Die Unterirdischen oder Mönken im Weiberberge bei Malchow.

Aus: Mecklenburgs Volkssagen. Band 4
Autor: Von C. Struck zu Dargun, Erscheinungsjahr: 1862
Themenbereiche
Enthaltene Themen: Mecklenburg-Vorpommern, Sage, Volkssage, Weiberberg, Malchow, Mönken, Fährmann
Die Unterirdischen oder Mönken haben besondere Lieblingsorte, wo sie gerne backen und brauen. So war es auch bei denen, die im Weiberberge an der Klosterseite zu Malchow wohnten. Ich sage wohnten, denn längst sind sie fortgezogen nach einem andern Lande, wo sie ungestört ihr Wesen treiben können, ganz nach ihrem Willen. Dies Land soll Scandinavien sein, wie wir ja bereits schon gehört haben.

In Malchow war es nun zu damaliger Zeit das Haus des A ... . in der Güstrowerstraße, wo die Mönken besonders gern sich aufhielten und verkehrten; und wollten sie backen oder brauen, so ging's nicht anders, als in dem genannten Hause.
Jung und Alt dieser Kleinen versammelten sich dann hier zur Nachtzeit, holten den großen Kessel vom Bord, als ob er ihr Eigentum wäre, und es wurde gebraut, dass es Art hatte. Welche von ihnen standen auf dem Rande des Kessels und rührten mit großen Stäben die Flüssigkeit in demselben um; andere holten Wasser und Holz heran nach Möglichkeit usw.; kurz und gut, es war eine Rührigkeit unter ihnen, wie man sie heutzutage wohl nur noch bei der Vorbereitung einer großen, Bauernhochzeit antrifft.

Eben so rührig ging's beim Backen her. Da schleppten welche kleine Säckchen mit Mehl auf dem Rücken herbei, andere standen im Backtroge, um den Teig zu kneten, etliche heizten den Ofen, und vier bis fünf Mann waren beim Spalten des Holzes beschäftigt.

Es musste den Mönken aber eine solche Brau- und Backnacht ein absonderliches Fest sein, denn die Müßigen tanzten Ringelreigen. So oft sie aber in dem a ... .'schen Hause sich versammelten, jedesmal ließen sie etwas von dem Bier und Brot zurück, um sich dankbar zu beweisen.

Einst waren sie hier wieder zu diesem Zwecke versammelt gewesen und fast graute der Morgen im Osten, als sie fertig wurden. Um nun aber schnell nach ihrer unterirdischen Behausung zu kommen, mussten sie sich über den See setzen lassen. Einige von ihnen weckten deshalb den Fährmann und baten ihn, er möge sie für eine gute Belohnung übersetzen.

Dieser willigte gerne darein, denn ihm war zur Genüge bekannt, dass die Mönken im Geben nicht kärglich waren.

Schnell und ohne Unfall kamen die Kleinen am andern Ufer an. Der letzte von ihnen, der an's Land ging, schüttete seinen vollen Sack aus in die Fähre hinein und sprach: „Hia is Dien Bethalung!*)

*) „Hier ist Deine Bezahlung!"

Als der Fährmann es nun besah, waren es lauter Rossäpfel. Unwillig und laut schimpfend auf das kleine Gesindel, stieß er ihre Gabe mit den Füßen ins Wasser. Zurückgekehrt, band er die Fähre wieder an und suchte noch auf ein Stündchen den Schlaf.

Wie erstaunte er aber, als er am Tage auf der Fähre hier und da pure Goldblättchen fand, und wie sehr bedauerte er jetzt, das Geschenk der Unterirdischen nicht besser gewürdigt zu haben.

Wenn der Fährmann aber später die Geschichte seinen Bekannten zum Besten gab, was oft geschah, pflegte er jedesmal dieselbe mit den Worten zu schließen: „Ick har riek sinn künnt, äwa ick hef't mit dei Fäut von mie stött!"*)

*) „Ich hätte reich sein können, aber ich habe es mit den Fühen von mir gestoßen!"

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