Freimütiges Abendblatt. Achter Jahrgang. Schwerin, den 7ten April 1826. 01

Über die beabsichtigte Verbindung des Stillen mit dem Atlantischen Ozean
Autor: Redaktion - Freimütiges Abendblatt, Erscheinungsjahr: 1826
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Stiller Ozean, Atlantischer Ozean, Panama-Kanal, Umwwelt- und Naturkatatrophe, Überschwemmungen der Küstengebiete in Europa,
Ich habe immer gelesen, dass der Spiegel des Stillen Ozeans sich um 23 Fuß höher erheben soll, als der Spiegel des Atlantischen Ozeans, daher die Anlegung eines Kanals durch die Erdenge von Panama etc. sehr großen Schwierigkeiten unterworfen, und — sehe ich hinzu — für die von Amerika östlich belegenen Länder von den schrecklichsten Folgen sein dürfte, um so mehr, da der Stille Ozean, nach Abrechnung der beiden Polarmeere, wie Gaus durch Messungen gefunden haben will, eine Oberfläche von 2.380.000 geographischen Quadratmeilen umfasst. Ich bin daher der Meinung, dass, wenn die frühere Annahme richtig ist, die Durchstechung der genannten Meerenge die Überschwemmung aller niedrigen Küstenländer am atlantischen Ozean, an der Ostsee, am Mittelmeer, am Schwarzen Meere usw. zur Folge haben müsste, ja, bei einer Erhebung des Spiegels der östlich von Amerika belegenen Meere von etwa 12 Fuß, würde wenigstens Holland großen Teils schon untergehen.

Aber in dem politischen Jurnale (Oktober-Heft 1825) heißt es: „Es wird die Eröffnung des großen Kanals merkwürdige Folgen haben: denn da der atlantische Ozean 49 Fuß höher als der Stille Ozean ist: so wird der Sturz des Wassers ungeheuer sein und wahrscheinlich eine Meerenge, von der Breite der Straße von Gibraltar, ausreißen.“

Wir wollen hoffen und wünschen, dass die letzte Berechnung richtig sei. Aber verhält sich dies wirklich also, so müssen alle, am atlantischen und an den übrigen, östlich von Amerika gelegenen Meeren liegende Küstenländer ungemein gewinnen, und es ist unter diesen Umständen nicht unmöglich, dass manche bisherige Seehäfen aus der Reihe der Häfen gestrichen werden müssen, wie auch z. B. Wismar und Rostock. Denn um so viel die Ostsee fällt, um so viel fällt natürlich auch die Warnow, und wenn der Hafen von Wismar 42 Fuß an seiner Tiefe verlieren sollte, ist ist die Frage, ob er dann noch brauchbar sein wird?

Hiergegen aber wird man erinnern: da das atlantische Meer kein rein abgeschlossenes Meer ist, sondern mit dem südlichen und nördlichen Polarmeere, und durch diese selbst schon mit dem stillen Meere in Verbindung steht: so kann die Senkung seines Spiegels, wenn der Kanalbau zu Stande kommt, so bedeutend immer nicht sein, da vom Norden und vom Süden der Zufluss eben so stark sein wird, als der Abfluss. Doch muss ich bekennen, dass die Durchstechung der Landenge mir ein sehr gewagtes Unternehmen zu sein scheint, indem dadurch offenbar die Ruhe und das Gleichgewicht aller Meere auf der ganzen Oberfläche der Erde gestört wird. Gewiss nicht ohne wohltätige Absichten erbaute die göttliche Vorsehung den starken Wall, der bisher das atlantische Meer von dem stillen Meere trennte. Kann ein Mensch überhaupt die Folgen berechnen, die ein solcher Durchbruch des Meeres hat? — das glaube ich schwerlich! Wenn nur nicht der, immer nur nach Gewinn spähende Geist der Engländer hier etwas unternimmt, was von sehr unglücklichen Folgen für die Menschheit sein mag!

Über diese Besorgnis die Stimme eines Mannes von Einsicht zu vernehmen, fühle ich mich veranlasst, diese Zeilen dem Drucke zu übergeben.
Flörke in K. Mulsow.

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