Die brennende Mütze.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Greifenhagen
In der Gegend von Greifenhagen lebte einmal ein Amtmann, der sehr reich war. Sein Getreide gedieh immer am besten auf dem Felde, und seine Herden vermehrten sich von Jahr zu Jahr. Da nahm er zuletzt einen Schäfer an, dem er auf dessen eigene Gefahr seine Schafherde verpachtete. Von Stund' an ging die Herde zu Grunde. Es ging beinahe kein Tag vorbei, dass nicht ein paar der schönsten Schafe starben. Der Schäfer musste sie mit schwerem Gelde ersetzen, so dass er zuletzt so arm wurde, dass er kein Brot mehr im Hause hatte. Bald darauf starb der reiche Amtmann.
Um diese Zeit ging der Schäfer einmal in den Wald, um sich etwas trocknes Holz zu suchen, damit er sich und seine Kinder gegen die Kälte schützen könne. In dem Walde fand er einen Strick, und wie er gerade recht über sein Elend nachdachte, so nahm er in großer Verzweiflung denselben, um sich daran aufzuhängen. Auf einmal kam ein kleiner Mann auf ihn zu, der ermahnte ihn, von seinem Vorhaben abzustehen, und erst mit ihm zu den Wohnungen der Bösen zu gehen. Das war der Schäfer zufrieden, und der kleine Mann führte ihn zu den Wohnungen der Bösen. Hier sah er lauter brennende Menschen, die mitten in den heißesten Flammen steckten. Unter denselben erkannte er auch seinen verstorbenen Herrn, den Amtmann. Dieser brannte schrecklich, und bat den Schäfer, er möge seine Frau von ihm grüßen. Der Schäfer versprach ihm das, aber er meinte, die Frau werde ihm nicht glauben, wenn er kein Zeichen von ihm habe. Darauf warf der Amtmann ihm eine brennende Mütze zu, die aber sogleich aufhörte zu brennen, als der Schäfer sie aufhob. Dabei sagte er zu diesem, die solle er seiner Frau geben. Als hierauf der Schäfer gehen wollte, sagte der Amtmann noch zu ihm, dass er ihn mit den gestorbenen Schafen betrogen habe, und er trug ihm auf, sich seinen Schaden von seiner Frau ersetzen zu lassen.

Der Schäfer ging zuletzt mit dem kleinen Manne wieder fort. Dieser begleitete ihn bis an sein Haus, und sagte unterwegs zu ihm, dass er ja die Mütze nicht behalten solle, weil er sonst dahin müsse, wo der Amtmann sei. Am anderen Tage ging der Schäfer zu der Amtmannsfrau; der brachte er den Gruß von ihrem Manne und gab ihr auch die Mütze, wogegen er den Ersatz für die bezahlten Schafe erhielt. Die Mütze behielt die Frau; aber sie hatte von dem Augenblicke an, dass dieselbe in ihrem Hause war, keine Ruhe und kein Glück mehr. Sie ließ deshalb den Schäfer wieder kommen, und bat ihn, die Mütze zurückzunehmen; das wollte dieser Anfangs nicht, als ihm die Frau aber 6.000 Thaler bot, da ließ er sich verblenden und nahm das Geld und die Mütze. Doch so wie er damit in sein Haus kam, wurde er auf der Stelle gefährlich krank, worauf er alsbald Mütze und Geld wieder auf das Amthaus schickte. Die Amtmannsfrau wollte die Mütze aber auch nicht behalten, und sie ließ sie daher in der Kirche des Dorfes einmauern, wo sie sich noch befindet. Mündlich,

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Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Schäfermeister

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