Froben - Uhle. - Pferdewechsel in der Schlacht bei Ferbellin

Aus: Zeitschrift für Preußische Geschichte und Landeskunde. Band 2
Autor: Schwartz, Wilhelm Dr. (1821-1899) Deutscher Philologe und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1865
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Preußen, Schlacht bei Ferbellin, Friedrich Wilhelm von Brandenburg, Beinamen
Dass Froben in der Schlacht bei Fehrbellin an der Seite des Kurfürsten in treuer Hingebung an seinen Dienst gefallen, ist eine Tatsache, die, wie sie durch gleichzeitige Berichte überliefert ist, von Niemandem bezweifelt wird. Ebenso wenig kann geleugnet werden, dass die Gefahr namentlich durch des Kurfürsten Schimmel, der weithin kenntlich, eine leichte Zielscheibe der Feinde war, hervorgerufen wurde, die Stückkugel also, die jenen traf, dem Kurfürsten gegolten, und er auch in dieser Hinsicht für ihn sein Leben gelassen habe; was bezweifelt wird, ist nur der Umstand, dass Froben durch den Pferdewechsel noch die Gefahr speziell gemehrt und den Tod ausdrücklich gleichsam auf sich genommen habe.

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Dies letztere Factum ist namentlich schon im vorigen Jahrhundert vom Ordensrat König aus dem Grunde angezweifelt worden, weil die Leichenpredigten auf Froben desselben keine Erwähnung tun*). Ich habe in einem zum Besten des Nürnberger Museums gehaltenen Vortrage über die Schlacht von Fehrbellin **) noch den Umstand zur Bestätigung der Ansicht von König beigebracht, dass in alten Gobelins des Königl. Schlosses zu Berlin v. J. 1693, welche die Aktion bei Fehrbellin darstellen, der Kurfürst auf einem Schimmel fortsprengt, während Froben auf einem Braunen daneben zusammengebrochen liegt. Wie ich ebendaselbst ausgeführt, sind die volkstümlichen, poetischen Traditionen von dieser Schlacht, wie sie sich namentlich an die Erstürmung Ratenows, an den Prinzen von Hessen-Homburg und an Frobens Tod knüpfen, hauptsächlich durch Friedrich den Großen in Cours gekommen, mag er sie nun aus Pöllnitz entnommen oder, wie ich auch erwähnt, bei seinem Ruppiner Aufenthalt selbst gleichsam aus dem Munde des Volks geschöpft haben. Ein interessantes Zeugnis nun über den angeblichen Pferdewechsel, welches ich zufällig jetzt hier in Ruppin gefunden, veranlasst mich, diesen Punkt noch besonders zu erörtern.

*) Vergl. Gansauge, Veranlassung und Geschichte des Krieges in der Mark Brandenburg im Jahre 1675, Berlin 1334. S. 83.
**) Abgedruckt im Wochenblatt der Johanniter-Ordens-Balley Brandenburg vom Jahre 1863.

Der Pferdetausch kommt, wie mir Herr Professor Preuß nachträglich mitgeteilt, zuerst bei Gundling vor in seiner Geschichte des Großen Kurfürsten vom Jahre 1703, wie sie handschriftlich auf der Berliner Bibliothek sich befindet. Während nämlich u. A. der Prinz von Hessen-Homburg in einem Briefe vom 19. Juni vom Schlachtfelde einfach schreibt: „der ehrliche Frobenius tod mit einem Stücke kein Schritt vom Kurfürsten“, und die Leichenpredigten nur Frobens treues Ausharren beim großen Kurfürsten rühmen, heißt es dann bei Gundling in weiterer Ausmalung der Schlachtszene: „Der Kurfürst nahm sich hierauf einige Regimenter von dem linken Flügel und ging darauf in die Feind, auf welche der Feind ungemein canonicirte, so dass der Churfürst sein Pferd verwechselt, weilen solches allzuleicht konnte erkannt werden, welches er seinem Stallmeister Frobenio, dessen Familie sich noch im Lande aufhält, gegeben, welcher aber gleich durch einen Stück-Schuss erlegt worden, woraus man sähe, dass die Schweden Nachricht bekommen, was der Churfürst vor ein Pferd geritten“. Dieselbe Form der Erzählung findet sich dann, nur noch mehr ausgeschmückt, bei Pöllnitz und Friedrich dem Großen und ist seitdem die gangbarere geblieben, welche, von Poesie und Kunst verherrlicht, ins Volksbewusstsein übergegangen ist. Ich habe in dem obenerwähnten Vortrage darauf aufmerksam gemacht, dass sich der Pferdewechsel leicht schon als das Resultat eines volkstümlichen Kalküls an die feierliche Bestattung Frobens in Berlin könne angeschlossen haben. „Froben war“, meinte ich, „dem Volke nicht der Kammerherr v. Froben, der Verlobte einer kurfürstlichen Hofdame, er war einfach des Kurfürsten Stallmeister, und wenn seine Leiche nach Berlin geführt und dort feierlich beigesetzt wurde, — was uns vom Standpunkt des Kurfürsten ganz erklärlich erscheint, — so schien dies dem Volke doch, wie der gemeine Mann sagt, noch einen besonderen Haken zu haben, und den fand man am Natürlichsten darin, dass er nicht durch seinen Tod bloß, wie Viele, dem Kurfürsten die Treue bewährt, sondern gerade als Stallmeister sich irgendwie hervorgetan haben müsste, usw.“ Ich halte diese Ansicht immer noch fest als ein Moment, welches die erwähnte Tradition besonders befördert haben mag; das neue Zeugnis aber zur Sache, welches ich beibringen werde, zeigt, dass wirklich ein Pferdewechsel, nur nicht von Frobens Seite, stattgefunden. Die Sache selbst hat Herr v. Kessel in seinem Buche über Henning von Tressenfeld (Stendal 1863) angeregt, indem er S. 62 neben Frohen auch den Leibjäger Uhse dem Kurfürsten den Pferdewechsel anbieten lässt, wofür Uhse dann, wie das Kirchenbuch von Sentzke berichtet, die einträgliche Landjägerstelle in Alt-Ruppin erhalten habe. Nach den mir inzwischen von den Herren Geistlichen sowohl zu Sentzke im Havellande als zu Lentzke im Ländchen Bellin gewordenen Mitteilungen ergaben beide Kirchenbücher zwar nicht das Gewünschte, so dass hier ein Irrtum vorliegen muss; vergeblich auch suchte ich in Alt-Ruppin Anknüpfungspunkte, die alten Akten des Domänenamts sind meist nach Berlin gewandert, und die Kirchenbücher reichen nicht so weit; aber Feldtmanns Miscellaneen sollten unerwartet eine ganz neue Auskunft über die Sache geben. Bekanntlich ist Feldtmann, Doktor und Senator zu Neu-Ruppin, der sorgfältigste Sammler allerhand historischer Reminiszenzen der hiesigen Gegend gewesen, so dass nach dem Brande Neu-Ruppins, der Archive und alles Ähnliche zerstörte, er fast allein die Quelle ist, aus der Bratring und Riedel über die hiesige Gegend geschöpft haben. Seine Zuverlässigkeit ist unbestritten. Außer dass er Manuskripte und dergleichen genau kopierte, hat er auch mannigfache, auf allgemein geschichtliche, lokale oder Familienverhältnisse sich beziehende mündliche Zeugnisse genau notiert. Indem er nun verschiedene Angaben über die damaligen hiesigen Familien Lietzmann und Köppen zusammenstellt, bringt er unbeabsichtigt Licht in die Szene der Fehrbelliner Schlacht. Neben Froben sehen wir einen Leibjäger Uhle, nicht Uhse, der dem Kurfürsten sein Pferd aufnötigt, und dem es unter dem Leibe erschossen wird. Ich führe das Zeugnis vollständig an, damit die Unbefangenheit des Berichts desto deutlicher hervortrete. Feldtmann sagt Teil II. S. 390. Die Frau Wittwe des seel. Bgstrs. Koppen sagte mir 1761 Sept. V. a. IX. *): der Bgstr. Stintmann zu Wusterhausen an der Dosse sei ein Sohn des hiesigen Creiß - Einnehmers Stintmanns der auf den Creiß-Einnehmer Köppen gefolgt ist und im Eckhause am Seethore des jetzig michel Protzens gewohnt hat. Der Creiß-Einnehmer Köppen hat am Neuen-Markte nach dieser hin neben dem Hanse gewohnet, darin sie selbst noch wohnet, und habe dies Haus, darin gebrauet worden, von einem Färber gekauft. Der gedachte Creiß-Einnehmer Köppen ist hernach Senator geworden, war ein Sohn des hiesigen Senatoris Köppen der aus Brandenburg hergekommen, (daher kam also die Verwandtschaft der Frau Generalin Schultze so eines Bgstr. Zu Brandenburg Tochter war) Ihr der Fr. wl. Bgstr. Köppen eigener Vater war der Landjäger Uhle zu Alt-Ruppin, dessen HE. Vater zu Nürnberg und daselbst Ober-Förstmeister gewesen, aber viele Söhne gehabt. Dieser Sohn reisete in Europa z. B. England an den Höfen herum, kam auch nach Berlin, und sahe wie Churfürst Friedrich Wilhelm die Soldaten auf der Pararade besahe, der frug ihn und trug ihm an, bei ihm Leibjäger zu werden, dieser nahm es an, kam ihm wenig von der Seite, reiste mit ihm in den Krieg haerum, war auch mit der Expedition in Rathenow, wo er die Frau des Schwedischen Generals vom Notzüchtigen errettete und forthalf, **) und in der Schlacht bei Ferbellin, wo er dem Chrufürsten sein Pferd anzwang, und sich auf des Churfürsten weißes Pferd setzte, das unter ihn erschossen ward. Er bekam zwei Blessuren in einer Lande, ward sehr jung, etwan etl. 20 Jahre alt, Landjäger und starb etliche und 40 Jahre alt, als sie noch so klein war, daß sie ihn nicht kannte***). Auf ihn folgte in der Charge Gartzweiler, auf diesen Bock und auf diesen der jetzige Becker. Der Churfürst liebte Uhlen sehr wegen seiner Ehrlichkeit, schoss ihm aber aus einem Irrtum das Gesicht voll Hagel anstatt dass er meinte auf einen Hasen zu schießen. HE. Köppen war vor HE. Stintmann usw. Nach diesem Zeugnis von Uhlens eigener Tochter ****) liegt die Sache jetzt ziemlich klar, und was die Wahrheit nötigt, dem Uhle zuzulegen, kommt doch in anderer Weise denn dem Froben auch zu gut, vor allem aber lässt es die Szenerie desto großartiger, die Gefahr, der sich der Kurfürst aussetzt, desto bedeutender erscheinen.

*) War damals 66 Jahre alt, denn nach dem hiesigen Kirchenbuche ist Emerentia Köppin, geb. Uhlin, des Bürgermeisters Gottfried Köppen nachgelassene Witwe, hier am 26. November 1769 im Alter von 74 Jahren gestorben.
**) Bekanntes historisches Factum
***) Uhle kann in der Schlacht von Ferbellin hiernach erst gar ganz im Anfang der Zwanziger gewesen sein, wenn er, als er starb „etliche und 40 Jahre“ alt war. Er ist nämlich Ende 1699 oder Anfang 1700 gestorben, wie sich aus dem gleichfalls von Feldmann abgeschriebenen Kirchenbuch der reformierten Gemeinde zu Neu-Ruppin ergibt. Dort figuriert er nämlich den 14. Oktober 1699 noch als Pate, den 22. April 1700 aber lässt sein Nachfolger Gartzweiler (als Landjäger im A. R. ausdrücklich bezeichnet) schon taufen. Weitere Angaben, namentlich wann er die Stelle erhalten, fehlen, nur 1688 wird er bei Feldmann II. S. 410 in einer „Klage wider Giesen“ genannt.
****) Uhles Familie ist noch lange hier in der Gegend gewesen, wie auch noch ein Vorwerk nach ihnen den Namen führt.

Wir sehen, wie der große Kurfürst im Getümmel der Schlacht durch seinen Schimmel namentlich den Kugeln der Feinde ausgesetzt ist, und ebenso wie sein Leibjäger Uhle demselben sein Pferd anzwang, d. h. anfnötigte, und des Kurfürsten Schimmel bestieg, welcher dann unter ihm erschossen ward, so lag andererseits schon der Stallmeister Froben von einer Stückkugel darniedergestreckt da. Und wenn wir uns nun diese Situation in ihrer Entwicklung vergegenwärtigen, liegt es ziemlich nahe, anzunehmen, dass der Stallmeister Froben auch schon dem Kurfürsten dasjenige geraten, was ihm der Leibjäger Uhle dann, nachdem Froben kaum einen Schritt von dem verhängnisvollen Schimmel gefallen war, wirklich abnötigte, nämlich das Pferd zu tauschen. Beide, Froben wie Uhle, sind, wie sie dieselbe Hingebung gezeigt, indem der eine nur einen Schritt vom Kurfürsten gefallen, dem andern des Kurfürsten Pferd, kaum, dass er es bestiegen, unter dem Leibe erschossen worden, sicherlich auch gemäß ihres Amtes in ihrem Rat vorher eins gewesen, nur Uhle hat es, nachdem Froben durch seinen Tod die Gefahr noch sichtlicher dokumentiert, erst durchgesetzt, dass der Pferdetausch stattfand. Ihm dem Überlebenden hat es der dankbare Kurfürst lohnen, und dem jungen Mann, denn das war er, wie wir gesehen, eine einträgliche, gute Stelle geben, *) jenem aber es nur mit ehrenvollem Begräbnis gedenken können. Wenn aber das preußische Volk an der Stätte, wo auf märkischem Sande der Grund gelegt ist zum preußischen Staate, in idealem Drange dem Gefallenen die Sieges- und Ruhmespalme, nach der auch er gestrebt, gereicht hat, so muss die Geschichte doch gerecht sein und Jedem das Seine geben. —

*) Die Alt Ruppiner Landjägerstelle ist nicht mit einer jetzigen Försterstelle zu vergleichen; es war mindestens eine Art Oberförsterstelle, die Uhle zumal in vielfachen Beziehungen zum Kurfürsten, der seinen Gefallen von Anfang an an ihm gehabt, bleiben ließ und auch noch andere Extraordinaria als Schrotkörner eingetragen haben wird.

Nachschrift.

Um die Glaubwürdigkeit des Zeugnisses der Uhle'schen Tochter übrigens noch mehr hervorzuheben, stelle ich demselben noch nachträglich eine Stelle aus einer Gedächtnisrede auf Frobens jüngeren Bruder gegenüber v. J. 1694. Es gibt einen „Wohlverdienten Nachruhm (von C. Fr. Lau, O.) auf den Hoch- und Edelgebohrenen und Besten Herrn Jacob Christoph von Froben Weiland S. Churfürstl. Durchl. zu Brandenburg wohlbestallten Kammer-Junker und höchst meritierten Preußischen Stallmeister, Erb-Herrn von Quanditten, Dolginen, Taplicken u. s. w. Welcher nach einem hitzigen Fieber von wenig Tagen, den 13. Aprilis 1694, da eben der dritte Ostertag nach dem Neuen-Kalender war, unverhofft, aber selig verstorben, und den 4. Tag May-Monats christlich und standmäßig, wiewohl Seinem Begehren nach, ohne Gepränge auf dem reformierten Kirchhofe in Königsberg beigesetzet ward.“ — In diesem Nachruhm heißt es nun in Verherrlichung des Amtes als Stallmeister: „Es haben auch in sothaner Betrachtung Könige und Fürsten, die berittensten von Adel am allerliebsten um Ihre geheiligte Personen, ja es müssen Ihnen Ihre Stallmeister am nächsten immer sein, denen Sie Ihr Gewehr zur Verwahrung überlassen; in welchem Absehen der Groß - Stallmeister in Frankreich seinem Wappen-Schilde das Königliche Schwerdt, von beiden Seiten beigefüget. Sich selber vertrauen Sie Ihren Stallmeistern in Erwählung der Pferde, die Sie reiten wollen, und halten Sich bei Ihnen in der größten Gefahr am sichersten; wie dann zu des Nahmens derer von Froben unsterblichem Lobe unsers wolsel. Hn. Stallmeisters ältester Bruder, Hr. Emanuel von Froben im J. 1675 den 28. Jun. in der bekannten Fehrbellinischen Schlacht Seiner Hochseeligen Churfürstl. Durchlaucht Friedrich Wilhelmen, glorwürdigsten Andenkens, als dero getreuer Stallmeister, durch eine Kanon-Kugel von der Seite gerissen, und also zugerichtet worden, dass er wenig Stunden hernach auf der Wahlstatt seinen Geist aufgegeben.“ Dieses Zeugnis und Bekenntnis gleichsam von Froben'scher Seite erklärt andererseits auch zur Genüge, weshalb des Obigen Gemahlin Maria Kallheim, als sie am 25sten Juni 1683 in den Adelstand erhoben wurde, vom Großen Kurfürsten ein weißes Pferd in ihrem Wappen erhalten hatte. Es ist dies kein Hinweis auf die Schlacht von Fehrbellin, sondern die der Kurfürstlichen Stallmeisterfamilie, um so zu sagen, angehörige Dame erhielt als Symbol der Verdienste derselben des Kurfürsten Lieblingspferd, einen Schimmel, im Wappen, gerade wie oben gesagt, dass der Großstallmeister in Frankreich seinem Wappenschilde das Königl. Schwert von beiden Seiten beifügen durfte. — Neu-Ruppin, den 13. November 1864. W. S.
Schwartz, Wilhelm Dr. (1821-1899) deutscher Philologe und Schriftsteller

Schwartz, Wilhelm Dr. (1821-1899) deutscher Philologe und Schriftsteller

Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) trug den Beinamen: der Große Kurfürst

Friedrich Wilhelm von Brandenburg (1620-1688) trug den Beinamen: der Große Kurfürst