Eine andere Erzählungsweise über das Ende des gorlosener Raubritters

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Gorlosen, Raubritter, Grabow, Albrecht VII. von Mecklenburg-Güstrow, Martin von Waldenfels, Albrecht VII. von Mecklenburg, Latomus
Als einst in der Neujahrszeit, wo gerade sein holdes Weib jeden Augenblick ihre Niederkunft mit banger Sorge erwartete, der Ritter wieder zu Raub und Plünderung ausziehen wollte, da flehte jene ihn wiederholt an, doch jetzt bei ihr zu bleiben, sie nicht zu verlassen in der nahen schweren Stunde, ihr ahne nichts Gutes. Hart und gefühllos aber stieß er zuletzt das ihn umklammernde arme Weib von sich, dass sie blutend zu Boden stürzte und stürmte dann hohnlachend davon.

In derselben Stunde da bald hiernach die unglückliche Burgfrau ein totes Söhnlein gebar und ihren Geist dabei aufgab, fiel auch der Ritter, ihr schändlicher Gatte, im Kampfe beim Überfalle eines von Bewaffneten begleiteten, Lübecker Kaufleuten gehörenden Warenzuges, weshalb sein ruheloser Geist auch noch jetzt, namentlich in der Neujahrsnacht, spukend in Gorlosen umherzieht.

Die Schätze des Ritters sieht man ebenfalls mitunter noch in der Richtung des unterirdischen Ganges nach der Elde hin brennen, deren Hebung aber noch Keiner zu versuchen wagte, da sie vom Bösen selbst bewacht werden sollen.

                                    *************

Nach Aufzeichnung alter Geschichtsschreiber, namentlich des Latomus, sowie nach einem mir vorliegenden Auszuge über den Aufbau der Kirche zu Gorlosen, aus dem Kirchenbuche daselbst, ist vorgedachter Raubritter wahrscheinlich Marten oder Martin von Waldenfels gewesen, der letzte adlige Besitzer der Burg Gorlosen.

Derselbe hatte nämlich dem Könige Christian III. von Dänemark ums Jahr 1535, als er in Gefahr schwebte von den Lübeckern und dem Mecklenburgischen Herzoge Albrecht VII.*) oder dem Schönen entthront zu werden, mit einer Anzahl Kriegsvolk Hilfe geleistet, wofür er eine bedeutende Entschädigungssumme forderte, die er aber trotz öfteren Erinnerns, sowohl beim Könige, als auch bei dessen Rat, nicht erhalten konnte. Der Ritter wütend hierüber, nahm deshalb am 26. August 1545, wo sich ihm gerade eine günstige Gelegenheit hierzu bot, des Königs von Dänemark Rat Balthasar von Rantzau, der zugleich auch Bischof von Lübeck war, gefangen und führte ihn auf seine Burg Gorlosen. Als der Bischof fünf Jahre später, 1550, in seiner Gefangenschaft gestorben war, wurde Ritter Martin von Waldenfels wegen dieser und vieler anderer Gewalttätigkeiten in die Acht erklärt, seine Güter von Mecklenburg eingezogen und er von dannen gejagt, wonach er im Jahre 1560 in großer Armut verstorben sein soll.

*) Albrecht VII., Herzog von Mecklenburg-Güstrow, wurde am 25. Juli 1486 geboren, regierte vom 22. Dezember 1534 und starb am 7. Januar 1547.

Nachdem die Burg hiernach noch bis zum Jahre 1607 gestanden und zuweilen von herzoglich-mecklenburgischen Witwen bewohnt worden war, ließ sie der Herzog Carl von Mecklenburg*) in genanntem Jahre niederreißen und die Steine zum Baue des Schlosses, jetzigen Amtshauses zu Grabow verwenden. Auch die auf der Burgstätte stehende gorlosener Schmiede ist aus ihren Steinen erbaut.

Von der alten Burg sind jetzt also nur noch wenige Spuren vorhanden und diese bestehen in Schutthaufen, in verschiedenen Resten der alten starken Fundamentmauern und einem Teile des ehemals die Burg umgebenden Wallgrabens.

*) Carl I., Herzog von Mecklenburg-Güstrow, wurde am 28. September 1540 geboren, regierte vom 14. März 1603 und starb am 22. Juli 1610.
Fuhrmann in der Hansezeit

Fuhrmann in der Hansezeit

Edelfrau in der Hansezeit

Edelfrau in der Hansezeit

Jäger in der Hansezeit

Jäger in der Hansezeit

Kriegsmann mit Beute beladen

Kriegsmann mit Beute beladen

Angriff auf eine Burg

Angriff auf eine Burg

Kirchlicher Würdenträger in der Hansezeit

Kirchlicher Würdenträger in der Hansezeit