Die in Fehde lebenden Ritter von Stüvendorf und Wangelin, und die Kirchenglocken des untergegangenen Dorfes Stüvendorf bei Lübz.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Von J. G. C. Ritter zu Friedrichshöhe, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Stüvendorf, Vietlübbe, Lübz, Ritter
Auf dem jetzigen Vietlübber Felde, unweit Lübz, stand früher ein Dorf Stüvendorf, und neben demselben lag im Sumpfe eine Burg, auf welcher ein Ritter wohnte, dem die umherliegenden Dörfer untertänig waren.

Der letzte hier hausende Ritter lebte in Fehde mit einem anderen Ritter, welcher zu Wangelin, etwa eine halbe Meile entfernt, wohnte.

Der Stüvendorfer war vielleicht ein gewalttätiger Mann, denn vor etwa dreißig Jahren fand man bei Ausräumung des Burgverließes das Skelett eines in seinem Ringpanzer an die Mauer mit Ketten geschlossenen und daselbst umgekommenen Mannes*); obgleich es möglich ist, dass er nur darin gefangen lag und erst bei Zerstörung der Burg umkam.

*) Aufbewahrt in der Sammlung des Vereine für mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde zu Schwerin.

Der auf Wangelin sitzende Ritter musste, indes schwer von dem Stüvendorfer gekränkt sein; denn sein Hass war so groß, dass er sein Leben einem gewissen Tode opferte, um nur seine Rache zu befriedigen. Im offenen Kampfe konnte er nichts ausrichten, denn die Burg war zu fest und wohl verteidigt. Er suchte mit List und unter Verkleidung in die Burg zu gelangen; als ein gemeiner Bauer ging er nämlich gegen Abend mit den Kühen, als sie eingetrieben wurden, in die Vorburg, wo die Hofgebäude standen, und von hier schlich er im Dunkeln in die innere Burg.

Als in der Nacht Alles still war, legte er Feuer an das Gebäude, welches nach damaliger Sitte nur leicht gebaut war und schnell in Brand geriet.

Der Wächter machte sogleich Lärm, die Leute wurden munter und eilten herbei; als aber der Stüvendorfer Ritter aus dem brennenden Hause trat, wurde er von dem Wangeliner mit einem Dolche erstochen. Dieser wurde nun sogleich von den Leuten dafür niedergeschlagen und verbrannte mit der Burg, die seitdem nicht wieder aufgebaut ist.

Auch die Burg zu Wangelin wurde zerstört und seit der Zeit wohnten an beiden Orten keine Ritter mehr.

Die Kirche zu Stüvendorf stand noch lange, nachdem Burg und Dorf längst zerstört waren. Hier wurde der Gottesdienst für die übrigen eingepfarrten Dorfschaften gehalten und in der Nähe wohnte der Pfarrer. Die Glocken der Kirche zeichneten sich aus durch ihren schönen Klang.

Im dreißigjährigen Kriege hatte ein Trupp Schweden die Absicht, sich dieser Glocken heimlich des Nachts zu bemächtigen, und sie zu Kanonen umgießen zu lassen. Als sie sich daran machten, dieselben vom Glockenstuhle herabzunehmen, da setzten sich die Glocken von selber in Schwung und läuteten Sturm.

Auf diesen Ruf eilten die Einwohner der Dorfschaften herbei, und da sie sich mit Haken, Äxten und anderen Instrumenten bewaffnet hatten, so ergriffen die Schweden die Flucht.

Um nun die Glocken gegen ähnliche Angriffe in Schutz zu nehmen, brachte man sie in das nächste Pfarrdorf, Vietlübbe, wo man bald eine neue Kirche baute, da die Stüvendorfer schon baufällig geworden war. (R. Z.)
Ein Turnierteilnehmer stellt sich vor

Ein Turnierteilnehmer stellt sich vor

Begrüßung eines Turnierteilnehmers

Begrüßung eines Turnierteilnehmers

Mittelalterliche Burganlage

Mittelalterliche Burganlage

Angriff auf eine Burg

Angriff auf eine Burg

Rittermahl

Rittermahl

Beide Kämpfer am Boden

Beide Kämpfer am Boden

Beim Lanzenstechen an der Hüfte getroffen

Beim Lanzenstechen an der Hüfte getroffen