollen, Herr Bruder, fügte die Kammerherrin in süßen Erinnerungen schwelgend hinzu. Neben dem Allerhöchsten Hofe waren sie die glänzendsten Versammlungen, die das Land aufweisen konnte und manche interessante Liaison wurde auf diesen Bällen geschlossen und zu vielen Vermählungen hier die erste Annäherung gegeben. Auf den Landtagen feierte der Adel den Triumph seiner politischen Herrschaft, auf den Landtagsbällen den seiner sozialen. So war es in den guten alten Zeiten. Ach, mein Geschlecht verbietet mir nur tätig an der Zurückführung derselben zu arbeiten, und ich muss es in gezwungener Muße mit ansehen, wie sich der Adel aus einer Position nach der andern verdrängen lässt. Doch ich werde tun, was in meinen Kräften steht. Der Kammerherr soll auf dem nächsten Landtage an den Klostertagen eine Denkschrift übergeben, in welcher ich vorschlagen werde, die Überschüsse aus den Klostergütern nicht zur Stiftung neuer Klosterstellen zu verwenden, sondern aus diesen Überschüssen einen Fond zu bilden, aus welchem eingeborne Adlige, die sich anzukaufen wünschen, mit einem unverzinslichen Darlehn zu unterstützen sind. Nimmt man dazu denn noch die Klostergüter in eine bessere und sparsamere Verwaltung und leiht sogleich für jenen Fond auf die Klostergüter eine halbe Million an, so lässt sich in dieser Hinsicht schon immer etwas ausrichten. So nur kann dem Verfall des Adels entgegengearbeitet werden, denn derselbe ist einzig und allein der wachsenden Zahl der bürgerlichen Gutsbesitzer zuzuschreiben. Aber man müsse die eingeborne Ritterschaft nicht bloß zahlreicher zu machen, sondern überhaupt gänzlich zu vermeiden suchen, dass die Rittergüter an Bürgerliche kämen. Dies wäre nur möglich durch Stiftung von Fideicommissen. Diese befördere man aber am besten durch ein Statut, nach welchem jeder adlige Gutsbesitzer, der ein Fideicommis innehabe, auch sofort und von selbst als zur eingebornen Ritterschaft gehörig angesehen werde und dagegen alle anderen Rezeptionen und Agnitionen aufhörten. So werde der eingeborne Adel bald alle reichen bürgerlichen und alle nicht eingebornen adligen Gutsbesitzer zu seinem eignen Frommen in sich aufgenommen haben. Denn dem bürgerlichen Gutsbesitzer, der ein Fideicommis stifte oder inne habe, werde kein Potentat den Adelsbrief verweigern, und er werde ja dann unentgeltlich und ohne Weiteres Mitglied der eingebornen Ritterschaft*), der adlige Gutsbesitzer aber, der in dieselbe hinein wolle, müsse schon ein Fideicommis stiften, weil eben dies dann der einzige Weg zu ihr sei. Die reichen bürgerlichen Gutsbesitzer ließen sich jetzt nicht leicht nobilitieren, weil sie vor ihrer doch immer nicht so bald **) erfolgenden Reception nicht Fisch noch Fleisch wären, und eben so stifteten die nicht eingebornen adligen Gutsbesitzer keine Fideicommisse, weil sie auch dadurch noch nicht wirkliche Vollbürger würden. Dies Alles werde sich wie mit einem Schlage durch jenes Statut ändern. Sie habe allerdings keine besondere Sympathie für die eingewanderten Adligen und noch weniger für die neugebackenen (ach, ich bitte inständigst um Verzeihung, Herr Bruder, fügte sie hinzu), aber wenn beide Fideicommisinhaber seien, so achte sie dieselben den besten Eingebornen gleich. Der Eingeborne ohne Fideicommis habe freilich seine glorreichen Ahnen, aber ihm fehle die Gewissheit, dass seine Nachkommen nicht verarmten und in den Bürgerstand hinabsänken; der neu Nobilitierte mit einem Fideicommis dagegen, habe zwar keine Ahnen, aber er habe dafür die Gewissheit der ewigen Fortdauer seines Geschlechts als eines aristokratischen, und es frage sich noch, was von beiden am meisten wert sei.

*) Frau Kammerherrin, Frau Kammerherrin! Die bürgerlichen Ritter werden protestieren gegen solchen Ausdruck. Diese Leute wollen nämlich nur von einem eingebornen Adel wissen und legen regelmäßig zum Landtagsprotokoll einen Protest ein, sobald Jemand von eingeborner Ritterschaft spricht; auf der anderen Seite protestiert der eingeborne Adel regelmäßig, sobald ein bürgerlicher Ritter des sogenannten eingebornen Adels erwähnt.

**) Mit sonst leicht gefährlich werdenden Intriganten macht man wohl zuweilen eine Ausnahme.

Die Kammerherrin schwieg erschöpft und nahm in ihrer Zerstreuung eine grogmachende Menge Rum zu ihrem Tee; sie wollte eben die Tasse zum Munde führen, als von Pechvogel vor ihr auf die Knie fiel und mit bewegter Stimme also anhub: Hohe Frau! Ihr achtet den neu Nobilitierten mit einem Fideicommis dem besten Eingebornen des Landes gleich: so gelobe ich denn in Eure Hand und bei adligem Wort und Ehren, dass ich, wenn Gott der Herr mir das Leben lässt bis dahin, in Jahr und Tag mein Lehn Knüppeldamm mit einem Fideicommis belegen will.

Die Kammerherrin, obgleich sie sogenannte Szenen als plebejische Gefühlsausbrüche nicht liebte, war doch so sehr geschmeichelt von diesem unverhofften und glänzenden Erfolg ihrer Rede, dass sie in die von Pechvogel angestimmte Redeweise einging. Sie sprach: Steht auf, mein Bruder! Und dem Aufgestandenen hauchte sie einen Kuss auf die Stirn, also fortfahrend: So begrüße ich denn in Euch alle künftigen mit Euch anhebenden Geschlechtsfolgen derer von Pechvogel; mögen sie immerdar in voller, freier Gutsherrlichkeit herrschen auf ihrem Territorium. Sie aber haben, mein geehrter Herr Bruder, meine ganze unverbrüchliche Achtung gewonnen.

Der Kammerherr hatte während dieses ganzen hochtrabenden Diskurses baumstill geschwiegen und nur in seinem unbehaglichen Gefühl über denselben unaufhörlich auf dem Sessel hin und her gerückt. Er konnte es nicht länger aushalten und da überdies die Sache auf ihren Gipfelpunkt gekommen war, so fasste er sich ein Herz und sagte; Mein Schatz, Du bist ganz alteriert; es ist wohl das Beste, ich mache mit dem Herrn Bruder einen Gang durch den Park: der Regen scheint etwas nachgelassen zu haben.

Der Kammerherr zeigte nun zunächst seinem Begleiter das schöne Pfauenpaar, mit welchem er sehr passend die Kammerherrin an ihrem Geburtstage beschenkt hatte und begann dann demselben sein Herz auszuschütten. Der Arme, den Liebe und Bewunderung an seine Schwester fesselten, war tief betrübt über die Missheirat derselben, nicht so sehr aus Abscheu vor einer solchen, als deswegen, weil, wie er voraussah, in Folge derselben das in der letzten Zeit ohnehin schon sehr locker gewordene Verhältnis seiner Schwester zu seiner Gemahlin nun vollends abgebrochen werden würde. Von Pechvogel aber, bei dem der Adelsmut, den ihm die Kammerherrin einzuflößen gewusst, noch vorhielt, fühlte sich wenig aufgelegt ihn zu trösten. Den Zurückkehrenden eröffnete denn auch die Kammerherrin: Da Roswitha, wenn sich die vom Domainenrat mitgeteilte Nachricht bestätige, durch ihre beabsichtigte gemischte Ehe sich mutwillig in den Bürgerstand erniedrigt habe, so könne von einem geselligen Verkehr mit ihr natürlich nicht weiter die Rede sein und der Kammerherr habe, wenn sie vielleicht brieflich seine, als des Familienhauptes, Einwilligung erbitte, solche Anfrage unbeachtet zu lassen. Von Pechvogel hatte noch die Befriedigung, sich mit seiner Gemahlin von der gnädigen Frau Schwester für den nächsten Sonntag zum Diner eingeladen zu sehen, und fuhr mit dem Gefühle, nun erst recht geadelt zu sein, seinem Knüppeldamm zu.

Die Kammerherrin war aber nur scheinbar so entrüstet über Roswitha, und eigentlich nicht wenig erfreut darüber, dass dieselbe ihr auf diese Weise die für Leute adligen Wesens gerechteste Ursache zu einem gänzlichen Bruch gab. Das geistige und sittliche Übergewicht derselben war ihr um so unerträglicher geworden, als sie dem Grundsatze aller Vornehmen, sich auf keine Weise imponieren zu lassen, im vollsten Maße huldigte. Und doch konnte sie sich nun einmal platterdings nicht unter dem Zauber von Roswithens klarem Auge mit ihren aristokratischen Fadaisen auftun, denn sie fühlte, ohne es sich eingestehen zu wollen, diesem Seelenadel gegenüber recht gut das Pauvre ihres Geburtsadels. Dazu kam Neid und Eifersucht. Die Kammerherrin hatte Geist genug, um in einem Kreise gewöhnliche Menschen die Königin zu spielen. Aber auch gewöhnliche Menschen zieht der Instinkt des Göttlichen zu den edleren Wesen hin und die Kammerherrin sah sich also jedesmal durch Roswitha entthront und war hierüber um so erbitterter, als jene ohne Anwendung aller jener kleinen Hilfen und Mittel, mit welchen das ordinäre Weib nur zu siegen weiß, ja ohne dass sie es überall wollte und sich dessen bewusst ward, immer den Mittelpunkt der Gesellschaft bildete. So wusste die Kammerherrin es denn im Geheim dem Doktor Bauer vielen Dank, dass er sie von dieser für ihre souveräne Macht so gefährlichen Dame befreite. — Wir werden nun den Leser zuvörderst mit diesem Bauer näher bekannt machen müssen.

Bauer war der Sprössling einer alten mecklenburgischen Predigerfamilie, deren Stammvater schon zur Zeit der Reformation aus dem Sächsischen ins Land gekommen war und welche seitdem demselben eine ununterbrochene Reihe von Landpfarrern gegeben hatte. Auch unser Bauer war von seinem Vater, dem Pastor zu Kirchdorf, zum Geistlichen bestimmt. Die einsame Lage des Pfarrhofes und die Entbehrung aller Spielgenossen hatten in dem, dem ernsten, aber zärtlichen Vater mit ungeteilter Liebe anhängenden Knaben, einen Ernst und eine Innigkeit erzeugt, die ein inhaltsreiches, reiches Leben versprachen. Sein liebster Aufenthaltsort war das Bibliothekzimmer, denn der Pastor war wie viele seines Standes ein großer Bücherfreund und verwandte trotz der lebhaftesten Gegenvorstellungen, die früher seine Frau und jetzt seine dem Haushalt vorstehende Schwester unermüdlich dagegen erhoben, jährlich eine allerdings unverhältnismäßig große Summe auf seine Büchersammlung. Seine Pfarre, früher eine der reichsten, war nämlich jetzt kaum noch zu den sogenannten Mittelpfarren zu rechnen; nach dem Visitationsprotokolle von 1534 hatten die Edelleute alle die „Börung“ an sich gerissen, und später als man meinte, der Geistliche dürfe keinen Ackerbau treiben, (eine Meinung, welche nach Hegel mit derjenigen der katholischen Kirche, dass der Geistliche nicht heiraten dürfe, dieselbe trübe Quelle hat), waren die Pfarrländereien zu einer Zeit, in welcher die landwirtschaftlichen Produkte gerade wenig galten, für ein Butterbrot, wie man sagt, dem Gutsherrn in Erbpacht gegeben. In jener reichen, aber die Wahrheit zu sagen, an theologischen Schriften sehr armen Bibliothek war der Knabe fast immer zu finden, wenn er nicht mit der Tante im Garten hantierte oder den Vater auf seinen weiten Spaziergängen begleitete. Er kannte jedes Buch derselben, ja er hatte fast alle gelesen und die meisten verstanden, denn bei der ihm inwohnenden Energie ruhte er nicht eher, als bis ihm durch Befragung des Vaters oder durch wiederholtes Lesen das Verständnis seiner Lektüre aufgegangen war. So wuchs er zum Jüngling heran und als sein Vater den 17jährigen auf eine benachbarte Gelehrtenschule brachte, hatte er freilich nicht den aus Leihbibliotheksromanen gewonnenen fließenden und blumenreichen Styl unserer Primaner, aber er hatte einen scharfen wissenschaftlichen Sinn und eine Masse schätzbarer Kenntnisse. Ostern 1830 die Universität Heidelberg beziehend, hatte er sich noch nicht zurechtgefunden in dem wunderlichen Studentenleben und noch weniger in den Irrgängen der Gottesgelahrheit, als die Julirevolution wie ein Blitz in das faule, abgestandene Leben der Restaurationszeit einschlug und der Menschheit wieder einmal einen lichten Augenblick gab. Auch in Deutschland, dem Altenweiberlande, hatte Michel in der großen Woche des Juli unruhig geträumt, ja war am Ende wirklich erwacht und hatte in seinem Ungeschick und in seiner Unbehilflichkeit wunderliche Emanzipationsversuche gemacht. Bauer wusste den großartigen Vorgängen des Jahres 1830 gegenüber nichts mehr mit der Theologie anzufangen; er ließ sie fahren und wandte sich mit ganzer Kraft dem Studium der Staatswissenschaften zu. Da er in seinem Freiheitsrausche jeden Maßstab für die deutschen Verhältnisse verlor, so hatte er als Mitglied einer geheimen politischen Verbindung sich leicht zu Schritten und Unternehmungen verleiten lassen, deren deutsch-gründliche Untersuchung ihm allein schon auf einige Jahre der Freiheit berauben und jedenfalls seine Habilitierung als Dozent einer deutschen Universität auf lange Zeit hin unmöglich machen musste. Aber mehr noch als alles dies vertrieb ihn aus dem Vaterlande das Gefühl, dass ihm die Praxis des Lebens, die Kunst, seinen Ideen in der Wirklichkeit Geltung zu verschaffen, noch gänzlich mangele. Dieser Mangel macht den Sprung aus dem Studentenleben in das Philistertum bei den meisten zu einem tödlichen. Wo man wie in Deutschland, als einem Zensurlande, die Ideale nicht einmal aussprechen darf, wo die Wissenschaft so ganz von dem Leben getrennt ist, wie bei uns, wo man also weder Ideale noch Wissenschaft, sondern nur Hingebung an Rechtsaltertümer und Altflickersinn für die Konservierung des Bestehenden gebraucht, da wird der gewesene Student entweder ein verzweifelnder Unzufriedener oder aber ein vollkommener Philister, der in seinem Berufe nichts als die milchende Kuh sieht, sein Tagewerk maschinenartig abhaspelt und nur gegen die Zeit des Theaters oder der Bostonpartie ein gelindes Fieber fühlt. Bauer konnte sich in dieser Unfertigkeit nicht dazu entschließen, mit so vielen Anderen aufs Geradewohl nach Paris zu gehen. Er wollte handeln, handeln im eigentlichen Sinne, im Sinne des Kaufmanns. Mit dem Erlöse aus der Bibliothek des inzwischen verstorbenen Vaters, schiffte er sich nach den nordamerikanischen Freistaaten ein, und stieg mit einem Dollar in Newyork ans Land. Aber auch Salomon Heine ging mit acht Groschen nach Hamburg und jede handelstätige Stadt bat reiche Leute aufzuzeigen, welche mit Nichts angefangen haben, so dass es fast scheinen will, als müsse der Kaufmann mit Nichts anfangen, damit er gezwungen sei, alle die Tatkraft aufzuwenden, deren er überhaupt fähig ist. Unser Bauer ward nun freilich nicht so reich wie Salomon Heine, aber er erwarb doch so viel, um sich in seinem Geburtslande das Gut Mannhagen kaufen zu können. In der weichen Stimmung, die der Tod eines geliebten Weibes in ihm zurückgelassen, hatte ihn nämlich eine unüberwindliche Sehnsucht nach der Heimat ergriffen.

Das Gut Mannhagen gehörte zu der wohl arrondierten Besitzung des Landrats von Büffelskopf auf Borgwall und wurde in dessen Konkurse verkauft, denn die schönen Büffelkopf'schen Güter hatten doch am Ende die großartige Verschwendung des Landrats nicht mehr lasten können und obgleich man denselben noch durch die Erwählung zum Klosterhauptmann eines der adligen oder sogenannten Landesklöster zu retten gesucht, musste er doch zuletzt das alte Erbe seinen Väter meiden; er zog sich mit einer Pension, die ihm teils seine Verwandten, teils als einem verarmten „Eingesessenen“ und wegen seiner angeblichen großen Meriten die Ritterschaft bewilligt hatte, nach Bützow zurück, wo er sich aus Langeweile zuletzt allen Vereinen unserer Frommen und Frömmler anschloss. Bei der Besichtigung der Büffelkopf'schen Güter hatte der Doktor Bauer zuerst Roswitha kennen gelernt. Büffelskopf hatte dieselbe nämlich flehentlich gebeten, ihn auf einige Tage zu besuchen und ihm einige Fassung wiederzugeben; der leichtsinnige alte Mensch, der den Ruin seines Vermögens immer selbst vorausgesehen und -gesagt hatte, war bei dem endlichen Eintritt desselben doch ganz wie aus dem Leime gegangen. Hier konnte Roswitha ihre ganze geistige und sittliche Macht entfalten, und Bauer, der seinen Besuch so lange als möglich ausdehnte, fühlte bald, dass ein inniges Verhältnis zu ihr zur Abklärung und Heiligung seines Wesens unendlich viel werde beitragen müssen. Auch Roswithen tat die tiefe Verehrung, welch ihr der durchgebildete, tatkräftige und für die höchsten Interessen der Menschheit begeisterte Mann bewies, unendlich wohl. Roswitha hatte viele bedeutende Staatsmänner, viele glänzende Kavaliere, viele namhafte Gelehrte und Künstler kennen gelernt und die meisten derselben hatten ihrem Genius gehuldigt, aber eben nur ihre Geistreichigkeit nach Art des Gutschmeckers genossen und dabei ihre Behauptungen als paradox und ihre Vorschläge als unpraktisch belächelt. Anders mit Bauer, der ihre Begeisterung teilte, aber besonnener und erfahrener als sie, die Gegenstände derselben in schärferer Begrenzung hinstellte und ihr die Berechtigung derselben zum Bewusstsein brachte. So sich ergänzend mussten sie in wenigen Tagen einander zum Bedürfnis werden. Büffelskopf hatte auch schon Roswithen prophezeit, dass sie noch Madame Bauer die zweite werden würde, da sie sich nicht gescheut habe, dem scheidenden Bauer auf seine Bitte gern und freudig zu versprechen, dass sie in einen regelmäßigen brieflichen Verkehr mit ihm treten wolle. Der Doktor Bauer dachte übrigens allerdings ganz ernstlich an eine Heirat mit Roswitha. Er hatte freilich bei dem Tode seiner Frau, von welcher ihm zwei Kinder lebten, seine Wiederverheiratung für unmöglich gehalten, da er meinte, zu einer guten Stiefmutter gehöre mehr Resignation und Neidlosigkeit als bei den Weibern zu holen sei, — aber einer Roswitha gegenüber hielt dieser Vorsatz nicht Stich, und er dachte sich dieselbe vielmehr gerade am liebsten als die mütterliche Freundin seiner Kleinen.
Als nun der Doktor die Büffelkopf'schen Güter füglich nicht länger in Augenschein nehmen konnte, machte er, um sich zu seinem künftigen Beruf würdig vorzubereiten, eine landwirtschaftliche Kunstreise durch Mecklenburg, von welcher er die Überzeugung mitbrachte, dass die landübliche Ansicht von der Vollkommenheit unserer landwirtschaftlichen Kultur mit zu den vielen Vorurteilen der Mecklenburger gehöre. Zur Entschuldigung dieser seiner ketzerischen Ansichten müssen wir bemerken, dass ihm bei seiner Sehnsucht nach dem Umgange mit Roswitha Alles schal und widerwärtig vorkam. Er schrieb damals in einem Briefe an dieselbe: Welches Heimweh hatte ich zuweilen unter den Geldmachern in Amerika und welche Unbehaglichkeit jetzt in der Heimath! Ja, Sie haben Recht, wir haben in Mecklenburg in keiner Sphäre einen ausgezeichneten Mann, einen bedeutenden Charakter, und hätte Mecklenburg nicht eine ausgezeichnete Frau, ich hielte es nicht länger aus in diesem Lande selbstgefälliger Indolenz. Es ginge wohl, aber es geht nicht, das ist das ewige Eiapopeia, mit dem der Mecklenburgische Michel sich selbst einwiegt. God dam! (entschuldigen Sie diese Rohheit, aber ich kann unter Umständen einen kräftigen Fluch nicht entbehren: ein solcher ist uns Männern das, was den Weibern der Seufzer), also God dam, wenn ich mir so neben dem Bruder Büffelskopf meinen nativen Bruder Jonathan denke, so verliere ich allen Stolz auf meine mecklenburgische Eingeborenheit und jener kommt mir neben diesem vor, wie ein uralter obotritischer Mops neben dem muskelkräftigen, immer sprungfertigen Windspiel. Was mir meine Landsleute so sehr verleidet, dass ist ihr großer Mangel nicht bloß an Tüchtigkeit, sondern auch an Liebenswürdigkeit. Da ist zuerst der Adel. Vor dem jetzigen Bürgerkriege in der Ritterschaft gab es wirklich ganz erträgliche Menschen unter ihm, denn der Adel wurde damals noch getragen von dem Gefühl seiner Unverletzlichkeit, und in der Sicherheit seines Adeltums mischte er sich unbefangen unter die Bürgerlichen, so dass beide Teile, sich gegenseitig anerkennend, auf ziemlich gutem Fuß mit einander standen. Das ist unsere sogenannte gute alte Zeit. Aber jetzt wird der Adel von allen Seiten lebhaft angegriffen, man sagt es ihm auf den Kopf, dass er völlig unberechtigt dastehe und das geheime Gefühl seiner verlorenen Sache, das Gefühl, das ihm das ganze Land eine totale Niederlage gönnt, macht ihn trotziger und anmaßender als je, wie ja das Bewusstsein des Unrechts immer, um mit der Bibel zu reden, das menschliche Herz zu einem zugleich trotzigen und verzagten Dinge macht. Daher das gereizte und gespannte Wesen des Adels. Der Adlige scheint mir in einer gemischten Gesellschaft immer zu fürchten, dass sein bürgerlicher Nachbar, vertraulich werdend, zu ihm sagt: Nicht wahr, lieber Baron, wenn Sie ganz aufrichtig sein wollen, so müssen Sie selbst zugeben, dass der Geburtsadel der barste Unsinn ist. So machen die jetzigen Angriffe auf den Adel denselben nur noch abwehrender, ablehnender, unnatürlicher.

Was die bürgerlichen Gutsbesitzer betrifft, so ist von ihnen ebenfalls wenig Rühmliches zu melden; sie haben überhaupt noch keinen besondern Typus, sondern gleichen, wenn man die Herren vom Sport, die Adelssüchtigen, die Demagogen und den gebildeteren und gesinnungsvolleren jungen Nachwuchs abrechnet, meist unsern Gutspächtern und sind also nichts mehr und nichts weniger als ganz gewöhnliche praktische Landwirte, denen, wie man zu sagen pflegt, die Drittel aus dem Halse schreien und die eine gründliche Verachtung des Städters fühlen. Der Bürgerliche kauft sich nämlich ein Gut, weil er durch dasselbe Geld machen will, der Adlige dagegen mit seiner selten recht viel aus dem Gute herausbringenden Inspektorwirtschaft, weil er nur durch ein solches zum Vollgenuss aller politischen Rechte gelangen kann. Jener sieht also nur ein landwirtschaftliches Ganze in seiner Besitzung und die mit demselben verbundene Landstandschaft, für die er weder politische Bildung, noch politisches Interesse hat, wird von ihm nicht ausgeübt. Die auch ihnen regelmäßig zugehenden Landtagsausschreiben betrachten sie, da der Adel ja doch allein auf den Landtagen herrsche, als eine bloße Formalität, als eine staatsrechtliche Kuriosität und blieben während der Landtagszeit ohne Scham und Gram auf ihrer Hufe sitzen. Zwar pflegten schon immer einige bürgerliche Gutsbesitzer den Landtag zu beziehen, aber diese fühlten sich mehr auf demselben geduldet als gleichberechtigt und sahen in dem Ganzen nur eine lehrreiche und interessante Unterhaltung, ohne im Entferntesten an einen möglichen Widerstand gegen die Adligen und an eine Partei der bürgerlichen Ritter zu denken; der Adel war übrigens damals so klug, die sich unter den bürgerlichen Rittergutsbesitzern auftuenden Kampfhähne jedes mal dahin zu verführen, dass sie sich nobilitieren und demnächst in den eingebornen Adel aufnehmen ließen. Seit dem Landtage 1838 ist dies freilich anders geworden und wir finden die bürgerlichen Rittergutsbesitzer auf der Wanderschaft begriffen, um aus dem Flachlande politischer Nullität auf die Zinnen der Partei zu steigen. Doch gibt es noch immer viele Nachzügler unter ihnen und die Führer klagen herzbrechend über die Mühe, die es kostet, sie zu entscheidenden Momenten alle zusammenzutrommeln, so wie über das Ungeschickte in allem ihrem politischen Reden und Tun. Um jedoch nicht ungerecht zu sein gegen die bürgerlichen Ritter, muss man bedenken, dass sie erst sechs IJhre sich mit staatlichen Dingen abgegeben haben und also noch im politischen Kindesalter stehen. Wenn sie nur all den Mutwillen und die Keckheit des Knabenalters erst angenommen haben, so werden sie schon mit ihren routinierten, aber altersschwachen Gegnern fertig und Mecklenburg dann endlich aus dem Burgverlies des Feudalstaates erlöst werden. Die bürgerlichen Ritter bilden nämlich einstweilen in ihrem Gegensatz zu ihren adligen Feinden die liberale Fraktion unserer Stände; diese ihre Stellung ist aber leine naturgemäße, denn wer aus eignem Rechte als Grundbesitzer eine persönliche Landstandschaft hat, der ist dem Stabilismus verfallen und gehört in eine hemmende Pairskammer. Die Wichtigkeit der gegenwärtigen ritterschaftlichen Differenzen beruht nun vorzüglich darin, dass die Regierung, wenn sie jetzt Hinneigung zu den bürgerlichern Rittern zu erkennen gäbe, und die einstweilige liberale Richtung derselben benutzte, alle ihre lange projektierten Reformen durchsetzen könnte. Denken Sie sich nur die Staatsweisheit, welche die den bürgerlichen Rittern so günstigen landesherrlichen Reskripte von 1789 und 1793 diktierte, wieder am Ruder, so werden Sie gestehen müssen, dass jetzt bei solcher offenen Anerkennung der gerechten Sache der Bürgerlichen der Adel alsbald verloren sein würde. Möchte denn Mecklenburg endlich mal wieder klar sehen in dieser verhängnisvollen Frage, möchte es alle die Folgen, welche notwendig die Anerkennung des eingebornen Adels als einer besonderen Korporation nach sich ziehen muss, wohl erwägen! Schon nimmt neben der adligen Oligarchie die adlige Bureaukratie immer mehr überhand und der Adel packt wie ein tausendarmiger Polyp alle Teile unsers Mecklenburg und macht es krank. Nach dem Staatskalender von 1800 gab es nur 9 adlige Domanialbeamte und jetzt haben wir deren circa dreißig; damals waren von 22 Oberförstern 17 bürgerlicher Geburt und jetzt sind von den bestehenden 21 Oberförstereien nur noch 7 mit Bürgerlichen besetzt. Welche Regierung würde am Ende auch mächtig genug sein, den Bitten unserer Eingesessenen vom eingebornen Adel um die besten und bequemsten Stellen des Staatsdienstes für ihre Söhne, zu widerstehen, wenn dieselbe nicht die bürgerlichen Gutsbesitzer zu gewinnen sucht?! Die Regierung klagt, dass unsere Verfassung ihr bei den meisten Reformbestrebungen hemmend in den Weg trete. Diese Klage ist unbegründet. Unsere Regierung hat alle Macht, deren sie bedarf, sobald sie den bürgerlichen Rittern ihr Recht gibt.

Was soll ich noch von den übrigen Ständen sagen? In einem Feudalstaate haben dieselben ja keine Bedeutung. Unsere mecklenburgische Feudalverfassung ist aber noch dazu so steif und so fest wie versteinertes Holz, weswegen denn auch Mecklenburg nie große Staatsmänner hat haben können, denn die Erhaltung des status quo ist keine Kunst, sondern die Erweckung der Aufopferungsfähigkeit für großartige Reformen, das ist die wahre Staatskunst.

In den Städten treffen wir nun zunächst die sogenannten Honoratioren und die sogenannten Gebildeten mit ihren Clubs und ihren Modezeitungszirkeln; sie halten jetzt alle die Illustrierte Zeitung und raten Rebus und gegen die großen Interessen der Gegenwart stellen sie sich blasiert diese wohlerzogenen armen Schächer, und werden nur arm, wenn sie ihre Stimme abgeben über einen Clubkandidaten. Da ist weiter der eigentliche Bürgerstand ohne Bürgersinn und Mannhaftigkeit; er ist noch nicht einmal so weit gekommen, dass er einsieht, wie die Herren vom Rat nicht die Herren der Stadt sind, sondern vielmehr Stadtdiener. Ich bitte, denken Sie sich neben einem Nordamerikanischen Schuster, der aus seinem Meeting kommt, einen mecklenburgischen Ausschussbürger, der in der Raths- und Bürgersitzung mit andächtiger Ehrfurcht den Vorschlägen der „Herren“ beistimmt!

Auf dem platten Lande haben wir, wenn wir von dem Proletariat unserer besitzlosen Tagelöhner schweigen, nun zuerst den Bauern. Durch Alles, was man ihm angetan hat, ist er so misstrauisch geworden, dass er sich jetzt auch gegen wohltätige Neuerungen mit Hand und Fuß sträubt, obgleich er am Ende bei der großen Machtvollkommenheit des Amts doch immer sagen muss: Ach ja, Herr Amtmann, ja. Ein Anfang zum Besseren sind in dieser Beziehung die von Pogge-Zierstorff hervorgerufenen Bauernversammlungen, welche aber freilich von den Anhängern der Theorie der Unreife für noch lange nicht an der Zeit gehalten werden.

Am besten gefallen mir noch die Büdner in den Domainen, was Sie aber bei Leibe nicht verraten dürfen, denn unsere Gutsbesitzer und Pächter hassen diese Menschen, wegen ihrer verhältnismäßigen Unabhängigkeit, wie die Sünde. Steht so'n Büdner mit der langen Pfeife vor seinem Häuschen und kalkuliert, ob das Wetter wohl noch lange so landtagen wird, oder macht er lieber Melden und Schaufeln zum Verkauf, statt auf dem Hofe zu tagelöhnern, so ist er ein ausgemachter Faullenzer; spielt er einmal irgendwo zum Tanz auf, so verführt er das Volk; ist er im Besitz einer Flinte, so heißt er der gefährlichste Wilddieb; sieht man ihn Holz karren, so werden die Forsten total von ihm ruiniert. Unsere Pächter und Tagelöhner wollen nämlich auf dem platten Lande neben sich nichts als die notwendigen Hoftagelöhner geduldet wissen, denn nur dann könne Mecklenburg nach wie vor die meisten seiner Urprodukte ausführen und ein reiches (?!) Land bleiben, und nur so könne das gemeine Landvolk, das ganz dem lieben Vieh gleich sei, in Zucht und Ordnung gehalten werden. Diese Herren beweisen dann durch Zahlen, wie durch ihre Leute das Landarbeitshaus und Dreibergen und der Sachsenberg verhältnismäßig am wenigsten bevölkert würden und die Sittlichkeit unter den, selben also mehr zu Hause sei als in den Städten, den Bauerdörfern oder gar in den Büdner-Kolonien, vergessen aber ganz und gar, dass der freie Mensch nur durch sich selbst und durch das Gesetz, aber nicht gleich dem Sträfling durch einen seiner Mituntertanen in Zucht und Ordnung gehalten werden soll. Ich habe bei meinen Unterredungen über diesen Gegenstand immer unwillkürlich an meinen kurzen Aufenthalt in den Sklavenstaaten der Union denken müssen: die Sklavenbesitzer verteidigen die Sklaverei genau mit eben den Gründen, mit welchen unsere Gutsbesitzer die Tagelöhnerei der Besitzlosen in Schutz nehmen. —

Da unsere Leser der Kannegießereien des durch die Julirevolution und durch den Aufenthalt in den nordamerikanischen Freistaaten für das alte Europa politisch völlig verdorbenen Herrn Doktors nachgerade gewiss herzlich satt sind, so könnten wir in unserer Erzählung jetzt ungehindert weiter fortfahren, wenn wir nicht hinsichtlich des auffallenden Tons der in diesen seinen Briefen über mecklenburgische Zustände an eine Dame aus dem eingebornen Adel herrscht, annoch eine weitere Erklärung für nötig hielten. Wir haben freilich schon oben erwähnt, dass beide sich mit einander fleißig über die sogenannten höchsten Interessen zu unterhalten pflegten, aber wir müssen nachträglich noch erwähnen, dass sie namentlich den Geburtsadel in ihren Gesprächen mit Stumpf und Stiel ausrotteten. Wie weit es Roswitha damit bei sich gelungen war, werden wir am besten aus den nachstehenden Stellen ihrer Briefe an Bauer sehen.
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Die Kreuze der Orden, welche uns Klosterdamen verliehen worden, sind bei den bürgerlichen bedeutend kleiner geraten, und diese sind, wie mir heute Eine von ihnen erzählte, damals so tapfer gewesen, deswegen die Annahme derselben der Herzogin-Stifterin zu verweigern. Ist das nicht hübsch? Aber hernach kommen sie und bitten demütigst und untertänigst um diese selben kleineren Ordenskreuze, die ihnen denn auch sofort verliehen werden. Fi donc!*)

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Wenn die Juden unseren Adel bildeten, so könnte man denselben wenigstens einigermaßen begreifen. Der Jude hat ein anderes Exterieur, eine andere Nationalität, einen anderen Glauben und es ist durch dies alles eine natürliche, aber von der Vernunft freilich nicht anzuerkennende Scheidewand zwischen ihnen und uns gezogen. Diese natürliche Grenze fehlt aber zwischen dem Adel und den übrigen Volksgenossen und die Anmaßung besonderer Rechte ist also in keiner Weise an eine besondere Eigenschaft desselben geknüpft, mithin die adlige Geburt eine reine Gnadenwahl, so dass also sehr füglich mit vollem Titel der Adlige sich nennen dürfte: Wir Victor-August von Gottes Gnaden Herr oder Baron oder Graf von N. N.

*) Die Ribnitzerinnen erbaten diesen im Jahre 1763 gestifteten Orden pour la vertu schon im folgenden Jahre 1764; die Dobbertinerinnen hielten es aber bis 1787 ohne Orden aus.

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Der Adel hat keine geschichtliche Mission mehr, denn es haben sich andere aristokratische*) Elemente aufgetan, die weit mehr materiellen und moralischen Einfluss haben. Der Adel spielt aber noch immer den Don Quixote der exklusiven Aristokratie und ist noch immer der Rococcoaristokrat, welcher vor lauter Standesvorurteilen die Kämpfe unserer Zeit gar nicht sieht. Wie albern ein eingefleischter Junker wohl aussieht, wenn er ein kommunistisches oder sozialistisches Buch liest?!

*) Das mag wahr sein, wenn man von dem deutschen Adel im Allgemeinen spricht, aber der reiche und politisch mächtige Adel Mecklenburgs bildet mit den übrigen Gutsbesitzern allerdings noch unsere ausschließliche Aristokratie.

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Was sagen Sie dazu, dass der Adel jüngst auf die solenneste Weise ausgelacht ist und dass nicht incognito von Einem oder Einzelnen, nein von der ganzen zivilisierten Welt und vor der mächtigsten Versammlung des mächtigsten Reichs. Hören Sie nur. Obgleich der Adel in Frankreich so wenig Bedeutung hat, dass man sich durch eigenmächtige Nobilitierung nur in den Augen aller vernünftigen Menschen lächerlich, aber nicht vor dem Gesetze strafbar macht, so macht gleichwohl die Regierung ein sehr gutes Geschäft mit Adelsdiplomen. Die verschiedenen Arten derselben haben einen verschiedenen Tarif, welcher durch eine Stempeltaxe wahrgenommen wird. Hiervon war in der französischen Kammer die Rede und der Justizminister verspricht sich unglücklicher Weise und sagt statt Stempeltaxe Narrentaxe (sceau und sot). Da erfasste die Kammer eine Lachlust, so wütend und hinreißend, dass sie unerhört ist in den Annalen dieser ehrenwerten Versammlung. Als der erste Sturm sich gelegt hatte, wollte man die Verhandlungen wieder anfangen, — aber es ging nicht, denn immer und immer kamen großartige Lachstöße, und so lachte man die Sitzungszeit bis zu Ende.
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Bei meiner jüngsten Reise nach Schwerin zerbrach mir in dem berüchtigten Steinfelder Holze, in welchem schon einmal ein zur Huldigung reisender Landrat beim Umstürzen seines Wagens das Leben verloren haben soll, glücklicher Weise nur etwas am Wagen, und musste mit meinem Kammermädchen die kurze Strecke nach der Fähre gehen. In der für die Gäste niederen Ranges bestimmten Stube, deren Tür weit offen stand, saßen Bauern beim Kartenspiel und ich hörte den einen derselben einem andern mehrmals erwidern: Dat litt dei Ritterschaft nich. Der Wirt erklärte mir auf mein Befragen, dass das ein gäng und gebes Sprichwort sei und man damit die absolute Unmöglichkeit einer Sache zu bezeichnen pflege. Der erste Bauer werde wohl gesagt haben, er würde so und so viel Stiche machen und der zweite ihm darauf habe erwidern wollen, dass sei unmöglich, weil er die Matadore habe; in solchen Fällen sage man: Das leidet die Ritterschaft nicht. — oder: Ja, wenn die Ritterschaft nicht wäre. So ist das Bewusstsein von der Übermacht unserer Ritterschaft bis tief ins Volk gedrungen und die Nachkommen der Bauern, welche zu Karl Leopolds Zeit schrieen: Wi willn den Eddelmann dodt schlagen, erkennen diese Übermacht jetzt sprichwörtlich an. —

Jetzt wird wohl Keinem mehr der Ton in des Herrn Doktor Bauer Briefen an Roswithen auffallen. Der geneigte Leser sieht zugleich aus diesen Pröbchen, wohin es führt, wenn die Naseweisheit sich mit den höchsten Interessen der Menschheit befasst und den Boden des historischen Rechts verlassend in die bodenlosen Räume der sogenannten Ideen hineinplumpset.

Doch fahren wir in unserer Erzählung endlich einmal wieder fort. Der Doktor Bauer kaufte also Mannhagen und betrieb so schnell als möglich seine Zulassung zur Ableistung des Lehneides, (welches, beiläufig gesagt, einer unserer unnützesten Eide ist), damit er schon zur Beziehung des nächsten Landtages, wie es in dem altertümlichen Landtagsausschreiben heißt, zitiert, geladen und geheischt werde. Es gelang ihm dies und er war nun, ohne dass das Land etwas davon erfuhr, flugs einer seiner sogenannten Vertreter. Er wollte diese erste Saison sich eigentlich darauf beschränken, den Geschäftsgang und die Parteiführer kennen zu lernen, und der meiste Mann hätte hiermit allerdings vollauf zu tun gehabt, denn bei dem Mangel einer Geschäftsordnung und bei dem Durcheinanderreden und resp. -Schreien während der Debatten, ist das Eine so schwer wie das Andere. Bauer fand sich jedoch mit seiner scharfen Beobachtungs- und Auffassungsgabe bald einigermaßen zurecht in dieser babylonischen Verwirrung und da bei unseren landständischen Verhandlungen nicht die offene parlamentarische Feldschlacht, sondern kleinliche Intrigen und allerlei diplomatische Kunststückchen den Ausschlag geben, so konnte er schon jetzt durch die Rücksichtslosigkeit und den Scharfsinn, mit welchem er das Spiel der Gegner aufdeckte, seiner Partei die größten Dienste leisten. Dabei hatte Bauer ein bedeutendes Rednertalent. Besonnene Ruhe neben höchster Begeisterung, Takt und Schönheitsgefühl neben tiefer und umfassender politischer Bildung, eine klangvolle, biegsame Stimme, dies Alles würde ihn in der französischen oder englischen Kammer zu einem Redner von europäischem Rufe gemacht haben; aber auch in unserer Ständeversammlung, welche Rednertalent weniger zu würdigen weiß, machte gleich seine Jungfernrede, wie die Engländer es nennen, das größte Aufsehen und alle Parteien fühlten, der Strom dieser Rede werde in seinen Strudeln noch manches altehrwürdige Herkommen verschlingen. Bauer stellte nämlich in freier Rede den Antrag auf Abänderung des §. 167 des Landesvergleichs, nach welchem der sogenannte eingeborne Adel allein zu den Landratsstellen wählbar ist. Er wusste allerdings, dass sein Antrag wegen mangelnder Intimation desselben nicht einmal eine Abstimmung zur Folge haben könne, aber es war ihm bei jenem Antrage auch zunächst noch überall nicht um einen direkten Erfolg, sondern nur darum zu tun, die durch ein eben eingegangenes Regierungsreskript an die Landtagsversammlung augenblicklich etwas gedrückte Stimmung der Bürgerlichen wieder zu kräftigen. In glänzender Rede entwickelte er den Widerspruch, in welchem dieser einzige Paragraph mit unserer ganzen übrigen, sonst in sich so konsequenten Verfassung stehe, wie dieser Widerspruch jetzt, wo die Zahl der bürgerlichen Ritter der der adligen gleich komme, immer schreiender werde, wie verderblich und unvernünftig es überhaupt sei, die Zulassung zu diesen vielen und hochwichtigen Ämtern von der Zufälligkeit der Geburt abhängig zu machen und wie die Aufhebung aller Vorrechte des eingebornen Adels erst der Ritterschaft ihre ganze frühere Macht wiedergeben könne, wogegen mit der Beibehaltung des Begriffs der Eingeborenheit der Adel Alles aufs Spiel setze, da die bürgerlichen Ritter bald das numerische Übergewicht haben und die Stimmen der Landtagsversammlung beherrschen würden.

(Fortsetzung)

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