Die beiden Lindwürmer.

Aus: Die Volkssagen von Pommern und Rügen
Autor: Gesammelt von Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller, Erscheinungsjahr: 1840
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Pommern, Lindwurm, Lassahn, Peenemünder Heide,
Vor langen Jahren haben sich einmal in Pommern zwei graulich große Lindwürmer aufgehalten, welche von den Leuten auch Hasselwürmer genannt wurden. Einer davon hat seinen Sitz gehabt in dem Holze bei Lassahn, der andere in der Peenemünder Heide. Aus ihren großen Rachen und aus ihren Schwänzen haben sie Feuer und Schwefel gesprüht, und die ganze Gegend haben sie durch grausame Räubereien an Menschen und Vieh in Schrecken und Angst gehalten. Zuweilen hat es sich begeben, dass sie auf ihren Raubzügen einander begegneten; dann ist unter ihnen ein fürchterlicher Kampf entstanden, dass aus ihren Schwänzen ganze Feuerflammen geflogen sind, und die Erde weit umher gezittert und gebebt hat.

Nachdem sie lange Zeit viel Unheil angerichtet, taten sich zuletzt die tapferen Männer der Gegend zusammen, und zündeten eines Tages von allen Seiten das Schilf an, worin das Ungeheuer bei Lassahn verborgen lag und gerade seinen Mittagsschlaf hielt. Auf solche Weise gelang es ihnen, dasselbe zu vertilgen. Es erhob dabei aber ein so fürchterliches Geschrei, dass der andere Lindwurm auf der Peenemünder Heide es hörte, und nun sofort unter großem Klage- und Angstgeschrei die Flucht ergriff. Er warf sich in die See, wo man sein Heulen in immer weiterer Entfernung hörte, bis er zuletzt ganz verschwand. Einige sagen, er sei nach Schweden hinübergeschwommen; Andere meinen, er sei in der Ostsee umgekommen.

Mündlich.

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Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller

Temme, Jodocus Donatus Hubertus (1798-1881) Politiker, Jurist und Schriftsteller