Fritz Schlagenteufel.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Hühnengräber, Bergen, Rügen, Patzig
Ich habe schon gesagt, wie Mancher reich und vornehm geworden ist, dem es gelang, von den unterirdischen Zwergen, die auf Rügen hausen, etwas in seine Gewalt zu bekommen. Einen Beweis davon gibt Fritz Schlagenteufel. Der lebte vor vielen Jahren und war ein armer Schäferjunge zu Patzig, eine halbe Meile von der Stadt Bergen. Eines Morgens fand er zwischen den Hühnengräbern, die dort auf der Heide liegen, ein kleines silbernes Glöckchen. Das war von der Mütze eines braunen Zwerges, der es in der Nacht beim Tanze im Mondschein verloren hatte; zu seinem großen Unglück, denn nächst dem Verluste ihrer Mütze selbst, oder ihrer Schuhe, haben die Zwerge keinen schlimmeren Verlust als den des Glöckleins, so sie an der Mütze tragen, und des Spängleins an ihrem Gürtel. Sie können bei solchem Verluste nicht eher schlafen, als bis sie das Verlorne wieder herbeigeschafft haben. Darum grämte sich der arme Zwerg sehr, der das von Fritz Schlagenteufel gefundene Glöcklein verloren hatte. Um sein Unglück aber voll zu machen, durfte er in der ersten Zeit noch nicht wieder aus seinem Berge heraus; denn die Zwerge dürfen nicht immer, sondern nur wenige Tage im Jahre auf die Oberwelt kommen. Als er endlich herauskam, da war sein Erstes, dass er sein verlornes Glöcklein suchte. Er konnte es lange nicht finden; denn Fritz Schlagenteufel war unterdes von Patzig weggezogen nach Unruh bei Gingst, wo er Schäferknecht geworden war. Endlich kam der Zwerg auch hierher, und sah sein Glöcklein, wie der Schäfer, der auf dem Felde seine Schafe hütete, damit klingelte. Geschwinde verwandelte der Zwerg sich nun in eine alte arme Frau, und suchte dem Schäfer das Glöcklein mit glatten Worten abzuschwatzen. Das wollte ihm aber nicht glücken, denn Fritz Schlagenteufel wollte das schöne, hellklingende Glöcklein nicht von sich geben. Er zog daher zuletzt ein weißes Stäbchen hervor, das er dem Schäfer für sein Glöcklein anbot, dasselbe preisend, dass er damit allerlei Zauberei verrichten könne. Darauf ging Schlagenteufel ein, und der Zwerg bekam das Glöcklein zurück.

Das weiße Stäbchen war wirklich ein Zauberstab, der es machen konnte, dass alles Vieh, so damit getrieben wurde, vier Wochen früher fett ward, und zwei Pfund Wolle mehr trug, als anderes Vieh. Dadurch wurde denn Fritz Schlagenteufel in wenig Jahren der reichste Schäfer auf ganz Rügen, und kaufte sich zuletzt ein Rittergut, nämlich Grabitz bei Rambin, und wurde selbst ein Edelmann. Seine Nachkommenschaft blüht noch.

E. M. Arndt, Märchen u. Jugenderinnerungen, I. S. 229-235.
Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller