Doberan im Sommer 1837

Mit einer lithographierten Ansicht des neu erbauten Bade- und Logierhauses am Heiligen Damm bei Doberan.
Autor: Becker, J. H. Dr. (?-?) Großherzoglich Mecklenburg-Schwerinschen Geheimen Medizinalrat-Leibarzt und Badearzt zu Doberan., Erscheinungsjahr: 1838

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Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Mecklenburg-Schwerin, Bad Doberan, Heiligen-Dann, Heiligendamm, erstes deutsches Ostseebad, Großherzog Friedrich Franz, Badearzt Professor Gottlieb Samuel Vogel, Armen-Krankenhaus am Heiligen Damm, Badekur, allgemeine Baderegeln, Bade-Saison, Kurbetrieb, Logierhaus, Badehaus, Herrenbad, Damenbad, Universität Rostock, Doberaner Heilanstalt, Hufeland, Seebade-Anstalt, Kureinrichtung, Kurgäste
Zum Besten des Armen-Krankenhauses am heiligen Damm bei Doberan.

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Inhaltsverzeichnis
  1. Doberan-Heiligendamm unter dem Großherzog Paul Friedrich und seiner Frau der Großherzogin Alexandrine
Während des langen Zeitraums, seit Gründung der ersten Seebade-Anstalt in Deutschland am heiligen Damm bei Doberan, den 22. Juli 1793, war unstreitig das Jahr 1837, in Hinsicht dieses schönen Denkmals der Humanität des erhabenen Stifters desselben das denkwürdigste! Die Rückerinnerung daran gewährt allen zahlreichen Verehrern und Freunden Doberans reichlichen Stoff zu ernsten Betrachtungen, die sie, von der einen Seite, zu den wehmütigsten Empfindungen zu stimmen, von der andern aber sie wieder zu den frohsten Hoffnungen zu erheben, vermögen.

Am ersten Februar entriss der Tod den, von allen Mitgliedern Seines hohen Herrscherhauses nicht minder, als von Seinen getreuen Untertanen auf das höchste verehrten und mit der treuesten Anhänglichkeit heiß geliebten Fürsten, den Aller Durchlauchtigsten Großherzog und Herrn, Friedrich Franz.

Er ward, bald nach dem, mit allgemeiner, ungeheuchelter Teilnahme und frohem Jubel gefeierten vier und zwanzigsten April 1835, als dem Tage Seiner fünfzigjährigen, beglückenden Regierung, nach und nach immer mehr von den Schwächen des hohen Lebens-Alters ergriffen. Brachten die, während des Winters 1835/1836 auf mehrfache Weise sich einfindenden krankhaften Beschwerden den Hochgefeierten im Frühjahr des Jahres 1836 dem Grabe sehr nahe, so siegte damals Seine kräftige Natur und der teure Fürstliche Greis erholte Sich noch einmal im Verlaufe des Sommers, doch leider! nicht in dem Grade, dass Sein sehnlicher Wunsch, Seinen Lieblingsort Doberan zu sehn und Sich dieser Seiner Schöpfung zu erfreuen ungeachtet aller angestellten Versuche die Reise dahin zu machen, - realisiert werden konnte. - Bei dem hohen Grade der körperlichen Hinfälligkeit die den teuren Regenten größtenteils an das Bett fesselte blieb übrigens der Geist ungeschwächt; - mit kräftiger Hand führte Er, wie immer, bis zum Anfange des Jahres 1837 die Zügel der Regierung; - unterhielt Sich ohne bemerkbare Anstrengung, oft und lange, in gewohnter heiterer Stimmung, mit Seinen nächsten Umgebungen, und gab Sich fortdauernd der Hoffnung hin, bis zum nächsten Sommer, so viel an Kraft gewonnen zu haben, dass dann die Reise nach Doberan unternommen werden konnte.

Die Vorsehung hatte es indessen anders bestimmt, die im Januar so allgemein verbreitete Grippe verschonte den geliebten Fürsten nicht, es entwickelten sich bald heftige Fieber, welche den Rest der schwachen Lebenskraft schnell untergruben, und so den Teuren unaufhaltbar dem Grabe zuführten.

Die zahlreichen, allgemein anerkannten und gewürdigten hohen Verdienste des verewigten, geliebten Fürsten, um das Seinem Herzen so teure Mecklenburg zu schildern, gehört nicht hierher; - nur an die Verdienste zu erinnern, sei mir hier erlaubt. welche der hochselige Großherzog - Dessen sterbliche Reste nun in Borvins ehrwürdigen Kathedrale Seines Lieblingsortes ruhen - um die Stiftung der Doberaner Seebade Anstalt, um die Gründung so vieler, in diesem herrlichen Orte vereinigten, vielfachen, und auf das zweckmäßigste eingerichteten Heil-Anstalten - und um die Erhaltung des bestehenden Flors des großartigen Ganzen hatte: denn alles, was der Verewigte in dieser Hinsicht leistete, ist den dankbaren Herzen aller, die sich für Doberan interessieren, und die diesen Tempel der Hygieca als das sichere Asyl für so viele Leidende, in voller Überzeugung anerkennen, mit so unauslöschlichen Zügen eingeprägt, dass eine ausführlichere Darstellung ganz überflüssig sein würde.

Einige Wochen vor dem Hinscheiden des geliebten Fürsten, am 19. Januar, endete der Tod das Tatenreiche Leben des berühmten Geheimen Medizinalrats von Vogel in Rostock. Auch dieser ehrwürdige Greis unterlag den Folgen der Grippe. Der hochselige Großherzog empfing die Kunde dieser Trauerbotschaft mit sichtbarer Teilnahme und Rührung, unterhielt Sich mehrmals über diesen großen Verlust und befahl mir - dem bereits im Jahre 1811, wegen dermaligen Kränklichkeit des jetzt verewigten von Vogel, die Anwartschaft auf die Stelle eines Badearztes in Doberan von Sr. Königlichen Hoheit allergnädigst erteilt war - die Doberaner Heilanstalten fernerhin mit größter Sorgfalt zu leiten, ein Befehl, dessen möglichst eifrige, treue und gewissenhafte Ausführung mich auf das angelegentlichste beschäftigen wird, so lange die Vorsehung mir mein Leben fristet, und meine bisherige Gesundheit erhält!

Die Verdienste des verewigten, auch von mir höchstverehrten und aufrichtigst geliebten, teuren Freunden des liebenswürdigen, beinahe 87 Jahre alt gewordenen Greises, von Vogel, um die Heilkunde, sind so allgemein anerkannt und bewundert, dass es überflüssig wäre, hier auf sie wieder aufmerksam zu machen. Auch was der Verewigte für Doberan leistete, ist eben so allgemein rühmlichst anerkannt, als Seine Tätigkeit es war, mit der Er die vielseitigen Schwierigkeiten, als Badearzt zu fungieren, bis fast in den letzten Jahren auf eine Art beseitigte, die allen, welchen Er in Doberan Ratschläge in ärztlicher Hinsicht erteilte, noch in dankbarer Erinnerung sein wird. Wenn gleich es mir als bereits seit mehreren Jahren angestelltem zweiten Badearzt oblag, den ehrwürdigen Greis möglichst in Seinen Geschäften zu unterstützen, und ich es für Pflicht hielt, dieses auf eine, von aller Anmaßung entfernte Art zu tun, so lehnte Er doch oft meine Anerbietungen in dieser Hinsicht ab, und, erst im Jahre 1834 willigte er ein, mir die Behandlung der, in dem - schon im Jahre 1809 von der Freimaurer Loge, zum Tempel der Wahrheit, in Rostock, gestifteten und von dem hochseligen Großherzoge Friedrich Franz reichlich dotiertem Armen-Krankenhause am Heiligen Damm - aufgenommenen Kranken gänzlich zu übertragen, indem Er Sich zur Leitung dieses Instituts doch körperlich zu schwach fühlte, insbesondere wegen Seines merklich abnehmenden Gedächtnisses. Dagegen gab Er noch während Seiner letzten Anwesenheit zu Doberan, in der Saison des Jahres 1836, erfreuliche Beweise Seines fortdauernden, besonders hoch zustellenden diagnostischen Scharfsinns in Beurteilung schwieriger Krankheitsfälle, und richtiger Beurteilung, in Hinsicht der Anordnung der anzuwendenden Heilmethode. Nicht minder benutzte Er fortdauernd, wie immer, jeden ruhigen Augenblick, um die neuesten literarischen Produkte durchzusehen, und sich sofort das wichtigste aufzuzeichnen.

Der Tod dieses edlen Greises bleibt jedenfalls ein großer Verlust für die Wissenschaft, nicht minder für die leidende Menschheit. Heil und Segen der Asche dieses ehrwürdigen Veterans der deutschen Ärzte!
Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin.

Herzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg-Schwerin.

Vogel, Gottlieb Samuel Dr. med. (1750-1837) Professor der Medizin in Rostock, Badearzt in Doberan-Heiligendamm, gilt als Vater des deutschen Seebades

Vogel, Gottlieb Samuel Dr. med. (1750-1837) Professor der Medizin in Rostock, Badearzt in Doberan-Heiligendamm, gilt als Vater des deutschen Seebades

Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Kamp mit dem Herzoglichen Palais.

Der Kamp in Doberan.

Der Kamp in Doberan.

Das Stahlbad zu Doberan.

Das Stahlbad zu Doberan.

Die Kapelle in Althof.

Die Kapelle in Althof.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Der Heilige Damm und die Ostsee.

Das Salon- und das Badehaus in Heiligendamm.

Das Salon- und das Badehaus in Heiligendamm.

Der Neue Markt in Doberan.

Der Neue Markt in Doberan.

Die Großherzoglichen Logierhäuser in Heiligendamm.

Die Großherzoglichen Logierhäuser in Heiligendamm.

Das Sommerhaus der Alexandriene.

Das Sommerhaus der Alexandriene.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Die Kirche - Das Doberaner Münster.

Das Großherzogliche Palais in Doberan.

Das Großherzogliche Palais in Doberan.

Der Kamp nach Osten.

Der Kamp nach Osten.

Das Innere der Kirche zu Doberan.

Das Innere der Kirche zu Doberan.

Blick auf den Buchenberg zu Doberan.

Blick auf den Buchenberg zu Doberan.