Die drei Schatzgräber von Grünow bei Alt-Strelitz

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Schatzgräber, Schatzsucher, Grünow, Alt-Strelitz, Groß Schönfeld
In Alt-Strelitz war Jahrmarkt gewesen. Unter den Abends heimkehrenden Landleuten befanden sich auch drei aus dem Dorfe Grünow, der Schneider, der Weber und ein Arbeitsmann.

Sie schwatzten dies und das; unter Anderem äußerte auch der Weber, wie er sich gerne noch so Manches auf dem Markte gekauft hätte, aber das leidige Geld sei bei den jetzigen hochbeinigen Zeiten zu behende etc.

„Ganz recht, Gevattersmann”, pflichteten ihm seine Begleiter bei, „auch wir hätten's gerne getan, aber das leidige Geld ist auch uns gewaltig knapp."

„Hol's der Teufel”, meinte der Weber, „wenn ich nur einen Schatz wüste, ich wollte ihn heute noch heben."

„Und wir wollten Dir tapfer dabei helfen und dann brüderlich mit Dir theilen!" rief der Schneider und der Arbeitsmann.

Kaum waren diese Worte verklungen, als sich zu den drei also Redenden noch ein Vierter hinzugesellte.

„Einen Schatz möchtet Ihr heben?" redete dieser sie freundlich an; „nun, da kann ich Euch gerade behilflich sein. Kommt nur mit mir; nicht weit von hier liegt ein solcher. Aber reden dürft Ihr bei Leibe nicht dabei, es mag Euch auch passieren was da will, sonst verschwindet der Schatz."

„Ja, ja, wir wissen's schon", sagten die drei Grünower und folgten eiligst dem voraufgehenden Fremden.

Bald stand dieser stille. „Hier liegt der Schatz vergraben", sprach er auf einen kleinen Hügel zeigend, „und da liegen auch gleich Hacken und Gräber für Euch. Also jetzt nur fleißig dabei; haltet aber bei Leibe den Mund und denkt an meine Worte."

Die nach dem Schatze lüsternen Drei ließen sich nicht zwei Mal zur Arbeit auffordern, schnell griffen sie nach Hacke und Gräber, ohne sich in, ihrer Geschäftigkeit weiter um den Fremden zu bekümmern, der nach seinen letzten Worten verschwunden war.

Der Schweiß rann unsern eifrigen Schatzgräbern bereits in großen Tropfen über die Stirn, als plötzlich eine Kutsche, mit zwei schnaubenden schwarzen Rappen bespannt, angejagt kam. Mehrere scheußlich aussehende Gestalten stiegen heraus, schleppten allerlei Gerät und Balken herbei und errichteten daraus einen Galgen.

Wohl sahen dies unsere Schatzgräber, aber: „Lass Dich nicht verblüffen!" dachten sie bei sich und gruben und hackten lautlos weiter, denn schon sahen sie den Schatz dort unten in dem Loche blinken.

Der Galgen war fertig. Laut berieten sich die unheimlichen Gestalten jetzt, wer zuerst baumeln solle. „Ihr, nehmt den Rotstrumpf!" schrie endlich einer von ihnen.

Rote Strümpfe aber trug der Weber. Eiskalt rieselte es diesem bei den eben vernommenen Worten durch die Glieder; und Alles vergessend erhob er ein Zetermordio und flehte um sein Leben.

Kaum hatte der Weber aber den Mund aufgetan, so schwand auch schon allen Dreien das Bewusstsein; sie sahen und hörten nichts mehr und wussten nicht wie ihnen und was mit ihnen geschah.

Als unsere Schatzgräber endlich wieder zu sich kamen — es war am Morgen des andern Tages — da lagen der Schneider und der Arbeitsmann mit zerquetschten Gliedern vor ihren Haustüren in Grünow; der Weber aber steckte in einem Backofen des Dorfes Groß-Schönfeldt, welches eine halbe Meile von Grünow entfernt ist.

Alle Drei waren hiernach gründlich von ihrer Schatzgräberei kuriert und dankten ihrem Schöpfer, also mit einem blauen Auge davon gekommen zu sein.

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