Empfehlung des Kirchenbesuches in der Nähe von Schwerin

Aus: Deutsche Sagen: Herausgegeben von Heinrich Pröhle
Autor: Pröhle, Heinrich (1822-1895) deutscher Lehrer und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1869
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg, Schwerin, Sagen und Märchen
Anno 1567 kam ein Wandersmann zu einem Weibe in einem Dorfe, eine Meile von Schwerin, und fragte, ob nicht gepredigt werde. Da es nun während der Kirche war, so antwortete das Weib: ja. Der Wandersmann fragte weiter, warum sie selbst denn nicht in die Kirche ginge. Das Weib sprach: „was sollt' ich in der Kirche machen? Ich müsste vielmal zur Kirche gehen, ehe ich einmal satt würde." Der Wandersmann sprach: „Frau, Ihr redet lästerlich; fürchtet Ihr auch Gott? Gehet Ihr auch zum Nachtmahl des Herrn?" — „Was Nachtmahl des Herrn", sprach das Weib, „eine Schüssel voll Kraut ist besser als des Herrn Nachtmahl." Da kam bald der Teufel wie eine große Maus, lief dem Weibe unter die Kleider und verbrannte sie so, dass die Haut ihres Leibes an etlichen Stellen gar schwarz wurde, und führte sie hernach mit sich in die Luft. Als aber für das Weib das gemeine Gebet geschah, brachte sie der Teufel nach wenigen Tagen wieder in ihr Haus.

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