Die sogenannte Speisenkammer auf der Feldmark von Brunshaupten bei Kröpelin.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von Fr. Schulz, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Speisekammer, Brunshaupten, Ostsee, Kühlungsborn, Kröpelin,
Das an der Ostsee liegende Drittel von Brunshaupten, gewöhnlich Unterhagen genannt, haben meistens Kossaten, Häusler und Fischer inne.

Unterhagen hat so sein Eigentümliches für sich und man hat dort sogar noch mit den Hexen, Spuken etc. oft seine liebe Not. Und es passiert da auch wirklich manches Merkwürdige.

Ich glaube selbst, dass es dort mitunter nicht ganz richtig ist; denn noch an dem Abende, als mir daselbst die hier folgende Geschichte erzählt wurde, erging es mir noch recht schlecht.

Es war etwa zwischen 9 und 10 Uhr, als ich wieder nach Hause machte. Ein sanfter Regen fiel vom Himmel und die Dunkelheit ließ mir den Pfad nur sehr wenig erkennen. Kaum war ich einige hundert Schritte gegangen, plumps! da lag ich, wahrscheinlich in einem Graben, und fühlte sofort, dass ich bis über die Knie nass war.

„Das ging ganz richtig zu!" sagt man mir, und ich glaube das doch nicht; denn ich meine, dort ist nicht einmal ein Graben, und wiederum, es war nicht in der Spukstunde.

Nun, dem sei wie ihm wolle; ich freue mich, dass ich, ohne weiter Schaden zu nehmen, davon gekommen bin. Die vorhin angedeutete und hier folgende Geschichte redet aber deutlicher von einem Spuk.

Zwei Leute aus Unterhagen zogen eines Tages ihre langen Furchen mit dem Haken um einen Hügel, dessen eine steile Seite gewöhnlich „die Speisekammer" genannt wird. Dass es an diesem Orte allemal nicht recht geheuer sein soll, ist Allen wohl bekannt, die dort zu schaffen haben, und hält sich besonders zur Mittagszeit zwischen 12 und l Uhr nicht gern Jemand in der Nähe auf. Auch unsere Häker wissen das und horchen emsig, damit der Ton der Betglocke ihren Ohren nicht entwische.

„Hören wir den ersten Klang der Glocke, so fangen wir an auszuspannen”, sagen sie sich einander, „und dann sind wir mit dem Dreifaltigkeitsklange zu Pferde." *)

*) Die Betglocke wird nämlich in Brunshaupten zu Mittag zwölfmal angeschlagen.

Trotzdem hatten sie die Glocke diesmal doch nicht gehört.

Eben kommt der Eine nach der „Speisekammer", da verbreitet sich dort ein gar lieblicher Geruch, wie von schönen Speisen herkommend.

„Ach”, ruft er dem Andern zu, „hier riecht's nach prächtigem Essen, davon möchte ich wohl Etwas haben!" Er blickte dabei nach dem Ort, woher der Geruch kam, und siehe, da steht eine Schüssel mit appetitlicher Speise und zwei Löffel darinnen.

Der andere Häker kommt auf den Ruf des ersten herbei. Beide stehen voll Staunen und betrachten das dampfende Essen, bis sie sich endlich durch den lieblichen Geruch desselben einladen lassen, die Schüssel bis auf den Grund zu leeren.

Nach gehaltener Mahlzeit sprach der Eine sein „Danke!" und legte einen Schilling in die Schüssel; der Andere aber, ein roher Mensch, nahm den Schilling heimlich wieder heraus und verunreinigte dieselbe noch obendrein.

Der Undankbare aber entging seiner Strafe nicht. Von Tag zu Tag wurde er kränker und elender, und wie die Tage vergingen, so schwand auch seine Lebenskraft, und er trocknete so zu sagen bei lebendigem Leibe zusammen.

Der Dankbare dagegen genoss nicht allein Gesundheit und Frohsinn, sondern wurde mehr und mehr reicher an irdischen und himmlischen Gütern.

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