Die versenkte Kriegskasse im See bei Wakstow, unweit Röbel

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 1
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1858
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage,
Nicht weit vom Hofe Wakstow, nach der ehemaligen Karchower Mühle zu, liegt ein kleiner See, in dessen Tiefe sich ein großer Schatz befinden soll. Als nämlich – so erzählen sich die Leute, - im dreißigjährigen Kriege einmal ein kleiner Trupp Schweden, der seinem Heere die schwergefüllte Kriegskasse nachgeführte, über das Wakstower Feld trabte und so in die Nähe dieses See’s kam, wurde er plötzlich von einer umherstreifenden, sehr starken Patrouille Kaiserlicher bemerkt und sofort auf das Hitzigste verfolgt.

Die Schweden jagten zwar in rasendster Eile mit ihrer schweren Kriegskasse dahin, doch gewahrten sie sogleich zu ihrem größten Schrecken, dass sie nur zu bald von ihren Verfolgern, die ihnen wohl um das zehnfache überlegen waren, eingeholt und überrumpelt sein würden. Um keinen Preis aber wollten die wackeren Reiter dem nach ihrem Schatze lüsternden Feinde die wertvolle Kriegskasse in die Hände fallen lassen; als sie daher keine befreundete Hilfe in der Nähe sahen und auch solche nicht mehr erwarten konnten, stürzten sie, indem sie über die kleine Hügelkette sprengten, an deren Fuße sich der Wakstower See ausbreitet, schnell die Kriegskasse rücklings hinunter in das tiefe Wasser, wo sie denn auch alsbald untergesunken und dem Auge entschwunden war. Die bald darnach eintreffenden Kaiserlichen versuchten zwar dieselbe wieder herauszuheben, aber ohne jeglichen Erfolg; der See war zu morastig, die Kiste sank nur noch immer tiefer und bald mussten sie von der Erlangung derselben abstehen und ihre vergeblichen Bemühungen aufgeben.

Die Schweden hatten indessen dadurch einen bedeutenden Vorsprung gewonnen und entkamen somit sämtlich glücklich den Händen ihrer feindlichen Verfolger.

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In späteren Zeiten hat man sich noch oft und vielfach wieder bemüht, die versenkte Kriegskasse an das Tageslicht zu fördern, aber immer vergeblich. Die letzten derartigen Versuche wurden vor etwa 40 Jahren noch angestellt. Es hatte sich hierzu eine eigene, ziemlich große Gesellschaft, namentlich aus Röbel’schen Einwohnern bestehend, gebildet, die alles nur irgend Mögliche und Denkbare taten, versuchten und unternahmen, um sich in den Besitz des vermeintlichen Schatzes zu setzen. Die Mitglieder dieses Unternehmens hatten sich dieserhalb von dem damaligen Besitzer Wakstow's Erlaubnis erwirkt und begannen nun ihre Nachforschungen auf die großartigste Weise. Doch obgleich sie auch keine Ausgaben, keine Mühen und Arbeiten scheuten, obgleich sie auch allen möglichen Zauber- und Sympathienkram anwendeten und sich Schatzgräber und Teufelsbanner kommen ließen, worunter auch der damals so sehr berühmte Beschwörer aus Strelitz war, so blieb doch auch jetzt wieder Alles ohne Erfolg. Einmal glaubten sich die Nachforsche zwar schon am Ziele ihrer Bemühungen, es klang Etwas in der Mitte des See's so hohl und eigentümlich, und allgemein hieß es, man habe den Ort, wo die versenkte Kriegskasse stehe, jetzt endlich gefunden. Doch zum höchsten Leidwesen der guten Schatzgräber erwies es sich bald, dass es nur Täuschung gewesen; denn ein großer Stein war es, der in der Tiefe des See's lag und beim Aufstoßen mit der Untersuchungsstange so eigen geklungen hatte.

Mehrere Männer, die damals vergeblich mitsuchten, leben noch jetzt in Röbel, wie auch noch ein von ihnen gezogener Graben vorhanden ist, der zum Ablassen des See's diente. Seitdem ist aber den Leuten nun doch der Appetit und die Lust zu den noch ferneren Nachforschungen vergangen, und allgemeiner ist von der Zeit an der Glaube geworden, dass es wohl nur bloß eine reine Sage war, von der versenkten schwedischen Kriegskasse im Wakstower See, oder dass dieselbe sonst auch schon vorher von Andern in der Stille herausgeholt und somit längst der Schatz gehoben worden ist.

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Mecklenburgs Volkssagen - Band 1

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