Ein sehr guter Heringsfang im Dezember 1864

Aus: Bauernzeitung
Autor: Redaktion: Bauernzeitung, Erscheinungsjahr: 1864
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Pommern, Fischer, Heringsfang, Fischerboote, Küste, Ostsee, Nordsee, Salzhering
Unseren Hausfrauen, welche einen guten Hering in ihrer Hauswirtschaft zu schätzen wissen, haben wir mitzuteilen, dass in diesem Jahre der Heringsfang ganz besonders gut ausgefallen ist, und dass es daher genug Heringe diesmal geben wird, was immer dahin zu wirken pflegt, dass diese in Deutschland und besonders auf dem Lande so beliebte Speise nicht gar zu teuer werde. Bis jetzt freilich stehen die Heringe im Preise noch nicht niedrig. Für die an der englischen Küste gefangenen Heringe zahlt man per 1.000 Stück bisher 16 bis 23 fl. – für die an der holländischen Küste gefangenen 9 bis 10 fl. Bis die Heringe in die Hände der Verzehrer kommen, werden sie immer noch ein gutes Teil teurer, denn umsonst können sie nicht zu uns herangeschafft werden. Während aber im vorigen Jahre, welches als ein sehr günstiges Jahr galt, bis Mitte des Monats etwa 17 1/2 Millionen Heringe eingebracht waren, hat man bis zu derselben Zeit in diesem Jahre schon 21 Millionen zugeführt, – also 3 1/2 Millionen mehr. Somit gibt’s in diesem Jahre je 7 Heringe zu verzehren, wo man im vorigen Jahre nur je 6 davon hatte. Es wird da nicht fehlen, dass dieses günstigere Verhältnis sich auch in einem geringeren Preise ausspricht.

Die Heringe wandern, d. h. natürlich die schwimmen aus den ganz eiskalten Teilen des großen Meeres, welches der atlantische Ozean heißt, in die wärmeren Teile dieses Meeres, sobald sie laichen, d. h. ihre Eier ablegen wollen, aus denen dann die jungen Fische wieder hervorgehen. Der Schöpfer hat diesen Tieren diesen Wanderungstrieb so tief eingelegt, dass sie’s in dem einen Jahre damit ebenso machen, wie in allen früheren Jahren, welche von jeher gewesen sind.

Man kann sich von den ungeheuren Zügen, in einen die Heringe ihre Wanderung ausführen, kaum eine rechtdeutliche Vorstellung machen. Die Züge sind oft bis 3 deutsche Meilen lang, bis 2 Meilen breit und bis 200 Klafter tief. Dabei schwimmen die Tiere eines dicht an dem anderen einher. Das Meer ist da, wo der Zug gerade ein herkommt, oft so mit Heringen angefüllt, dass die Schiffe in ihrem Laufe gehemmt werden und man die Fische aus dem Meere herausschaufeln kann. Die Heringszüge werden von einer unzählbaren Menge von Seevögeln begleitet, – ebenso von verschiedenartigen großen Fischen, namentlich den riesigen Walfischen. Allen diesen dienen die Heringe zur Nahrung.

Die Fischer an den Meeresküsten, welche nach jenen Gegenden zu liegen, kennen dies. Alles, auch die Zeit ganz genau, in welcher alljährlich der Zug von Heringen auf uns zu herabkommt. In zahlreichen Fahrzeugen – Heringschuiten – fahren sie hinaus und schätzt man, dass sie jährlich über tausend Millionen Heringe einfangen und auf ihren Schiffen da heimbringen. Diese eingefangenen Fische bilden immer noch den allerkleinsten Teil der wandernden Schaar – und doch soll. Einer sich nur einmal deutlich vorstellen, was die ungeheure Zahl von tausend Millionen Heringen bedeutet.

Trotzdem die Seevögel und die großen Raubfische keine kleine Anzahl von Heringen verzehren, und dazu die Menschen so ungeheure Mengen davon auffischen, – bleiben doch immer bei Weitem die Meisten davon übrig, so dass, nachdem die Jungen wieder hinzugekommen, doch immer wieder alle Jahre nicht geringere Mengen in großem Zuge daherkommen.

Die eingefangenen Fische werden zum Teile eingesalzen und nennt man diese wieder, wie schon zuvor, Heringe. Einen andern Teil aber räuchert man und werden diese dann Bücklinge genannt. Die Bücklinge sind also mitgemeint, wenn wir eben sagten, der reiche Heringsfang in diesem Jahre ließe erwarten, dass die Heringe diesmal etwas wohlfeiler sein werden, ohne deshalb schlechter zu sein.

Wir möchten dazu unsern Hausfrauen raten, wenn nämlich ihre Hausgenossen Freunde vom Heringsessen sind, – dass sie sich immer einige zusammentäten, um sich gemeinsam gleich ein ganzes Fässchen davon zu kaufen. Die Heringe halten sich, weil sie stark eingesalzen sind, sehr gut auf lange Zeit hin. Im Fässchen gekauft, kommen die einzelnen Heringe aber natürlich noch wieder viel wohlfeiler zu stehen.

So manche Speise lässt sich mit etwas Hering dazu viel schmackhafter bereiten und schon darum darum weiß eine gute Hausfrau diesen wohlfeilen Fisch anzuschlagen.

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Hart ist das Leben für die Fischer an der Ostsee.

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In der Saison wird jede Hand gebraucht

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