Gerhard, Ludwig (unbek.-1738) mecklenburg-strelitzer Theologe. Biographie

Allgemeine Deutsche Biographie Bd 8 (1878)
Autor: Möller, W., Erscheinungsjahr: 1878
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Gerhard: Ludwig G., Mag., gebürtig aus Friedland im Herzogtum Mecklenburg-Strelitz, wurde 1709 Rektor an der Domschule zu Ratzeburg (strelitzisch), geriet hier bald mit dem Propst Kohlreiff in ärgerliche (persönliche, nicht dogmatische) Streitigkeiten, und wurde 1712 deshalb an die Stadtschule zu Neustrelitz versetzt. Später finden wir ihn, bereits verheiratet, in Rostock, wo er von Vorlesungen lebte. An einer 1718 in der Jacobikirche für den erkrankten Pastor gehaltenen Weihnachtspredigt „Über die geistliche Geburt Jesu in uns“, nahm die orthodoxe theologische Fakultät Anstoß, weil er darin von dem Christus in uns more fanaticorum (mystisch-pietistisch) lehre, zugleich auch daran, daß er mit einem der reformierten Abendmahlslehre anhängenden Kammerrat Sturm freundlichen Umgang hielt. Die Fakultät verhandelte mit ihm, konnte ihm zwar wenig anhaben, wohl aber seine Stellung untergraben und bewirken, daß er keine Collegia (privatissima) mehr zu Stande brachte. Er begab sich nach Parchim, woher seine Frau stammte; die Aussicht, das schwerinsche Schulrektorat zu erlangen, zerschlug sich an dem von Rostock aus genährten Verdachte. Namentlich fand man in seinen früheren Äußerungen auch eine verdächtige über die kirchliche Lehre von der ewigen Verdammnis. In der Tat trat Gerhard jetzt, nachdem er, wie er sagt, erst in Parchim zur völligen Entschiedenheit für „die spottweis sogenannten neuen Evangelisten“ gekommen, mit einer umfänglichen Verteidigung der Lehre „von der Wiederbringung aller Dinge“ hervor: „Systema ??????????????, d. i. ein vollständiger Lehrbegriff des Ewigen Evangelii von der Wiederbringung aller Dinge“, 1727. 4. Das Buch, dem jene Rostocker Weihnachtspredigt und ein umständlicher Bericht über seine Verhandlungen mit der Rostocker Fakultät angehängt ist, hat Gerhard dem berühmten Jenaer Theologen J. Fr. Buddeus gewidmet. Der Verfasser bekannte sich hier ganz zu der Richtung des bekannten Mystikers und Apokalyptikers Petersen, den er als seinen geistlichen Vater liebe und verehre. Das Buch wurde in Mecklenburg konfisziert, der Autor vor das Rostocker Konsistorium zitiert, eine Flut von Kontroversschriften erschien. Gerhard verließ Mecklenburg und ist 1738 in Altona gestorben. An seine Hauptschrift schließt sich noch „Supplementa, d. i. gründliche Rettung und Verteidigung etc.“, 1728 und „Kurzer Begriff des ewigen Evangeliums“, Altona 1729. 8. — Vgl. noch: Der theol. Fakultät zu Rostock redliche und deutliche Entdeckung der offenbaren Unwahrheiten, welche M. L. Gerhard etc., Rostock 1728. 4.

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