Die geraubte Frau aus Sülsdorf bei Schönberg

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 2
Autor: Von J. F. L. Bohn zu Demern, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Sülsdorf, Lübeck, Schönberg
In Sülsdorf, ein Dorf an der Schönberg-Lübecker Chaussee, war vor vielen Jahren ein Bauer, dessen Frau verschwand plötzlich. Nun ging das Gerücht, die Unterirdischen hätten sie in ihre Berge geschleppt.

Nach langen Jahren fuhr einmal der Bauer nach Lübeck, und als er des Abends zurück kam, sah er seine Frau an einem Berge sitzen mit einem unterirdischen Kinde auf dem Schoße. Er hörte sie singen mit ihrer klaren, schönen Stimme, damit sie so oft seine Kinder in den Schlaf gesungen hatte, und daran erkannte er sie.

Der Bauer rief: „Moder, büst Du hier?"*) und ging näher heran.

Da sagte sie: „Vader, lat mi nu man hierblieben, ick bün de Spies bi Juch nu nich mehr wennt!"**)

Dennoch zwang er sie mit ihm zu kommen, aber sie ist bald darauf gestorben.

*) „Mutter, bist Du hier?"
**) „Vater, lass mich nun nur hierbleiben, ich bin die Speise bei Euch jetzt nicht mehr gewohnt!"

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