Die verwünschte Prinzessin unter der Stalenbrücke zu Alt-Strelitz.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von Frau Dr. L. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Alt-Strelitz, Brandenburger Tor, Woldegk
Bei Alt-Strelitz, eine kurze Strecke vom Brandenburger Tore, liegt auf der Chaussee, die nach Woldegk führt, dicht bei den Scheunen die sogenannte Stalenbrücke, eine kleine steinerne Brücke, die über einen breiten Graben führt. Unter dieser Brücke soll eine verwünschte Prinzessin sitzen. Die Sage berichtet darüber Folgendes:

Vor vielen hundert Jahren schwur sich hier ein Prinz mit einer Prinzessin ewige Treue und gaben sie sich dabei einander die Macht, denjenigen verfluchen zu können, der von ihnen die also gelobte Treue bräche.

Die Prinzessin brach ihren Schwur, und der tief beleidigte Prinz verfluchte seine ungetreue Braut und verwünschte sie unter diese Stalenbrücke.

Aus dieser Verbannung kann nun die Prinzessin nur ein nicht bekanntes Wort befreien, und dieses Wort muss ein Mensch zu einem andern sagen, wenn sie gerade über die Brücke gehen. Darauf wird alsdann die Prinzessin kommen und bis zum Tore neben dem gehen, der ihr Erlösungswort gesprochen hat; duldet dieser das nun und redet sie nicht an, so ist die Macht des Fluches gebrochen und die Prinzessin erlöset.

Einmal muss nun schon das Erlösungswort für die Prinzessin gesprochen sein; denn, als eines Tages zwei im angenehmen Gespräch vertiefte Frauen über die Brücke schritten, erschien plötzlich die Prinzessin. Sie trat zu der Frau, welche zuletzt gesprochen hatte und sagte: „Lass mich bis zum Tore neben Dir gehen und rede mich nicht an."

Das Weib war aber frech und dreist und sagte: „Was soll das bedeuten? Was willst Du hier?"

Da rief drohend ihre Hand erhebend die Prinzessin: „Wehe, Du böses Weib, warum hast Du meine Bitte nicht erfüllt? Nun muss ich wieder da unten hinunter und warten, bis wieder einmal ein Mensch mein Erlösungswort spricht!"

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Bis jetzt soll dieses Erlösungswort nun noch nicht wieder gesprochen sein und die Prinzessin noch immer unter der Stalenbrücke schmachten.

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