Friedrich Techen †

Autor: Hugo Lübetz, Erscheinungsjahr: 1936
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Friedrich Techen, wissenschaftler, autor, wandsbek, Ratsarchivar, archivrat, wismar
Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde Bd. 100, 1936
Einleitung zu Friedrich Techen

Das Jahr 1936 nahm der hansischen Geschichtsforschung einen ihrer Meister: Friedrich Techen. Er ist nach einem wissenschaftlich überaus fruchtbaren Leben am 30. März 1936 in Wandsbek im 77. Lebensjahr gestorben. Dort hatte er, nachdem er seine Tätigkeit als Ratsarchivar - zuletzt mit dem Titel Archivrat - der Stadt Wismar nach mehr als einem Vierteljahrhundert 1930 beendet hatte, seine letzten Lebensjahre im Hause seines treu um ihn besorgten Neffen, des Stadtrats Techen, verbracht.

Friedrich Techen wurde am 12. Juni 1859 in Wismar als Sohn des Buchbinderältesten Georg Techen geboren. Er besuchte das Gymnasium der Großen Stadtschule und diente auch in seiner Vaterstadt als Einjähriger. Er studierte dann in Tübingen, München, Leipzig und Göttingen alte Sprachen, Deutsch und Geschichte, promovierte 1886 mit der Schrift „Die Lieder des Hern Jacob von Warte“ und bestand im gleichen Jahre auch seine Staatsprüfung für das Lehramt an Höheren Schulen. Seine ersten Schuldienstjahre leistete er in Schwerin und Doberan ab. Er wandte sich aber bald der Geschichtsforschung seiner Heimatstadt zu und schied deshalb aus dem Schuldienst aus. Denn unter der Anleitung seines „väterlichen Freundes“ (so sagte Techen selbst) Dr. med. Friedrich Crull, des aus zahlreichen Beiträgen zu unsern Jahrbüchern weiten Kreisen bekannten Forschers unseres Wismar, vertiefte sich Techen von 1889 an schnell so in die Schätze des Ratsarchivs, daß die Stadt ihn schließlich im Oktober 1904 zum Ratsarchivar - nur für Techen auf Lebenszeit, nicht als Dauereinrichtung wurde dieses Amt geschaffen - ernannte.

Bis dahin war schon eine Reihe wesentlicher Werke aus Techens rastloser Feder hervorgegangen. Seine erste größere Arbeit waren „Die Wismarschen Unruhen im ersten Drittel des funfzehnten Jahrhunderts“. Unterstützt von Crull, bereitete Techen den Wismar enthaltenden 2. Band der „Kunst- und Geschichtsdenkmäler des Großherzogtums Mecklenburg-Schwerin“ von Schlie vor, so daß dieser im Vorwort gestand: „ohne die trefflichen Vorarbeiten des überaus fleißigen und gewissenhaften Herrn Dr. Friedrich Techen für die Altertümer der Stadt Wismar wäre der zweite Band, welcher den ersten an Umfang übertrifft, nicht so schnell fertig geworden, wie es jetzt der Fall ist“. 1901 veröffentlichte Techen die aufschlußreichen „Straßennamen Wismars“. 1904 erschien die grundlegende Arbeit „Die Gründung Wismars“ (Hans. Geschichtsblätter 1903). Unendliche Mühe ließ Techen der Anfertigung mehrerer Register zu den Bänden des Mecklenburgischen Urkundenbuches angedeihen.

1904 wurde Techen dann als Ratsarchivar angestellt.

Bald erschienen zwei größere Werke: „Die Bürgersprachen der Stadt Wismar“ (1906) und „Die Chroniken des Klosters Ribnitz“ (1909). 1912 gab Techen das inhaltreiche älteste Wismarsche Stadtbuch heraus. Er beteiligte sich in diesen Jahren auch an der Herausgabe der Hanserecesse, von denen er den 8. und 9. Band zusammen mit Dietrich Schäfer bearbeitete.

Zum elfbändigen Urkundenbuch der Stadt Lübeck hat Techen einen umfangreichen Registerband verfaßt, an dem er zehn Jahre gearbeitet hat. Er ist vor allem in seinem Sachwortregister außerordentlich wertvoll. Er erschien aber erst 1932.

Im Jahrbuche 1927 (91) erschien die umfassende und gründliche Arbeit „Das Haus zum Heiligen Geist zu Wismar“.

Die Krönung seiner wissenschaftlichen Lebensarbeit ist die meisterhafte „Geschichte der Seestadt Wismar“ von Friedrich Techen (1929), ein Lebenswerk im strengsten Sinne des Wortes, denn fast alle seine Arbeiten zur Wismarschen Geschichte bis dahin waren doch nur Vorarbeiten zu diesem seinen Hauptwerk. Es sollte Techens letztes Werk sein. Er hatte es bereits früh begonnen und im wesentlichen schon im Weltkrieg vollendet. Er schenkte es seiner Vaterstadt zur Siebenhundertjahrfeier.

Aber hinsichtlich Zeitaufwand und Mühe viel umfassender als alle diese genannten und die viel zahlreicheren anderen Veröffentlichungen ist doch die Arbeit, die Techen dem Ratsarchiv selbst gewidmet hat. Wenn Crull auch schon manche Ordnungsarbeiten durchgeführt, vor allem in unermüdlichster Arbeit zahlreiche Urkundenabschriften, ja ganze Buchabschriften in einem Umfange durchgeführt hatte, daß der, der sie näher kennen lernt, glauben mag, er stehe vor mehr als nur eines Menschen Lebensarbeit, so war doch noch sehr viel zu tun, um das Archiv, das bis dahin ein Stiefkind der städtischen Verwaltung gewesen war, wissenschaftlich zu ordnen, einer wissenschaftlich notwendigerweise anspruchsvollen Benutzung und weiteren Forscherkreisen zugänglich zu machen. Alle die Tausende von Akten gingen durch seine ordnende Hand. Abertausende von Registerzetteln entstanden. Bei keiner einzigen Akte fast kann man Techens Arbeit übersehen. Techen erst hat das Wismarsche Archiv zu einem zuverlässigen wissenschaftlichen Instrument gemacht. Jedem Gebiet der Heimatgeschichte wandte er seine Mühe und seinen Sammeleifer zu. Er pflegte alle Gebiete archivalisch gleichmäßig. Jeder, der die Früchte der Techenschen Arbeiten im Ratsarchiv benutzt, muß seiner Mühewaltung höchste Anerkennung und Dank zollen.

Die Techen noch persönlich gekannt haben und ihn in seinem Reiche, dem Ratsarchiv, das sich damals nach im zweiten Stock des Rathauses befand, aufsuchten, rühmen alle seine persönliche Liebenswürdigkeit und stete Hilfsbereitschaft. Er riet und half, wo und so oft er nur vermochte. Und er konnte aus seinem reichen Wissen überall raten und helfen.

Techens Forscherfleiß war unermüdlich, seine unbestechliche Kritik wandte er gegen sich genau so wie gegenüber anderen an. Er lebte ein äußerlich stilles und zurückgezogenes Gelehrtendasein. Er mied das laute Getriebe des Alltags. Um äußere Ehren war es ihm nie zu tun.

Aber Techens Arbeit war doch nicht nur auf das Archiv im engten Sinne beschränkt. Seiner Zusammenarbeit mit Crull verdanken wir die wertvolle, peinlich genaue Registrierung der Grabplatten der Kirchen Wismars. Auch die Grabsteine der Lübecker Kirchen hat er in der gleichen Weise verzeichnet. Diese Zusammenstellungen sind besonders wichtig und aufschlußreich gerade für unsere neue Familienforschung. Ferner kümmerte sich Techen zunächst als Helfer Crulls, dann nach dessen Tode (1911) allein um das Kulturhistorische Museum in der Alten Schule. Seiner und Crulls sorgsamer und unermüdlicher Sammeltätigkeit verdanken die beiden heutigen Museen unserer Stadt die Erhaltung und den Besitz vieler sonst damals wenig beachteter Altertümer.

Für die Ratsmünzensammlung, wohl die vollständigste Sammlung Wismarscher Münzen, fertigte Techen einen neuen (handschriftlichen) Katalog und ergänzte die Sammlung durch zahlreiche Neuerwerbungen.

Die von Crull begründete und nach ihm benannte Sammlung Wismarscher Bilder, Pläne, Karten usw. - sie ist im Besitz des Archivs - hat Techen mit großer Liebe dauernd ergänzt.

Große Anerkennung wurde der Arbeit Techens auch außerhalb Wismars zuteil. Unser Geschichtsverein, dem Techen seit 1886 angehörte, ernannte ihn am 16. April 1930, seinem letzten Arbeitstage im Archiv, zu seinem Ehrenmitglied. Dem Hansischen Geschichtsverein gehörte Techen - nach dem Tode Crulls auch als dessen Nachfolger im Vorstand - ebenfalls an. Der Verein für Lübeckische Geschichte verlieh ihm wegen seiner Verdienste um Lübecks Geschichte 1921 die Ehrenmitgliedschaft. 1934 ernannte ihn der Heimatbund Mecklenburg, Ortsgruppe Wismar, zum Ehrenmitgliede. Techen war korrespondierendes Mitglied der Gesellschaft der Wissenschaften zu Göttingen.
Friedrich Techen

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