Die drei Kleinen Männer auf der Feldmark von Malchow bei Parchim

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 3
Autor: Von J. J. F. Giese zu Strohkirchen, Erscheinungsjahr: 1860
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Malchow, Parchim, Garwitz, Zwerge, Kreuzdorn
Früher standen auf der Feldmark des bei Parchim gelegenen Dorfes Malchow, an dem Wege nach Parchim, drei mächtige Eichen. Jahrhunderte hatten sie schon gestanden, und ebenso lange waren sie auch schon der Sitz von drei Zwergen gewesen, welche, so oft sie Abends spät oder Morgens frühe durch Fuhrwerk beunruhigt wurden, aus ihren Wohnungen, den drei Eichen, hervor kamen, auf die Wagen sprangen und sich bis ans Dorf oder umgekehrt bis an die Grenze der Feldmark fahren ließen Die Wagen mochten leicht beladen oder ganz leer sein, sobald die drei Männlein auf denselben saßen, schnitten die Räder hinein in den Sand, wie ein schwerbeladener Heuwagen in den weichen Wiesengrund, und die Pferde dampften bald als wenn sie Mühlensteine zögen.

So selten es einem Malchower auch begegnete, dass diese unangenehme Fracht sein Fuhrwerk belastete, da er so viel wie möglich alle Verrichtungen, die ihn mit seinem Gespann diese Straße führten, vor einbrechender Dunkelheit abmachte, so geschah es doch zuweilen fremden Fuhrleuten, welche diese Stätte nicht kannten und nichts von den drei Männlein gehört hatten, dass sie dieselben als ungern gesehene Gesellschaft mit aufnehmen mussten.

Zu solchen Leuten gehörten auch zwei junge Garwitzer Knechte, welche an einem dunklen Herbstmorgen mit einem Fuder Korn nach Parchim wollten. So früh ausgefahren, dass sie mit Tagwerden in Parchim anlangen könnten, trieben sie die vier Pferde so schnell, als der schlechte sandige Weg und der schwer beladene Wagen es zulassen wollten, mit Peitschenknall und kräftigen Worten vorwärts. Auf dem schlimmsten Wege, von Garwitz bis über Malchow hinaus, war es, die beiden Knechte neben dem Wagen her gehend, unaufhaltsam fortgegangen; jetzt, wo der Weg besser wurde, wollten sich die jungen Leute gar nicht aufhalten, weshalb sich „Hinrich" zu Pferde setzte, während „Jochen" sich seinen Platz auf dem Wagen suchte.

Sie waren bei den drei Eichen angekommen, als einer der Knechte bei denselben zuerst einen, dann zwei und endlich drei kleine Männer, angetan mit grauer Hose, roter Jacke und bunter Troddelmütze, gewahrte. Der andere, darauf aufmerksam gemacht, sah bald dieselbe Erscheinung.

Anfangs wohl etwas schaudernd, waren unsere Knechte doch durchaus nicht derartig, dass sie liefen, ehe ihnen Jemand auf den Leib rückte. Sie trieben vielmehr ruhig die sich bäumenden Pferde weiter und beschlossen, sich mutig zu wehren, es möge kommen, was da wolle. Fester setzte sich Heinrich in seinem Sattel, und Joachim, welcher auf dem Wagen lag, legte sich auch seinen schweren Stock von Kreuzdorn zurecht, um ihn, falls es Prügelei geben sollte, bei der Hand zu haben.

Noch war er nicht zur Abwehr völlig vorbereitet, als schon die drei Männer auf dem Wagen saßen und die vier Pferde vor demselben stampften, keuchten und dampften, als wenn noch drei eben so schwere Wagen dahinter angehängt waren. Während der Fuhrmann auf die Pferde einhieb, sie vorwärts zu bringen, schrie der andere Knecht auf dem Wagen: „Ei wat, Hinnirk, wat zlähst Du doa, hia kumm hea un zlah!“*) mit welchen Worten er seinen „Kreuzdornen" wacker auf die fremden Gestalten fallen ließ.

[i]*)„Ei was, Heinrich, was schlägst Du da, hier komm her und schlage!"]/i]

Diese, so mächtig sie sonst auch waren, waren gegen eine Waffe von Kreuzdorn schwach wie ein Kind; sie flohen eilig vom Wagen und haben es von hier an nie wieder gewagt, den Menschenkindern auf die Wagen zu steigen.

Ihre Wohnung, die drei Eichen, haben die Zwerge aber lange noch nicht verlassen; noch oft sind sie dort von den Abends spät hütenden Pferdejungen gesehen worden in ihrer bunten Kleidung und haben sich die Neckereien derselben gefallen lassen müssen, da sie wohl wussten, mit welchen Mitteln sie zu überwältigen waren.

Erst mit dem Abnehmen der Eichen sind die drei Männchen gänzlich verschwunden und von keines Sterblichen Auge wieder gesehen worden.
Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben

Getreideernte, ein Fuder Getreidegarben