Die beiden lebendig eingemauerten Mönche von Parchim.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Gesammelt und herausgegeben von M. Dr. A. Niederhöffer, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Parchim, Franziskanermönchskloster, Mönchhof, Ordensbrüder, Konvent
Auch Parchim besaß in katholischen Zeiten, wie so viele Städte unseres Landes, sein Kloster, und zwar ein Franziskanermönchskloster. Es lag in der Stadtgegend, die noch heute zur Erinnerung hieran gemeinhin „Mönkenhof" *) heißt. Nahe dabei stand auch die, äußerlich noch recht gut erhaltene alte Klosterkirche, die gewiss noch vielen der lieben Leser unter dem Namen „de oll Kirch" bekannt sein wird, da sie erst in neuerer Zeit, nachdem sie zuletzt als Kornspeicher gedient hatte, leider gänzlich zerstört und niedergerissen wurde.

*) Mönchhof

Als das Kloster noch im schönsten Flor stand und von einer Menge Ordensbrüder bewohnt wurde, befanden sich unter ihnen auch einst zwei jugendliche Mönche, die gegen ihr heiliges Gelübde und trotz der strengen Klostergesetze ein Liebesverhältnis mit zweien Mädchen in der Stadt angeknüpft hatten. Häufig fanden mit diesen heimliche Zusammenkünfte statt, zu welchem Zweck die beiden pflichtvergessenen Mönche dann spät Abends, wenn Alles im Kloster zur Ruhe gegangen war, durchs Fenster aus ihren Zellen schlüpften, die sie hindernden Mauern überstiegen und nach Philomelenslust*) eilten, wo die Auserkorenen ihrer harrten.

Bald aber wurde Alles entdeckt und schreckliche, Strafe wartete nun den Übertretern ihres heiligen Gelübdes, den Schändern ihres frommen Ordens.

Dort wo sie in Philomelenslust gewöhnlich ihre verbotenen Zusammenkünfte mit den geliebten Mädchen gehabt, wurde auf Befehl von Prior und Konvent des Klosters in der Stille der Nacht eine tiefe Höhle in den Wall hinein gegraben und mit Feldsteinen ausgemauert. Als dies geschehen, wurden die beiden unglücklichen Mönche herbeigeführt und trotz ihres Sträubens und Flehens in die Höhle geschleppt, die nun sofort über ihren Häuptern durch eine doppelte Mauer geschlossen und dann so mit Erde beschüttet wurde, dass am nächsten Morgen dem Orte nichts von dem hier in der Nacht vollzogenen grässlichen Strafgerichte anzusehen war. Und so erfuhr denn Niemand, außer den wenig Eingeweihten etwas hiervon, da es unmöglich war, dass die Seufzer und das Angstgeschrei der lebendig Vermauerten durch die sie bedeckende Erd- und Steinschichten dringen und von den Vorübergehenden gehört werden konnten.

*) Jener herrlich schöne Teil des alten, sehr hohen Stadtwalles, der sich zur Rechten des alten ehemaligen Kreuztors erstreckte. Mit mächtigen Bäumen und Strauchwerk aller Art wild bewachsen und mit Spaziergängen auf seinem Rücken und den Seiten versehen, bildete er eine der schönsten Partien Parchims. Von den vielen sich hier aufhaltenden Nachtigallen stammt der Name Philomelenslust, wovon jetzt leider keine Spur mehr vorhanden, da Alles ebenfalls in neuerer Zeit gänzlich zerstört und abgetragen worden ist.

Als die armen Mönche endlich nach schrecklichen Martern ihr Leben ausgehaucht hatten, da fanden sie dennoch nicht die ersehnte Grabesruhe. Wehklagend irrten sie des Nachts in Philomelenslust umher und Mancher will sie dann in ihren dunklen Ordenskleidern gesehen und ihre Klagerufe vernommen haben.

Bei Zerstörung von Philomelenslust und Abtragung des hohen Walles soll man wirklich die vermauerte Höhle und darin noch die Gebeine der unglücklichen Mönche gefunden haben.

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