Die Vorläufer der Reformation - 1. Petrus Waldus und die Waldenser

Aus: Reformations-Album
Autor: Augustus Bendel, Erscheinungsjahr: 1885
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Reformationszeit, Reformatoren, Reformation, Religion, Kirche, Predigt, Messe, Muttersprache, Schrift, Kirchenväter, Priester, Lebenswandel, Inquisition, Fegfeuer, evangelische Lehre, Hussiten, Sakramente, Erbsünde, Kalvinisten
1. Entstehung. Etwa 350 Jahre vor Luther lebte in Lyon (Frankreich) ein reicher Bürger Namens Petrus Waldus. Hier hörte er begierig die wenigen Schriftabschnitte, die in den Kirchen vorgelesen zu werden pflegten. Allein er konnte fast nichts davon verstehen. War doch die Sprache, in der die Abschnitte verlesen wurden, die Lateinische. Waldus wünschte die Schrift in der Muttersprache zu lesen. Es gelingt ihm, zwei Priester ausfindig zu machen, welche für gute Belohnung sich dazu verstehen, die Schriften des Neuen Testamentes in die Volkssprache zu übertragen. Diesen werden auch die Erklärungen und Aussprüche der Kirchenväter beigegeben. Nachdem ihm so die Schrift erschlossen worden war, forschte er fleißig darin und findet sich sonderlich angezogen von der Bergpredigt. Das Wort des Herrn an den reichen Jüngling buchstäblich befolgend, verkaufte der Lyoner Kaufmann (1170) alles, was er hatte und gibt es den Armen. Viele werden durch ihn erweckt. Durch Armut und Lesen der Schrift wollen sie vollkommen werden. Nach und nach erkennen sie, dass es ihre Pflicht ist, auch anderen zu predigen. Die Priester ließen sie gewähren und öffneten ihnen gar die Kirchen.



2. Verfolgung. Der Erzbischof von Lyon verbietet Waldus und seinen Anhängern das Predigen. Dieser beruft sich aber auf das Wort Petri, Apg. 5, 29: „Man müsse Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Darauf werden sie aus Lyon vertrieben, war ihnen in den Sinn gekommen. Sie wollen dieselbe nur beleben. Ihre Zeitgenossen loben ihren Eifer, ihre Arbeitsamkeit und ihren Lebenswandel. Aber nichtsdestoweniger tut sie der Papst 1184 in den Bann. Er kann einmal die Predigt des Evangeliums nicht dulden. Ein Konzil (1229) verbietet das Lesen der Schrift in der Volkssprache und zwar (1234) den Priestern eben sowohl als den Laien und führt die Inquisition zur Aufspürung und Bestrafung der Ketzer ein. Tausende enden in den Kerkern und auf dem Scheiterhaufen. Die Übrigen fliehen in die entlegensten Täler Piemonts und Savoyens. Andere lassen sich in Neapel, in der Schweiz, in Württemberg, bei Regensburg in Bayern etc. nieder. Waldus selbst war schon früher nach Böhmen geflohen und starb daselbst 1197.

3. Lehre. Ehe die greuliche Verfolgung über sie ausbrach, beklagen sie zwar das Verderben in der Kirche; bekennen sich aber so ziemlich zu allen Lehren derselben. Nach derselben gilt ihnen Rom als die Kirche des Antichrists; sie verwerfen die Heiligenverehrung, das Fegfeuer, die Ohrenbeichte etc. Infolge ihrer Berührung mit den Böhmischen Brüdern (Hussiten) im 15. Jahrhundert kommen sie zu einer klaren Erkenntnis der evangelischen Lehre. Später erholen sie sich Rats bei den ihnen am nächsten wohnenden reformierten Predigern Buzer und Oekolompad, lassen ihre Lehre von 7 Sakramenten, vom freien Willen, von dem Verdienst Christi, das nur für die Erbsünde völlig genüge, fallen und werden Kalvinisten.

RA 003 Titel

RA 003 Titel

RA 002 Luther

RA 002 Luther

RA 011

RA 011

RA 012 Waldus Peter

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RA 014 Wiclif John (1320-1384)

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RA 016 Hus Jan

RA 016 Hus Jan

RA 018 Savonarola

RA 018 Savonarola

RA 020

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